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Menschenwürde Bedingungen in der
weltweiten Bekleidungsindustrie

- Bernhard Oppenrieder (Geschäfts-
führer hess natur), Renate Künast (Bundesverbraucherministerin)
Hess Natur und die Kampagne "saubere" Kleidung setzen zukunftsweisende Zeichen!
Hess Natur lässt sich als erstes deutsches Unternehmen für sozialgerechte Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie durch eine unabhängige Kontrollinstanz überprüfen. Als derzeitig einziges deutsches Firmenunternehmen öffnet sich Hess Natur für die Forderungen der CCC, ein transparentes Prüfsystem, das gewährleistet, dass Textilien "sauber" hergestellt werden. Hess Natur startete 2003 zusammen mit der CCC ein gemeinsames Projekt, um ein neuartiges Kontrollsystem zur Wahrung sozialgerechter Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zu entwickeln. Das gemeinsame Ergebnis dieses Prüfsystems wurde im Rahmen einer Pressekonferenz am 28. April dieses Jahres in Berlin bekannt gegeben, dem auch die Bundesverbraucherministerin Renate Künast beiwohnte. Renate Künast befürwortete dieses Projekt und sprach Hess Natur ihre Anerkennung für die Vorbildlichkeit des Systems aus. Die Ministerin wies am Ende der Pressekonferenz darauf hin, wie wichtig die Rolle des Verbrauchers sei, der mit seiner Kaufentscheidung großen Einfluß darauf nehme, wie und in welcher Weise Produkte hergestellt werden. Die holländische "Fair Wear Foundation" wird in Zukunft als unabhängige Kontrollinstanz Hess Natur im Bezug auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen regelmäßig überprüfen. Dieses Konzept zur Einhaltung von sozialen Standards ist derzeit ein sicheres und nachvollziehbares Kontrollsystem, das auch von kleinen bis mittelständigen Betrieben finanziell getragen werden kann. Hess Natur verdeutlicht damit sein Engagement für menschwürdige Bedingungen am Arbeitsplatz. Der Geschäftsführer von Hess Natur, Bernhard Oppenrieder wies in der Pressekonferenz darauf hin, daß dieses System auch für alle anderen Bekleidungsunternehmen praktikabel wäre. Frans Papma, der Direkter der Fair Wear Foundation erklärte, daß die IG Metall dieses Projekt mit unterstütze. Hierbei wurde die Zusammenarbeit in einer gegenseitigen Vereinbarung niedergelegt.

- (v.li.) Rolf Heimann
(Leiter Innovation &
Ökologie hess natur),
Bernhard Oppenrieder
(Geschäftsführer hess natur)
Renate Künast,
Maik Pflaum (Kampagne für
"saubere" Kleidung),
Frans Papma
(Fair Wear Foundation)
Durchführung des Kontrollsystems
Die CCC wurde im Jahre 1990 in den Niederlanden ins Leben gerufen. In der BRD ist sie seit 1996 aktiv. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, eine sozial "saubere" Produktion von Kleidung zu gewährleisten. Die Clean Clothes Campaign ist ein globales Netzwerk von Organisationen und Initiativen zur Wahrung von sozialen Richtlinien bei der Produktion von Textilien. Der "Code of Conduct" der CCC beinhaltet ein Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Diskriminierung, die Garantie von gerechten Löhnen, Arbeitsschutz, festen Beschäftigungsverhältnissen und vielem anderen mehr. Hess Natur war es hierbei sehr wichtig, den Verhaltenskodex der CCC einzuhalten und dies von einer unabhängigen Umsetzungskontrolle überprüfen zu lassen. Eine firmeninterne Überprüfung, kombiniert mit einer unabhängigen Verifizierung unter Beteiligung lokaler Akteure ist der Gedanke dieses Projekts. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen die Hess-Zulieferbetriebe in Deutschland und Osteuropa, die von Hess Natur zuerst einmal intern bewertet werden. Die Ergebnisse werden im Anschluß daran unabhängig verifiziert. Das Firmenunternehmen wird seine Lieferanten über die neuen Richtlinien informieren. Dabei wird ein Fragebogensystem zur Einhaltung der Standards miteinbezogen, die danach von der CCC-Arbeitsgruppe ausgewertet werden. Gleichzeitig wird sich hierzu die IG Metall und auch die Fair Wear Foundation ein Bild über die Arbeitsbedingungen in den Betrieben verschaffen. Sollten sich diese verschiedenen Überprüfungen als widersprüchlich erweisen, wird die Fair Wear Foundation beauftragt, die betroffenen Firmen sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Weiterhin wird es den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ermöglicht, sich direkt oder auch anonym an die Hess Natur - CCC - Arbeitsgruppe zu wenden. Dieses Projekt kann eine Chance zur Realisierung von menschenwürdigen Bedingungen am Arbeitsplatz für die Zukunft bedeuten. Es hat Vorbildcharakter und sicherlich ist wünschenswert, dass auch andere Bekleidungsunternehmen diesem Schritt folgen.

