Das Leben der Volksheiligen - Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen gehörte zu den bedeutendsten Frauengestalten des Mittelalters. Viele Menschen sind auch heute noch von ihren Anregungen zum Thema Ganzheitsmedizin beeindruckt.

Hildegard von Bingen - das Leben der Volksheiligen

Die Äbtissin Hildegard von Bingen beschrieb im 12. Jahrhundert ihre Kenntnisse aus dem Bereich der Medizin, Gesundheit und Naturwissenschaft. Sie gehörte zu den bedeutendsten Frauengestalten des Mittelalters. Sie kombinierte in ihren Schriften die Lehre aus der Antike mit den Erkenntnissen der Araber, der benediktischen Tradition und der altbewährten Heilkunst des Volkes. Ihre Schriften über Gesundheit und Krankheit sind bis heute aktuell geblieben und ihre Kenntnisse darüber werden als «Hildegardmedizin», eine Alternative zur modernen Medizin bezeichnet. Viele Menschen sind auch heute noch von ihren Anregungen zum Thema Ganzheitsmedizin beeindruckt.

Tochter des Edelfreien Hildebert

Die heilige Hildegard von Bingen wird als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild im Jahre 1098 in Bermersheim bei Alzey in Rheinhessen geboren. Als zehntes Kind wurde Hildegard im Alter von 8 Jahren der Klausnerin, Gräfin Jutta von Spanheim, zur Ausbildung übergeben. Die Gräfin hatte damals einige Schülerinnen auf den Gebieten Lesen, Schreiben, Handarbeiten, Musik sowie dem Singen von Psalmen unterrichtet. Die hierbei erlangten Kenntnisse waren später für Hildegards eigene Kompositionen sehr nützlich. Im Laufe ihres Lebens verfaßte Hildegard 70 selbstvertonte geistliche Lieder. Die Klause der Gräfin wurde im Laufe der Zeit zu einem Benediktinerinnenkloster. Nach ihrem Tode im Jahre 1136 übernimmt Hildegard die Leitung und wird Äbtissin auf dem Disibodenberg.

«Schreib, was du siehst und hörst»!

Es begannen sich bei Hildegard Visionen einzustellen und sie vernahm den göttlichen Befehl: Schreib, was du siehst und hörst. Tu kund die Wunder, die du erfährst. Schreibe sie auf und sprich». So begann sie im Jahre 1141 an ihrem ersten großen Visionenbuch, dem Scivias «Wisse die Wege» zu schreiben. In einer kraftvollen Schau werden die Hintergründe der Schöpfung zur Sprache gebracht. Papst Eugen III. las im Jahre 1147 auf einer Zusammenkunft in Trier vor Kardinälen, Theologen und Bischöfen aus der Scivias vor. Zuvor jedoch hatte er die Sehergabe Hildegards durch einen Ausschuss prüfen lassen. Seit diesem Zeitpunkt galt Hildegard als die deutsche Mystikerin im gesamten Abendland. Sie benötigte zehn Jahre, um dieses Werk zu vollenden.

Klostergründung auf dem Rupertsberg

Im Jahre 1147 gründet sie ein eigenes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen. Durch die große Popularität, die Hildegard mittlerweile durch ihre Visionen errungen hatte, erhielt das neugegründete Kloster großzügige Schenkungen von Adelsfamilien. Damit war die wirtschaftliche Grundlage des Klosters weitestgehend gesichert. Der Erzbischof Arnold von Mainz stellte ihr in mehreren Urkunden für ihre Selbständigkeit sowie auf das Recht der freien Äbtissinnenwahl für ihre Nonnen aus. Dennoch suchte sie in diesen unsicheren Zeiten für ihr Frauenkloster militärischen Schutz. Sie stand mit Kaiser Friedrich Barbarossa seit längerer Zeit in einem ausführlichen Briefwechsel. Dieser wurde nun der Schutzherr für ihr Kloster. Das Kloster erlebte eine fast 500 jährige Friedenzeit bis zum Jahre 1631, als der Dreißigjährige Krieg begann. Die Nonnen waren gezwungen vor den Schweden nach Köln zu fliehen.

