Pappeln: Napoleons Wegweiser

Pappeln, die Napoleon Bonaparte als Wegweiser pflanzen liess und die zur Familie der Weidengewächse gehören, prägen die Landschaft entlang vieler Flussauen und Alleen. In der Volksmedizin sind sie als Schmerzmittel geschätzt.

Seit langer Zeit prägen Pappeln (Populus species), die zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae) zählen, die Landschaftsbilder entlang vieler Flussauen und Alleen. Derzeit werden etwa 40 verschiedene Pappelarten unterschieden, von denen in Mitteleuropa hauptsächlich die Schwarzpappel (Populus nigra L.), Silber- oder Weisspappel (Populus alba L.) und Zitterpappel (Populus tremula L.) bekannt sind. Sie zählen zu den schnellwüchsigsten einheimischen Nutzhölzern. Mit ihrer hochgewachsenen Krone bieten sie einer Vielzahl von Insekten, Vögeln, Eichhörnchen und Fledermäusen sicheren Unterschlupf und Nahrung. Die mittlerweile selten gewordene Schwarzpappel gehört zu den bedrohten Pflanzenarten, was ursächlich auf die Begradigung von Flüssen, die Entwässerung von Feuchtgebieten, Grundwasserabsenkungen sowie auf den weit verbreiteten Anbau nicht autochthoner (nicht an diesem Standort heimischer) Hybridpappeln zurückzuführen ist. Pappeln haben in Wirtschaft, Medizin und Volksheilkunde als Nutzpflanzen seit vielen Jahrhunderten große Bedeutung. Sie enthalten Verbindungen von Salicylsäure - ein dem Aspirin ähnlicher Stoff - die eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung besitzen.

Viele Arten von Pappeln

In Mitteleuropa ist neben Schwarzpappel, Silberpappel und Zitterpappel eine natürlich vorkommende Hybridsippe, die Graupappel (P. x canaescens oder P. alba x P. tremula) heimisch. Darüber hinaus werden aus forstwirtschaftlichen Gründen zahlreiche Hybriden kultiviert, von denen vor allem zwei sehr ähnliche Arten aus der Gruppe der Balsampappeln, Populus balsamifera (Balsampappel) und Populus trichocarpa (Westliche Balsampappel) erwähnenswert sind. Daneben finden sich noch verschiedene Sorten der Kanadischen Schwarzpappel (P. x. canadensis). All diese Baumarten sind aus einer Kreuzung der europäischen Schwarzpappel mit der Nordamerikanischen Schwarzpappel (P. deltoides) entstanden. Eine Variation der Schwarzpappel ist die Pyramidenpappel (P. nigra «Italica»), die einen säulenförmigen Wuchs aufweist. Diese aus Italien eingeführte Baumart wird seit dem 18. Jahrhundert in Mitteleuropa als Strassen- und Alleebaum angebaut. Für ihre schnelle Verbreitung sorgte Napoléon Bonaparte (1769 bis 1821), der sie zur besseren Orientierung im Winter sowie als Schattenspender im Sommer an den Heerstrassen anpflanzen liess. Pappeln kommen in den gemässigten Klimabereichen weiter Teile Europas sowie in Nordafrika, Nordamerika und Ostasien vor. Ihre Namen im Volksmund wie Abele, Belle, Bollen oder Sarbaum bezeichnen die Gattung Populus insgesamt als auch die einzelnen Arten.

«Populus - Plappern des Volkes»

Der Name Pappel lässt sich vom lateinischen Wort «populus» ableiten und bedeutet Volk oder Gemeinschaft. Dieser Begriff stützt sich auf die griechische Bezeichnung «paipallomai» und meint zittern, zappeln und plappern, was sich zum einen auf die im Winde zitternden Blätter des Baumes und zum anderen auf das fortwährende «Plappern des Volkes» bezieht. Im übertragenen Sinn spielen die leichte Beweglichkeit der Blätter und ihr Rascheln im Wind in der botanischen Nomenklatur daher auf das Säuseln einer Volksmenge an. Der römische Staatsmann, Historiker und Gartenspezialist, Marcus Porcius Cato Censorius, genannt Cato der Ältere (234 bis 149 vor Christus), erwähnt bereits in seinem Werk «De agricultura» (der Landbau) die Pappel (populus) als Nutzpflanze und bezieht sich dabei auf die drei zu seiner Zeit bekanntesten Arten. Bei den Römern dienten die Laubblätter der Pappeln als Viehfutter, ihr Holz wurde für den Schiffs- und Wagenbau benutzt und die Stämme galten als Rankhilfe für die Weinreben. Pappelholz ist eine sehr leichte und vielseitig verwendbare Holzart und wird heute hauptsächlich zu Sperrholz, Obst- und Gemüsesteigen, Möbeln, Zündhölzern und Zahnstochern verarbeitet.

