Pflanzensteckbrief: Primula veris L.
Schlüsselblume: Balsam für die Atemwege
Die Schlüsselblume (Primula veris Linné oder Primula officinalis (L.) Hill) ist der Inbegriff des Frühlings. Wenn sie blüht, dann ist der Lenz nicht weit. Immerhin findet sich im lateinischen Namen «Primula veris» bereits ein Hinweis darauf, dass die Blume als eine der «Ersten des Frühlings» ihren Kopf zur Sonne streckt. So bedeutet «primus» die Erste und «veris» kommt von «ver» (Frühling). Die Schlüsselblume spielt eine bedeutende Rolle in den Kräuterbüchern des Mittelalters. Dort wird sie vor allem als Mittel gegen Gicht und zur Herzstärkung erwähnt. Auch Hildegard von Bingen berichtet in ihren Schriften: «Der Hymelsloszel hat alle Kraft der Sonne in sich und wenn ein Mensch traurig ist, so binde er sich das Kraut auf sein Herz.» Heute findet die Schlüsselblume Verwendung bei festsitzendem Husten, chronischer Bronchitis älterer Menschen sowie beim sogenannten Altershusten.
Namen aus dem Volksmund: (Bild: Martin Gabriel)
Himmelsschlüssel, Heiratsschlüssel, Himmelsblume, Osterblume, Primel, Petriblume, Auritzel, Madäneli, Trubechnöpfli, Bürgerschlüssel, Eierkraut und Frauenschlüssel.
Botanischer Steckbrief:
Die Schlüsselblume gehört zur Familie der Primelgewächse (Primula- ceae). Alle Arten von Schlüsselblumen stehen unter Naturschutz; es ist nicht erlaubt deren Wurzeln in der Natur auszugraben. Die Blume wächst in Europa und Asien auf ungedüngten Wiesen, Weiden und Wäldern. Sie ist ein ausdauerndes Kraut mit einer grundständigen Blattrosette und einem Wurzelstock. Im Frühjahr wächst ein blattloser Schaft mit einer Dolde von gelben Blüten hervor. Die im Wald wachsende verwandte Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) hat etwas größere schwefelgelbe Blüten. Sie enthält ähnliche Wirkstoffe wie die Primula veris.
Verwendete Pflanzenteile:
Für arzneiliche Zwecke wird der getrocknete Wurzelstock mit den Faserwurzeln und den getrockneten Blüten verwendet. Das Sammelgut stammt hauptsächlich aus Wild- sammlungen der südlichen Länder, vor allem aus der Türkei. Die Schlüsselblume kann aber auch für den Eigenbedarf in Form von kleinen Pflänzchen aus speziellen Heil- pflanzengärtnereien zum Anbau für den Garten bezogen werden.
Inhaltsstoffe und Wirkungen:
Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Schlüsselblumenwurzel zählen Triterpen- saponine, Phenylglykoside und Flavonoide. In den Blüten und Kelchen sind vor allem Saponine, Flavonoide und ätherisches Öl enthalten. Durch ihren hohen Gehalt an reinigenden Seifenstoffen (Saponine) werden festsitzende Sekrete in Nasenneben- höhlen und Bronchien verflüssigt und dadurch das Abhusten erleichtert. Zudem hemmen die Saponine das Wachstum von verschiedenen Bakterien, Pilzen und Influenza-Viren.
Anwendungsgebiete: (Bild: Martin Gabriel)
Primula veris hat sich als Heilpflanze besonders bei Erkältungen, Husten und Katarrhen der Atemwege, bei Stirn- und Nasennebenhöhlenent- zündungen sowie auch bei Alters- und Raucherhusten bewährt. Außerdem besitzen die Saponine einen schweiß- und harntreibenden sowie stoffwechselanregenden Effekt, sodass die Heilfpflanze auch für eine entschlackende Frühjahrskur gut geeignet ist.
Schlüsselblume in der Volksheilkunde:
Traditionell wird die Schlüsselblume bei Gicht, Rheuma, Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Herzschwäche, Schwindel und Migräne eingesetzt.
Darreichungsformen: (Bild: Martin Gabriel)
Tee, Teemischungen, Fertigpräparate in Kombination mit anderen Heilpflanzen wie beispielsweise Thymian, Eibisch, Sonnentau, Süßholz oder Anis.
Nebenwirkungen:
Eine Überdosierung kann aufgrund der schleimhautreizenden Saponine zu Übelkeit, Magenbeschwerden, Erbrechen und Durchfall führen.
