Bärlauch - Heilpflanze der Germanen

Viele Mythen und Sagen sind mit dem Bärlauch verbunden. Das germanische Volk verehrte den «Bärenlauch» (Allium ursinum) als eine ganz besonders heilkräftige Pflanze. So galt der Bär bei den Germanen als ein Seelentier und Urwesen, der mit seiner unumschreiblichen Kraft und Stärke die Macht des Winters in die Knie zwingt und neues Leben hervorbringt. Er war ein Frühlingsbringer, der auch heute noch traditionell in der alemannischen Fastnacht von fellbekleideten Männern dargestellt wird.

Bärlauch - Allium ursinum
Bärlauch - Allium ursinum

Damals waren die Menschen der Meinung, dass Seelen- tiere sich auch in bestimmten Pflanzen zeigen und durch deren Verzehr man sich die Stärke des Tieres einverleibt. Solche Pflanzen, wie auch der Bärlauch, wurden bei den Germanen an bestimmten heiligen Tagen als Kultspeise gegessen. Die Germanen wußten von der reinigenden Kraft der Pflanze und waren überzeugt davon, das alte Verhärtungen aufgelöst werden. Nach den langen Wintern verzehrten sie die frischen Blätter des Bärlauches um den Körper zu kräftigen und zu entschlacken. Neben dem Bärlauch tragen auch heute noch viele Pflanzen die Namen germanischer Urwesen. So sind bis heute Bezeichnungen wie Wolfsbeeren, Wolfdisteln, Fuchsbeeren, Bärwurz und Bärlapp in Gebrauch. Weitere alte Namen des Bärlauches wie Ramser, Räms und Rames deuten auf einen sehr alten Wortstamm hin. Mit dem germanischen «Hroms» und dem althochdeutschen «ramesadr» wurden damals die Zwiebel- und Lauchgewächse benannt.

Kaiser Karl's Landgüterverordnung

In früheren Zeiten wurde der Bärlauch auch in Gärten angepflanzt. Kaiser Karl der Große (747-814) erließ in seiner Landgüterverordnung, dem «Capitulare de villis et curtis imperialibus», dass 73 Nutzpflanzen und 14 Baumarten in den königlichen Gärten angebaut werden sollten. Unter diese Verordnung fiel auch der Bärlauch. Dennoch kam das Kraut bald wieder aus der Mode und verwilderte erneut. Dass die Pflanze in Vergessenheit geriet, lag am Knoblauch, denn dieser löste das Wildkraut in Küche und Heilkunde ab. Eine Rückbesinnung auf die Kräfte des Bärenlauches mit seinen Heilkräften brachte die Romantik des 19. Jahrhunderts. So schrieb der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle im 19. Jahrhundert folgendes über den Wildknofel: «Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch».Heute erinnern wir uns wieder dieser alten Bräuche sodaß sich das Kraut wieder einer wachsenden Beliebheit erfreut, denn mit seinem hohen Gehalt an schwefelaktiven Verbindungen ist der Bärlauch in der Lage, unseren Körper im Frühjahr zu entschlacken.

Hexenzwiebel, Ränsel, Knoblauch

Knoblauch - Allium sativum
Knoblauch - Allium sativum

Der Bärlauch (Allium ursinum) gehört zur Familie der Lauchgewächse. Im Volksnamen wird er auch als Hexenzwiebel, Wilder Knoblauch, Ränsel, Wurmlauch, Zigeunerlauch oder Waldknoblauch bezeichnet. Sein Geruch ähnelt dem des Knoblauchs, was besonders beim Zerreiben zwischen den Fingern auffällt. An schwülen Tagen kann der ganze Wald nach Knoblauch riechen. Der Bärenlauch ist eine mehrjährige Pflanze mit einer länglichen weissen Zwiebel, aus der die Blätter und der Stängel direkt herauswachsen. Dieser Stängel kann 30 cm hoch werden und trägt die weissen sternförmigen Blüten, die in einer Scheindolde angeordnet sind. Die 6 bis 20 Blüten bilden an der Spitze des Stängels die Dolde. Vor der Blütezeit sind diese von einem Deckblatt eingeschlossen, die als Blütenscheide bezeichnet wird. Die Blüten bestehen aus sechs hellweissen Perigonblättern und besitzen einen bis zu 2 cm langen Stiel. Seine Blütezeit geht von Mai bis Juni. Die beiden grundständigen Blätter sind lanzettlich geformt und von fleischiger Konsistenz. Die Blätter weisen eine leuchtende grüne Farbe auf; sie werden im April und Mai vor der Blütezeit geerntet und verzehrt.