Heilkunde aus früher Zeit

Erste europäische Hinweise über den medizinischen Nutzen der Schwarzpappel finden sich in Dioskurides? Materia Medica (60 nach Christus), die zu den bedeutsamsten pharmakologischen Werken der Antike gezählt wird. Er beschreibt darin die Anwendung der Pappelrinde gegen Harnzwang und des Saftes der Blätter gegen Ohrenschmerzen. Er berichtet auch von in Essig getränkten Pappelblättern, die als Auflage bei Schmerzen gegen die Gicht hilfreich seien. Der griechische Arzt Claudius Galenus von Pergamon (129 bis etwa 201 nach Christus) empfiehlt eine Salbe aus Pappelknospen gegen Entzündungen. Hildegard von Bingen (1098 bis 1148) erwähnt in ihren Schriften, dass Salbenmischungen aus Pappelrinde bei Hauterkrankungen Linderung brächten. Der Arzt und Botaniker Pier Andrea Matthiolus, (1501 bis 1577) beschreibt in seinem «New Kreuterbuch» die Pappelsalbe als Heilmittel bei Entzündungen und Verbrennungen der Haut.

Rezeptur «Unguentum populeum»

Die Pappelsalbe «Unguentum populeum» zählte zu den beliebtesten volkstümlichen Heilmittel der Ärzte und Kräuterkundigen. In einer alten Rezeptur aus dem 17. Jahrhundert wird eine spezielle Salbenmischung, bestehend aus Pappelknospen, Nachtschattengewächsen, Hauswurz, Rosenwasser, Essig und Schweineschmalz beschrieben. Der französische Chemiker und Pharmazeut Antoine Baumé (1728 bis 1804) verwendete die Salbe bei Verbrennungen, oberflächlichen Entzündungen der Haut, äusseren Hämorrhoiden und zur Schmerzlinderung. Pappelsalben besitzen wundheilungsfördernde, schmerzlindernde und antibakterielle Eigenschaften und werden auch heute noch in einigen Fertigpräparaten zur Behandlung oberflächlicher Hautverletzungen eingesetzt. In der Tiermedizin werden Zubereitungen aus Pappelknospen als pflanzliche Entzündungssalbe, wie zum Beispiel in Form der sogenannten «Grünen Salbe» gerne verwendet, da sie auf pflanzlicher Basis, unbedenklich und rückstandsfrei sind.

Medizin der nordamerikanischen Indianer

Die nordamerikanischen Indianer verwendeten die saftreiche Rinde der dort heimischen Zitterpappel (Populus tremuloides Michx.) im Frühjahr als Nahrung. Zu medizinischen Zwecken verarbeiteten sie Blätter, Rinde und Knospen zu einem bitteren Tonikum, um damit die Harnausscheidung und Leberfunktion zu verbessern oder auch um hysterische Erregungs- und Angstzustände zu behandeln. Die frische Rinde benutzten sie zur Wundversorgung bei Verletzungen, Ekzemen, Geschwüren und Verbrennungen. Gegen Ohrenschmerzen bereiteten sie eine ölige Mischung, die sich aus Bärenfett und Pflanzenteilen zusammensetzte.

Botanische Beschreibung

Heimische Pappeln sind bis zu 30 Meter hohe, flach wurzelnde Bäume, die vielfach an Gewässern und auf kargen sandigen und lehmigen Böden wachsen. Sie finden sich oft in Gesellschaft von Weiden, Erlen oder Eschen und können gelegentliche Überflutungen gut überstehen. Ihre wichtigsten Lebensräume sind Auwälder entlang grösserer Flüsse in sommerwarmen Tieflagen. Pappeln sind im Gegensatz zur Mehrzahl der anderen Waldbäume zweihäusig, das bedeutet, dass sich die weiblichen und männlichen Blüten jeweils auf verschiedenen Bäumen befinden. Vor dem Laubaustrieb im Frühjahr erscheinen die männlichen und weiblichen Blütenkätzchen, aus denen sich nach der Bestäubung die Fruchtkapseln entwickeln. Diese sind bereits Ende Mai bis Anfang Juni reif und setzen dann in grossen Mengen ihre Samen mit vielen langen, dünnen und wolligen Flughaaren frei. Die leichte weissflockige Samenwolle wird an trockenen Tagen weit übers Land getragen, was den amerikanischen Pappeln in USA und Kanada den Namen Cottonwood-Tree (Baumwoll-Baum) eingebracht hat. Mit dieser so genannten «Baumwolle» füllte man früher Kissen und Decken.