Gegenanzeigen:
Schlüsselblumen können bei empfindlichen Menschen bereits durch Berühren allergische Reaktionen wie eine Rötung der Haut hervorrufen.
Tagesdosis:
Wurzeln: 0,5 bis 1,5 Gramm. Blüten: 2 bis 4 Gramm
Hinweis:
Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung von Zubereitungen aus der Schlüsselblume mit einem Therapeuten besprochen werden.

Schlüsselblumenblüten-Tee
Zubereitungen aus den getrockneten Blüten der Primel (Primulae flos) werden traditionell bei fiebrigen Erkältungen, Husten, Katarrhen der Atemwege, Stirn- und Nasennebenhöhlenentzündungen, Alters- und Raucherhusten, Migräne, Schlafstörungen, Angststörungen und Herzschwäche verwendet. Außerdem wird Schlüsselblumen-Tee gerne für Kinder zur Unterstützung bei fiebrigen Erkältungskrankheiten mit Kopf- schmerzen, Husten mit ungenügendem Auswurf und zähflüssigem Sekret eingesetzt. Bereits Kräuterpfarrer Künzle aus Zizers (1857 bis 1945) lobte die Primel: «Der Schlüsselblumentee ist jedem bekömmlich, dem Kind und dem Greis, in gesunden und kranken Tagen.»
Zubereitung:
Ein Teelöffel der getrockneten Blüten und Kelche (1,3 Gramm) mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen, fünf Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen. Zwei bis drei Tassen täglich trinken. Die Tagesdosis von vier Gramm sollte nicht überschritten werden. Bei Kindern zwischen vier und zehn Jahren wird eine Tagesdosis von zwei bis drei Gramm empfohlen.
Nebenwirkungen:
In einzelnen Fällen sind Magenbeschwerden und Übelkeit aufgetreten. Bei Überdosierung kann es ebenfalls zur Magenbeschwerden und Übelkeit kommen.
Wichtiger Hinweis:
Bekannte Allergie gegen Schlüsselblumen (Primeln) Die Anwendung von Primeln während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte mit einem Therapeuten besprochen werden.
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Bronchipret® TP Filmtabletten
Der pflanzliche Hustenlöser enthält Extrakte aus Thymian und Primel (Schlüsselblume). Die Wirkstoffe dieser Arzneipflanzen bilden eine optimale Kombination zur Schleimlösung und Entkrampfung. Sie verflüssigen den zähen und festsitzenden Schleim, der dann wesentlich besser abgehustet werden kann. Zusätzlich können die Flimmerhärchen wieder aktiv ihre Arbeit aufnehmen.
Einnahmeempfehlung:
Erwachsene und Kinder ab einem Alter von 12 Jahren können dreimal täglich eine Filmtablette einnehmen.
Anwendungsbeschränkung und Nebenwirkungen:
Während Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie die Einnahme mit einer Fachkraft besprechen. Allergische Reaktionen sind möglich. Gelegentlich sind Magenschmerzen und Übelkeit aufgetreten.
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Schlüsselblumenblüten als Schlaftee
Die Inhaltsstoffe der Schlüsselblume wirken sich positiv auf Gemüt und Nerven aus. Besonders als beruhigender Abendtee verhilft die Schlüsselblume zu einem besseren und tieferen Schlaf. Außerdem fördert dieser den gesundheitlichen Zustand unseres Körpers. Hierfür verwenden Sie einen Teelöffel der getrockneten Blüten und Kelche (1,3 Gramm) und übergießen ihn mit einer Tasse heißem Wasser. Dann lassen Sie den Tee fünf Minuten ziehen und seihen ihn ab. Als Abend- oder Schlaftee können Sie diesen Einzeltee über einen längeren Zeitraum geniessen. Sie sollten ihn aber langsam und in kleinen Schlucken zu sich nehmen. Als Alternative können Sie den Beruhigungstee zum besseren Einschlafen auch als wohlschmeckende Mischung verwenden.
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Teemischung - Schlaftee
Für diesen beruhigenden und schlaffördernd wirkenden Tee werden jeweils zwanzig Gramm Schlüsselblumenblüten (Primulae flos), Hopfenzapfen (Lupuli strobulus) und Melissenblätter (Melissae folium) benötigt.
Zubereitung:
Von dieser Mischung einen Teelöffel mit heissem Wasser übergiessen und fünf Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abends eine Tasse Tee schluckweise trinken.
Nebenwirkungen:
Bei bestimmungsgemässem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Bei bekannter Allergie gegen Schlüsselblumen (Primeln) nicht anwenden.
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von Mannfried Pahlow
Verlag: Hirzel