Das Kraut sollte frisch verwendet werden, da es beim Trocknen seine Wirksamkeit verliert. Er wächst wild in Europa und Nordasien an schattigen, feuchten Standorten in Wäldern mit humusreichen Böden. Die Pflanze besitzt nur eine sehr kurze Vegetationsphase, bereits im März beginnen die Zwiebeln auszutreiben und bis Ende Juni ist das Wachstum abgeschlossen.

Achtung!

Die Blätter des Bärlauches sind vom Aussehen, dem giftigen Maiglöcken und der Herbstzeitlosen sehr ähnlich. Beim Zerreiben der Bärlauchblätter fällt jedoch der starke Knoblauchgeruch auf und bietet damit eine sinnvolle Unterscheidungshilfe. Das Maiglöckchen dagegen hat einen süßlichen Duft und ist vom Standort nicht an die feuchten Waldböden gebunden.

Hohe Konzentration an Schwefelverbindungen

Zwiebeln - Allium cepa
Zwiebeln - Allium cepa

Der Bärlauch bestitzt schwefelhaltige und antibiotische Wirkstoffe. Die Blätter des Bärlauches haben gegenüber den anderen Pflanzen die höchste Konzentration an Schwefelverbindungen. Die schwefelhaltigen Substanzen wie Glutathion, Cystein und Cystein-S-oxide werden durch das Abschneiden der Blätter aktiviert und diese entwickeln unter dem Einfluss von bestimmten Enzymen wie den Sulfensäuren eine antibakterielle und antimykotische Wirkung. Die Pflanze hat einen hohen Anteil an Mangan, Magnesium, Adenosin sowie ätherischen Ölen. Mangan ist ein für den Menschen wichtiges Spurenelement; es ist u. a. am Aufbau von Knorpel- und Knochengewebe mit beteiligt. Nach der Einnahme der Pflanze konnte festgestellt werden, dass durch den Wirkstoff «Adenosin» sich Herzrhythmusstörungen sowie die Herzfunktion verbessert. Der Wirkstoffgehalt ist hierbei im Bärlauch wesentlich höher als bei seinem Bruder, dem Knoblauch. Auch das für den menschlichen Körper wichtige Mineral Eisen ist in hoher Konzentration im Bärlauch vorhanden.

Stärkende Wirkung

Neben seiner allgemeinen stärkenden Wirkung ist er hilfreich bei chronischen Hautausschlägen und Flechten, da er in der Lage ist, das Blut zu reinigen. Durch seinen Gehalt an Senfölglykosiden wirkt er verdauungsfördernd. Er hat eine bakterizide Wirkung auf die Darmflora ohne die essentiellen Darmbakterien zu zerstören. Nützlich ist er nach einer Behandlung mit Antibiotika und Sulfonamiden, da er das normale Gleichgewicht im Darm wieder herstellen kann. Der Knofel hat eine gute Wirkung bei Arterienverkalkung und Bluthochdruck. Der Bärlauch verbessert die Fließeigenschaft des Blutes und fördert damit die Durchblutung. Die Pflanze ist in der Lage, das Cholesterin vor dem Oxidieren, also vor chemischer Veränderung zu schützen. Sie besitzt somit auch die Eigenschaft, die «freien Radikale» zu eliminieren, ist nützlich bei Entgiftungkuren, stärkt unser Immunsystem und kann auch bei rheumatischen Erkrankungen sehr hilfreich sein. In der Volksmedizin findet die Pflanze ihre Anwendung bei lästigen Blähungen.

