Gesundes Essen für ein fittes Köpfchen...

                                              ...mit «Brain Food» zu mehr geistiger Fitness

Ein Interview mit der Dipl. Biologin und Fachautorin Dr. rer. nat. Andrea Flemmer

Mit der richtigen Ernährung können wir die Nerven stärken, das Gehirn zum Joggen bringen und - ganz nebenbei auch etwas für das Wohlbefinden tun. Die promovierte Diplom-Biologin Andrea Flemmer weiß, wie es geht. Sie hat hierzu einen interessanten Ratgeber mit dem Titel «Nervennahrung. Das richtige Essen für starke Nerven und ein gutes Gedächtnis» geschrieben. Annette Weinzierl vom TerraNova-Verlag Regensburg, Redaktion Forum-Naturheilkunde sprach mit der anerkannten Fachautorin über Lebensmittel, die dazu beitragen, das Gehirnpotenzial optimal zu nutzen.

Mit «Brain Food» zu mehr geistiger Fitness
Mit «Brain Food» zu geistiger Fitness

Frau Dr. Flemmer, was verbirgt sich hinter dem Begriff «Brainfood»?

Nervennahrung

Unter «Brainfood» versteht man Lebensmittel, die die Kopfarbeit,

also die Leistung des Gehirns, optimal unterstützen, die Kon- zentration wach halten und die Konzentrationsfähigkeit verbessern – «Nahrung fürs Gehirn» sozu- sagen.


Welche Eigenschaften hat Brainfood?


Brainfood hat folgende Eigenschaften:
• Es liefert Vorstufen für Neurotransmitter (Gehirnbotenstoffe) oder
  enthält Substanzen, die für deren Bildung notwendig sind.
• Es unterstützt den Energiestoffwechsel im Gehirn.
• Es liefert Bau- und Schutzstoffe für die Zellen des Gehirns.


                     

Es ist ja allgemein bekannt, dass mit einer geeigneten Auswahl an Lebensmitteln chronische Krankheiten wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv beeinflußt werden. Welche Nährstoffe benötigt das Gehirn, damit wir geistig fit und belastbar bleiben?
Damit unser Gehirn optimal funktioniert, ist eine kontinuierliche Energiezufuhr wichtig. Die beste Basis dafür sind  komplexe Kohlenhydrate. Diese finden Sie z. B. in Vollkorn Getreideprodukten. Die Bausteine des Eiweiß, die sogenannten Aminosäuren, sind auch Botenstoffe bzw. Vorstufen der sogenannten Neurotransmitter (z. B. Acetylcholin), die für die Übertragung von Informationen zwischen den Nervenzellen erforderlich sind. Gehirn und Nervensystem bestehen etwa zur Hälfte aus Fett. Ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren beeinflussen in Kombination mit Zink sogar die Größe des Gehirns und die Menge seiner Zellen. Dass eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen für gute Gehirnleistung erforderlich ist, versteht sich von selbst. In der Regel sind wir auch gut damit versorgt. Außerdem benötigen wir noch Substanzen wie Lecithin und sekundäre Pflanzenstoffe. Nicht zuletzt muss man genügend trinken, um optimal denken zu können.

Kein anderes Organ reagiert so empfindlich auf Ernährungsfehler wie das menschliche Gehirn. Was sollte Ihrer Meinung nach beachtet werden, damit unsere grauen Zellen leistungsfähig bleiben?
Man sollte diejenigen Lebens- oder Genussmittel vermeiden, die auf Dauer dem Gehirn und den Nerven schaden, so fettreiches Fast Food und andere fettreiche Speisen, möglichst wenig Zusatzstoffe konsumieren (das gelingt am besten mit Bio-Lebensmitteln). Auf Drogen incl. Alkohol möglichst ganz verzichten, Übergewicht und Stress vermeiden.

Ist es richtig, dass sich fettreiches Fast Food negativ auf die geistige Fitness auswirkt? Sie schreiben in Ihrem Buch, dass vor allem Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Transfettsäuren hierfür verantwortlich gemacht werden. Was sind eigentlich Transfettsäuren und wie erkennt man sie?
Diese Art Fette entstehen, wenn pflanzliche Öle durch Fetthärtung in eine feste Form überführt, also gehärtet werden, damit sie streichfähig sind. Derartiges findet man nicht nur bei minderwertigen Margarinen, sondern auch bei stark verarbeiteten Fertigprodukten – wie eben dem Fast Food.

Dr. rer. nat. Andrea Flemmer

Frau Dr. Flemmer ist promovierte Diplom-Biologin und Ernährungswissen- schaftlerin. 1991 erschien ihr erstes Buch, ein «Fröhliches Wörterbuch Umweltschutz». 2002 erhielt sie den Neubiberger Umweltpreis für ihr «kontinuierliches und ideenreiches Engagement in der Umweltbildung». Nach der Promotion begann sie als kommunale Umweltschutzbeauftragte und hielt Vorlesungen rund um die Thematik «Einführung in Natur- und Umweltschutz» an der Fachhochschule München. Während der Erziehungszeit für ihre Tochter setzte sie ihre Tätigkeit als Schriftstellerin mit dem Werk «Essen ohne Risiko Bio – Die Alternative» fort. Darauf folgten «Das Anti-Krebs-Kochbuch», das «Multi-Vitamin-Kochbuch» und das «Mineralstoff-Kochbuch», die «Vitaminlüge», die «Schadstofffalle Supermarkt?», «Alternative Therapien bei Multipler Sklerose» und «Das Anti-Herzinfarkt-Ernährungsbuch». Die Bücher wurden von Fernsehauftritten im WDR, Bayerischen Fernsehen und bei TV München begleitet. Vom «Anti-Krebs-Kochbuch» ist inzwischen die 2., überarbeitete  Auflage erschienen und «Das Multi-Vitamin-Kochbuch» wurde in Blindenschrift übertragen.