- Eine Näherin in einer
sogenannten Maquila
hier wird Kleidung
für den Weltmarkt
produziert
Sonderwirtschaftszone Las Mercedes in Zentralamerika
Maquilas produzieren für den Weltmarkt
La Mercedes ist eine Freihandelszone in Nicaragua. In dieser Sonderwirtschaftszone sind Fabriken vorhanden, sogenannte Maquilas, in denen die Kleidung für den Weltmarkt hergestellt wird. Viele bekannte Firmen wie Karstadt, C&A, adidas, Puma, Reebook, H&M, Nike und Levi's lassen ihre Produkte in diesen Fabriken herstellen. In den Maquilas, den Zulieferbetrieben der Textilkonzerne, herrschen auch heute noch absolute Mißstände: Miese Löhne, gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen, u. a. auch sexuelle Gewalt gegen Frauen sowie menschenunwürdige Behandlung der Arbeiter und Arbeiterinnen sind zentrale Kennzeichen der dortigen Arbeitssituation. Ausserdem werden betriebsintern regelmäßige Schwangerschaftstests vorgenommen, die Toilettengänge gezählt und kontrolliert, Gründungen von Gewerkschaften unterbunden, die Arbeitszeit beträgt pro Woche 60 - 80 Stunden und Sozialversicherung ist dort ein Fremdwort. Geringe Zuschüsse werden nur gezahlt, wenn die sehr hohen, kaum zu erreichenden Sollvorgaben erfüllt werden. Versteckte Videokameras und Stechuhren kontrollieren rund um die Uhr die Menschen am Arbeitplatz. Dennoch nimmt die Bevölkerung jede Arbeit an, da die Armut sehr groß ist. Den Arbeitern und Arbeiterinnen gelingt es kaum, für sich und ihre Familien die Lebensbedingungen zu verbessern.

WTO-Welttextilabkommen und die Konsequenzen
Dieses Jahr endete das WTO-Welttextilabkommen, in dem eine mengenmäßige Begrenzung der Lieferung von Waren in die westlichen Industrieländer festgeschrieben war. Dieses Abkommen sicherte den Ländern 30 Jahre lang bestimmte Kontingente für ihre Exporte zu. Ab 2005 fällt nun dieses System von Importbeschränkungen weg. Es wird befürchtet, dass vor allem große bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien von dieser Quotenliberalisierung profitieren werden und ein verstärkter Importdruck aus diesen Ländern erfolgen wird. Von Experten wird geschätzt, dass bis zum Jahre 2010 der Handel mit Textilien von dort um 150 Prozent zunehmen wird. Die Textilfirmen dieser Länder lassen in den Sonderwirtschaftszonen in den Niedriglohnländern zu extrem günstigen Preisen produzieren. Zudem ist die Anzahl von billigen Arbeitskräften nahezu unerschöpflich. Die anderen Produzentenländer wie Afrika, andere asiatische Länder und auch Osteuropa werden die negativen Folgen durch den Wegfall der Quoten spüren. Die CCC fordert die Bekleidungsfirmen seit dem Auslauf des Welttextilabkommens nachdrücklich auf, die durch den Wegfall der Quoten entstandenen Kostenersparnisse in Form höherer Löhne auszuzahlen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Auch solle darauf geachtet werden, dass die Zulieferfirmen die Sozialstandards am Arbeitsplatz einhielten. Die Kampagne warnt auch davor, die Zulieferbetriebe nicht voreilig zu wechseln. Die Clean Clothes-Kampagne wird die zukünftige Entwicklung der Konzerne im Auge behalten und nötigenfalls über Konsumentendruck eingreifen.
- Christiliche Initiative Romero
- Bund der Deutschen Katholischen Jugend/Bundesvorstand
- DGB-Bildungswerk/Nord-Süd-Netz
- Evangelische Frauenarbeit in Deutschland
- Evangelische Studenten/-innengemeinde Deutschlands
- IG-Metall
- INKOTA - netzwerk e. V.
- Bundesverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)
- Katholischer Deutscher Frauenbund
- Katholische Landjugendbewegung Deutschlands
- NRO-Frauenforum Ökumenisches Netz Rhein-Mosel-Saar
- Südwind - Institut für Ökonomie
- TERRE DES FEMMES TIE
- internationales Bildungswerk e. V.
- ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
- Vereinte Evangelische Mission Wuppertal
Quellen:
Wir danken der Firma Hess Natur sowie der Organisation Ci-Romero für die Überlassung des Bildmaterials sowie für die Informationen.