Tinktur
Wer sich einen Vorrat anschaffen mag, ist mit einer Tinktur gut beraten. Frische zerschnittene Bärlauchblätter werden in ein sauberes Schraubglas gelegt. Anschließend wird das Kraut mit einem 40 - 45 %igen Alkohol aufgefüllt und gut verschlossen. Das Ganze lassen Sie drei Wochen lang an einem warmen Ort ziehen, gelegentlich schütteln Sie das Glas etwas. Nach dieser Zeit seihen Sie die Flüssigkeit ab, und füllen es in eine dunkle Tropfflasche, 3 x 12 Tropfen täglich eingenommen in etwas Wasser vor dem Essen wirken Wunder. Die Flasche sollte an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt werden.

Urtinkur
Als Alternative kann Allium ursinum als homöopathische Urtinktur in der Apotheke besorgt werden. Dosierung: 10 Tropfen 1 x tgl., abends mit etwas Wasser einnehmen.
Mehr Infos zu Bärlauch Urtinktur «Allium ursinum» von DHU finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke: >> online bestellenHinweis:
Wer Knoblauch nicht verträgt, reagiert meist auch auf Bärlauch mit Magenbeschwerden.

Bärlauch in der Wildkräuterküche

Bärlauchblätter werden im Gegensatz zu anderen Wildkräutern relativ häufig gesammelt. Aber auch auf gut sortierten Märkten sowie in Naturkostläden kann Bärlauch offen oder bundweise eingekauft werden. Die jungen Blätter werden noch vor der Blütezeit an möglichst geschützten Standorten - weit weg von der Straße - gesammelt und in Salaten, Suppen, Aufstrichen, Kräuterbutter oder Pesto verwendet. Die Blüten eignen sich als Dekoration zu Salaten. Sie schmecken süß und zart nach Knoblauch. Die kleinen Zwiebeln des Bärlauchs können wie Knoblauch verwendet werden.

Achtung: Bärlauch nicht mit den Blättern des Maiglöckchens, dem gefleckten Aronstab oder der Herbstzeitlosen verwechseln. Nach dem Pflücken werden die Blätter unter fließenden Wasser sorgfältig gewaschen und mit einem Küchentuch getrocknet. Kräftige und lange Stiele werden entfernt. Für das Zubereiten von Gerichten werden die Blätter mit einem scharfen Messer fein zerkleinert.

Bärlauchpesto

100 g frische Bärlauchblätter, 4 grob gehackte Bärlauchzwiebeln, 2 EL Sonnenblumenkerne oder Pinienkerne,150 ml kaltgepresstes Olivenöl und geriebener Parmesankäse. Sie waschen die Bärlauchblätter gründlich und trocknen sie danach ab. Zusammen mit den grob gehackten Bärlauchzwiebeln, den Kernen, dem Olivenöl sowie dem geriebenen Parmesankäse bereiten Sie mit der Küchenmaschine eine sämige Paste her. Danach schmecken Sie nach eigenem Gusto mit Kräutersalz und etwas Zitronensaft würzig ab. Zu diesem Gericht passen besonders gut Vollkornspaghetti.

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Weitere Themen:

Frühjahrsputz für die Gefäße
Bärlauch wirkt blutreinigend, verdauungsfördernd und ist in der Lage, das Cholesterin zu senken. Das heimische Lauchgewächs verbessert die Fließeigenschaften des Blutes. Bärlauch ist auch wirksam bei Arteriosklerose.

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Zwiebeln aus der Familie der Lauchgewächse (Alliaceae) - früher den Liliengewächsen zugeordnet - zählen zu den ältesten Gemüsearten. Bereits vor mehr als fünftausend Jahren wurden sie von den Ägyptern als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanzen kultiviert.

Was sind freie Radikale?
Freie Radikale haben ein oder mehrere ungepaarte Elektronen. Diese sind im Gegensatz zu anderen Molekülen instabil. Da ihre Struktur fehlerhaft ist, streben sie nach einer Verbindung mit  Molekülen an.