Medizinisches Wissen

Spitzwegerich

Zwischen den Jahren 1150 und 1165 schrieb Hildegard auf Rupertsberg ihr medizinisches Wissen in ihrer Heilkunde nieder. Das nicht mehr erhaltene Original trug den Titel «Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum». Dieses Werk wurde im 13. Jahrhundert aufgeteilt in die beiden Schriften «Physica» (Liber simplicis medicinae), die eine Zusammenfassung von Arznei- und Heilmittel enthält, und in die «Causae et curae», in der Behandlungsmethoden von Krankheiten erläutert werden. Hildegard beschreibt neben den heilsam wirkenden Arzneimitteln aus den Reichen der Mineralien und Tiersubstanzen auch pflanzliche Mittel mit über 300 verschiedenen Arten. So berichtet sie unter anderen in ihrer Physica über die Heilpflanze Spitzwegerich: «Der Wegerich ist von Natur aus warm und trocken. Er ist hilfreich bei Gicht, gut gegen Insektenstiche und zur Unterstützung von Knochenbrüchen». Ferner verfaßte sie die Schriften zusammen mit ihren Mitarbeitern, dem Mönch Volmar und der Schwester Richardis. Fragwürdig ist bis heute noch, welche Abschnitte dieser Werke von Hildegard selbst stammen und welche später hinzugefügt worden sind. Inhaltlich handelt es sich bei den Schriften jedoch um kenntnisreiche Zusammenstellungen aus der Antike sowie aus den traditionellen volksheilkundlichen Erfahrungen. In ihren Werken weist Hildegard immer wieder darauf hin, wie wichtig das Zusammenspiel von Körper und Seele ist. Eine maßvolle, geordnete Lebensführung war für sie die Grundlage, um im inneren Gleichgewicht und in Harmonie zu bleiben. Sie betrachtete einen gesunden Tagesablauf unter diätetischen Blickpunkten, der sich aus Arbeiten, Essen, Fasten, Ruhen, Schweigen, Reden und Schlafen zusammensetzt.

Klostergärten und Kräuterapotheken

So wurden die Klöster im Mittelalter die Heilstätten schlechthin. Nonnen und Mönche bauten Kräutergärten an und sie besaßen gut sortierte Apotheken. Das begehrte Kloster auf dem Rupertsberg wurde zu klein und Hildegard gründete im Jahre 1165 das heute noch bestehende Tochterkloster Eibingen auf der anderen Rheinseite gegenüber dem Rupertsberg. Zwischen 1158 und 1171 unternahm sie vier große Predigtreisen nach Würzburg, Bamberg, Mainz, Trier, Maulbronn, Hirsau und Zwiefalten. Hildegard verband die Reisen mit der Aufforderung an Volk und Klerus, Buße zu tun. Ihr großes Anliegen, das sie zu dieser Mission drängte, war die Reform der Kirche und die Wahrheit deutlich auszusprechen. Zu diesem Zeitpunkt war sie mittlerweile schon über 70 Jahre alt. Die Reisen waren für sie sehr anstrengend, teilweise mußte sie zu Fuß, mit Pferd oder mit dem Schiff die langen Strecken bewältigen. Dies alles leistete sie, obwohl sie schon in jungen Jahren immer wieder von körperlichen Krankheiten und Schwächezuständen heimgesucht worden war.

Episode mit dem «Interdikt»

Im Jahre 1178 beerdigte Hildegard auf ihrem Klosterfriedhof einen jungen exkommunizierten Edelmann, der sich vor seinem Tode mit der Kirche ausgesöhnt hatte. Kurz nach der Beerdigung erhielt Hildegard einen Brief vom Domherren aus Mainz, in dem ihr mitgeteilt wurde, diese Leiche aus dem Friedhof zu entfernen. Er hätte sich eines schweren Verbrechens schuldig gemacht und sei aus diesem Grunde exkommuniziert worden. Im Weigerungsfalle drohte er Hildgard mit dem Interdikt. Dies bedeutete für die Nonnen den Verzicht auf das Abendmahl sowie auf das Abhalten des Gottesdienstes. Hildegard hielt sich nicht daran, denn aus ihrer Sichtweise heraus, hatte der Edelmann kurz vor seinem Tode gebeichtet und seine Sünden bereut. So wurde während der Abwesenheit des Mainzer Erzbischofes Christian, der sich gerade in Rom aufhielt, das Interdikt verhängt. Sie schrieb daraufhin an den Erzbischof Christian einen Beschwerdebrief und das Interdikt wurde schließlich aufgehoben. Am 17. September 1179 starb Hildegard in dem von ihr gegründeten Kloster Rupertsberg.

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Die Äbtissin Hildegard von Bingen beschrieb im 12. Jahrhundert ihre Kenntnisse aus dem Bereich der Medizin, Gesundheit und Naturwissenschaft. Sie predigte damals schon die Ganzheitsmethode, vollwertige Ernährung und die Anwendung der Kräuterheilkunde am Menschen. Auf diesem Gebiet gilt sie heute noch als Pionierin der Naturheilkunde. Die «Volksheilige» stellte den Dinkel als wichtiges Naturheilmittel in das Zentrum ihrer Lehre.

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