Schwarzpappel (Populus nigra L.)

Der Name nimmt Bezug auf die graue Borke, die bei älteren Exemplaren sehr dunkel und rissig ist. Die Blattunterseiten besitzen eine blassgrüne Farbe. Ein typisches Merkmal der Schwarzpappel sind die häufig auftretenden grossen runden Beulen am Stamm. Die Krone ist unregelmäßig aufgebaut und ausladend. Schwarzpappeln können ein Alter von 300 Jahren erreichen. Ihre volkstümlichen Bezeichnungen lauten Salbenbaum, Schwartzer Alberbaum, Wollenbaum, Muckenbaum oder Faule Aesche.

Silber- oder Weisspappel (Populus alba L.)

Die Silberpappel entwickelt eine beeindruckende, ausladende Krone und besitzt eine grau-weisse Rinde, die dann im hohen Alter einen graubraunen Farbton annimmt. Die wechselständigen, gestielten Blätter weisen eine ovale bis handförmig gelappte Blattspreite auf, die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün und bildet einen Kontrast zu der fast weissen, filzig behaarten Unterseite. Daher rührt auch der Name «alba», das lateinische Wort für «weiss». Die Silberweide wird traditionell als Silberbaum, Alber, Bellweide, Flickerpappel, Weissalber oder Wollpappel bezeichnet.

Zitterpappel (Populus tremula L.)

An die sommergrüne Espe, deren Blätter sich schon im kleinsten Windhauch bewegen, erinnert die Redewendung «zittern wie Espenlaub». Bei der Zitterpappel ist der Blattstiel stärker abgeflacht als bei anderen Pappelarten. Aus diesem Grunde wird sie im Volksmund auch als «Zitterle» bezeichnet. Das Beiwort «tremula» stammt vom lateinischen Verb «zittern». Die gelbbraune Rinde junger Exemplare wird in China auch als Bandwurmmittel eingesetzt; im Alter weist die Rinde dann eine schwarzgraue und borkige Struktur auf. Die Espe bildet eine hellgrün gefärbte, längliche kegelförmige Krone aus.

Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete

Blätter, Rinde und Pappelknospen enthalten Flavonoide (sekundäre Pflanzenfarbstoffe), Gerbstoffe, ätherische Öle sowie Phenylglykoside mit den Wirkstoffen Salicin, Salicortin und Tremulacin. Diese Stoffe besitzen neben vielfältigen anderen Wirkungsmechanismen vor allem entzündungshemmende, schmerzlindernde, antibakterielle und krampflösende Eigenschaften. Das Salicin, das auch in der Weidenrinde vorhanden ist, wird im Körper zu der eigentlichen Wirkform Salicylsäure verstoffwechselt. Bereits im Jahre 1936 konnte die günstige Wirkung der Glykoside auf die Harnsäureausscheidung nachgewiesen werden. Allerdings wurde dabei beobachtet, dass auch der Gehalt an Salicylsäurederivaten und Flavonoiden zur genannten Wirkung beitrugen. Den neuerdings nachgewiesenen Zink-Lignanen wird eine günstige Beeinflussung bei Störungen der Harnblasenentleerung infolge einer Prostatavergrösserung zugeschrieben. Bei leichten Verbrennungen, oberflächlichen Hautenzündungen, Gliederschmerzen und äusseren Hämorrhoiden gelangen hauptsächlich die Knospen in Form einer Salbe zur Anwendung. Als begleitende Therapie bei Rheuma, Gicht (Verbesserung der Hanrsäureausscheidung), Blasenleiden und Erkrankungen der Prostata werden hauptsächlich Pappelknospen in einer Teezubereitung zur inneren Einnahme verwendet.