Das Werk «Bio-Lebensmittel – Warum sie wirklich gesünder sind» ist das 10. Buch der Autorin. Seitdem erschienen im März 2009 «Nervennahrung» und im vergangenen September «Mood-Food  - Glücksnahrung» und das Buch «Apotheke Regenwald». Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Programmverantwortliche des Bereichs «Natur und Technik» an der Volkshochschule Taufkirchen organisiert sie ein «Regenwaldfest» am 20. November diesen Jahres. (2009)

                           

Man weiß schon lange, dass der Stoff «Lecithin» sich gut auf das Denken und die Konzentration auswirkt. Was ist Lecithin und in welchen Lebensmitteln kommt es in natürlicher Form vor?
Lecithine – im Fachausdruck Phosphatidylcholine – sind fettähnliche Substanzen, die für die Funktion des Gehirns wichtig sind. Sie können vom Körper selbst hergestellt werden. Außerdem bestehen sie aus Phosphorsäure, Glycerin und Cholin. Man findet relativ viel davon z. B. in Eidotter, Walnüssen, Haferflocken, Hefe, Erbsen und Sonnenblumenkernen.

Halten Sie bestimmte gesetzlich zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel, Süßungsmittel oder Farbstoffe in Bezug auf die geistige Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit für bedenklich?
Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Konservierungsmittel und Farbstoffe die Konzentrationsfähigkeit verschlechtern und Hyperaktivität bei Kindern fördern. Biolebensmittel ersparen viele Zusatzstoffe, die bei dieser Lebensmittelgruppe nur eingeschränkt zugelassen sind.

Apropos, gibt es für Brainfood spezielle Verhaltensregeln? Ich denke hierbei z. B. daran, wie ein Frühstück oder eine Zwischenmahlzeit aussehen sollte, damit der Blutzuckerspiegel stabil bleibt.
Nach dem Aufwachen sind vor allem die Kohlenhydratreserven des Gehirns erschöpft. Die erste Mahlzeit sollte die «Batterie» wieder auffüllen. Danach funktioniert sogar das Kurzzeitgedächtnis besser als davor. Ein optimales Frühstück beginnt daher am besten mit einem Müsli aus Getreide (am besten Hafer), Obst und Magermilch oder Magerjoghurt. Auch Vollkornbrot mit fettarmen Käse, Quark oder magerem Schinken, dazu frisches Obst ist ideal.  Die Zwischenmahlzeit kann das Leistungshoch am Morgen verstärken. Wer große Pausen zwischen den Mahlzeiten macht wird nervös, unkonzentriert und gereizt. Deshalb löffelt man am besten einen fettarmen Joghurt oder Quarkprodukte bzw. Hüttenkäse und isst frisches Obst, z. B. einen Apfel oder eine Banane. Ideales Brainfood sind auch Vollkorn-Sandwiches mit Eiweiß (fettarmer Käse, magere Wurst).


Nervenahrung. Das richtige Essen für starke Nerven und ein gutes Gedächtnis

Wer morgens nur Kaffee trinkt, sich mittags mit Heißhunger auf einen Hamburger mit Pommes stürzt und spätabends noch ein schwer verdauliches Menü zu sich nimmt, der braucht sich nicht zu wundern, dass ihm die Geistesblitze ausbleiben und dass er schon nach dem Mittagessen in ein «Suppenkoma» oder in die «Fressnarkose» fällt.

Wer allerdings weiß, auf welche Lebensmittel es ankommt, um geistig fit zu bleiben und um starke Nerven zu behalten, der ist auf Dauer leistungsfähiger und konzentrierter. Welche Lebensmittel Gehirn und Nerven besonders unterstützen und welche ihnen schaden, zeigt Dr. Andrea Flemmer in ihrem neuen Buch.

Der Einfluss der Ernährung auf die körperliche und geistige Gesundheit wird nach wie vor unterschätzt und findet in Prävention und Therapie viel zu wenig Anwendung. Nicht nur Übergewicht, Diabetes mellitus oder diverse Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich mit einer durchdachten Ernährung verhindern oder behandeln, auch zahlreiche psychische Leiden und Verhaltensauffälligkeiten werden durch die Ernährung beeinflusst.

Nervennahrung. Das richtige Essen für starke Nerven und ein gutes Gedächtnis
von Dr. rer. nat. Andrea Flemmer

Broschiert: 132 Seiten
Verlag: Schlütersche

Weitere Infos zu diesem Buch finden Sie unter: Rezensionen


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