Bachblüte für Lebensmut

Die Bachblüte Aspen (Espe/Zitterpappel) wird bei Menschen eingesetzt, die aus unerklärlichen Gründen ein Angstgefühl überfällt, das oft mit Schweissausbrüchen und starkem Zittern einhergeht und nicht klar definiert werden kann. Meist handelt es sich dabei um sehr sensible Menschen, die überdeutlich alles registrieren, was um sie herum geschieht. Ähnlich dem zarten Laub der Zitterpappel, das sich bei jeden Hauch bewegt, reagieren auch sie auf die Signale aus ihrem Unterbewusstsein oder von anderen Menschen. Die Betroffenen leiden unter abergläubischen Vorstellungen, Vorahnungen und erwachen nachts oft schweissgebadet aus Alpträumen. Manche Kinder neigen zum Schlafwandeln und sprechen häufig im Schlaf. Aspen verhilft hier zu innerer Sicherheit, Stärke und Lebensmut.

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Anwendung in der Homöopathie

Ausgangsstoff für das homöopathisches Arzneimittel (Populus tremuloides Michx.) war ursprünglich die innere frische Rinde junger Zweige und Blätter der amerikanischen Espe. Bald darauf setzte man auch die einheimische Espe (Populus tremula L.) ein. Julius Mezger berichtet in seiner homöopathischen Arzneimittellehre von der positiven Wirkung bei Blasenbeschwerden besonders bei alten Leuten oder bei Prostatavergrösserung und bemerkt, dass beide Arzneimittel in ihrer Wirkung gleichgestellt werden können. Madaus erwähnt einige Fälle von Prostatahypertrophie, die mit der einheimischen Art mit einer Potzenz von D1 und D2 erfolgreich behandelt wurden. Das Homöopathikum wird angewendet bei Blasenentzündung sowie bei Prostatavergrösserung, wenn nach dem Wasserlassen krampfartige und oft brennende Schmerzen hinter dem Schambein auftreten.

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Anwendung in der Phytotherapie

Pappelknospentee (Gemmae populi)
Als begleitende Therapie bei Rheuma, Gicht (Verbesserung der Hanrsäureausscheidung), Blasenleiden und Erkrankungen der Prostata werden hauptsächlich Pappelknospen in einer Teezubereitung zur inneren Einnahme verwendet.

Zubereitung:
Pro Tasse Wasser wird 1 Teelöffel der getrockneten oder frischen Knospen benötigt. Die Droge mit kochendem Wasser überbrühen, 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. Davon zwei Tassen täglich trinken.
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Pappelknospensalbe
Will man die bekannte Salbe «Unguentum populeum» selbst herstellen, so ist es wichtig, die Knospen im zeitigen Frühjahr in geschlossenem Zustand zu sammeln.
Zutaten:
100 g Pappelknospen, 250 ml Olivenöl u. 45 g Bienenwachs
Die Knospen im Mörser zerdrücken, in ein sauberes Glas füllen und das Öl darübergiessen. Gut verschliessen und an einem warmen Ort zwei Wochen lang unter gelegentlichem Schütteln aufbewahren. Danach das Öl mit den Knospen in einem Topf etwa 15 Minuten lang erwärmen - nicht kochen - und dann abfiltern. Zuletzt das Bienenwachs im Öl schmelzen lassen, in saubere Salbengefässe abfüllen, beschriften und kühl aufbewahren.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen:
Tee und Salbe nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Propolis, Perubalsam und Salicylate sowie bei Schwangerschaft und Stillzeit. Gelegentlich können allergische Hautreaktionen auftreten.

Hinweis:
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte im «Forum-Naturheilkunde» keinen Ersatz für eine medizinische Beratung und Behandlung durch eine professionelle Fachkraft darstellen. Suchen Sie im Bedarfsfall immer einen Arzt oder Heilpraktiker auf. Auch bei der Anwendung von Arzneimitteln sollten Sie in jedem Fall die Packungsbeilage des Herstellers genau durchlesen und beachten.

Weiterführende Literatur!

400 Kräuterrezepte von Heilmitteln, Essenzen und Tinkturen, Salben und Ölen, Herstellung von Blütenessenzen, Herstellung von wirksamen Hausmitteln Textauszug: Schafgarbe (Achillea millefolium)Sie ist das Kraut der Frauen und vermittelt durch ihre Blüten eine Schwingung, die besonders auf das Immunsystem wirkt und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Ein Sirup aus den Blüten ist eine Abwechslung zum Tee und schmeckt vorzüglich. Besonders energiereich sind die Blüten von Sonnenhängen, wenn vor dem Pflücken mindestens fünf Tage die Sonne geschienen hat, auch der Vollmondtag ist ein guter Pflücktag. Der schwach lilafarbene Sirup wird übrigens umso reiner im Geschmack, je weniger Blütenstiele enthalten sind. Dies ist wegen der winzigen Blüten allerdings sehr arbeitsintensiv.

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