Spitzwegerich - König am Wegrand

«Der Same mit Wein getrunken hält Bauchfluss und Blutspeien auf», schrieb Dioskurides vor über 2000 Jahren über den Spitzwegerich. Er lindert auch Husten und Halsschmerzen und regt den Appetit an.

Spitzwegerich - König am Wegrand

Auf den jährlichen Kräuterwanderungen findet sich an trockenen Wiesen, Feldern, Wegrainen, Pfaden und Dämmen der Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Im zeitigen Frühjahr erkennt man ihn an seinen langen schmalen Blättern, die wie Lanzen aus dem Boden spriessen. Häufig ist er anzutreffen in Gesellschaft zweier anderer Wegericharten, des Breitwegerichs und des Mittleren Wegerichs. Das Wort Wegerich kommt aus dem Althochdeutschen, wega (Weg) und rih (König), somit könnte er auch Wegbeherrscher heissen. Der Spitzwegerich ist heute beinahe weltweit verbreitet; das hat er dem Menschen zu verdanken. Er gilt als Archäophyt (Alteinwanderer), der wahrscheinlich in der Steinzeit gemeinsam mit Getreidearten unbeabsichtigt von Asien nach Mitteleuropa kam. Erste Überlieferungen für die Anwendung dieser Pflanze stammen aus der assyrischen Medizin. In der Antike beschreibt Dioskurides in seiner Arzneimittellehre zwei Wegericharten: «Der Same mit Wein getrunken hält Bauchfluss und Blutspeien auf. Die gekochte Wurzel als Mundspülwasser und gekaut lindert Zahnschmerzen. Gegen Blasen- und Milzgeschwüre werden Wurzel und Blätter mit Süsswein gegeben. Man sagt, das drei Wurzeln mit drei Bechern Wein und ebenso viel Wasser gegen das dreitägige, vier Wurzeln gegen das viertägige Fieber helfen».

Gegenmittel bei Liebeszauber

Plinius der Ältere (23 bis 79) pries den Saft des Wegerichs gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) und Albertus Magnus (1193 bis 1280) empfahlen das Kraut zur Linderung und Heilung verschiedenster Krankheiten, zur innerlichen und äusserlichen Anwendung. Der Spitzwegerich wurde damals bei Blasenschwäche, Leberleiden, Durchfallerkrankungen, Sodbrennen, Asthma, Husten, Spulwürmern, Fieber, Gicht, Rheuma, Augenentzündungen und Insektenstiche verwendet. In einem der grössten Kräuterwerke des Mittelalters beschreibt der Arzt und Apotheker Jacob Theodor (1520 bis 1590) - er nannte sich Tabernaemontanus - auf über 1600 Seiten etwa 3000 Pflanzen. Er bezieht sich in seinem Werk auch auf den Spitzwegerich; so beschreibt er unter anderem wie Brandwunden und Geschwüre mit einer Spitzwegerichsalbe behandelt werden.

«Ein nutzlich Sälblein soll also bereitet werden: nimm frisches Wegrichkraut zwo guter Handvoll/Schweineschmalz/so frisch und wol/ein Pfund: Stoss zusammen mit allem Fleiss im Mörser zu einem Muss/lass hernach acht Tag in einem kalten Keller erbeitzen: Dann thu es in küpfferin Pfännlein/lass gemach sieden/seye es durch ein Tuch/und trucks wol aus: Hernacher thue des Safftes ein halb Pfund dazu/lass wiederum allgemach sieden/biss sich die Feuchte verzehre. Diss ist ein köstlich Sälblein für alle hitzige Geschwulst und Geschwär/zu allem Brand vom Feuer oder unnatürlicher Hitz/die Entzündung und Geschwulst der Wunden und alten Schäden zu fühlen.»

Hildegard von Bingen war der Meinung, dass der Spitzwegerich als Einlauf verabreicht, ein Gegenmittel bei Liebeszauber sei; der Liebeszauber ist ein Zauber, der die Liebe eines Menschen wecken soll. In der Geschichte der Klostermedizin wurde die Pflanze als trocknend, kühlend und zusammenziehend beschrieben worden. Der Schweizer Kräuterpfarrer und Naturarzt Johann Künzle (1857 - 1945) hielt den Spitzwegerich für eines der wichtigsten Naturheilmittel überhaupt.

Schleimige Samen und viele Namen

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist eine ausdauernde krautige Pflanze von 5 bis 50 Zentimetern Höhe und gehört zur Familie der Wegerichgewächse, der Plantaginaceae. Er hat eine stark verzweigte Wurzel, die in bis zu 60 Zentimeter Tiefe reichen kann. Seine Blätter sind in einer grundständigen Rosette vereinigt, lanzettlich geformt, wenig behaart und haben parallel verlaufende Rippen. Besonders deutlich zu erkennen sind die fast parallel verlaufenden 3 bis 7 angeordneten Blattnerven; diese geben dem Blatt eine besondere Stabilität. Der Blattrand ist ungeteilt oder undeutlich gezähnt. Aus der Mitte der Blattrosette gehen 10 bis 40 Zentimeter lange, blattlose Stängel hervor. Der Blütenstiel trägt eine keulenförmige Ähre mit kleinen Blüten aus denen die Staubgefässe herausschauen. Zur Blütezeit, die von Mai bis September geht, hängen die Staubgefässe lang aus den Blüten heraus. Später erscheinen Kapselfrüchte, die aus dem oberständigen Fruchtknoten hervorgehen. Die darin befindlichen 2 Millimeter langen Samen sind dunkel bis schwärzlich gefärbt und besitzen eine schleimhaltige Aussenschicht. Diese Schleimsamen werden im Spätherbst von Vögeln verzehrt. Der Spitzwegerich bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige, sandige oder lehmige Böden. Im Volksmund wird die Pflanze Spiesskraut, Lungenblattl, Schlangenzunge, Heufressa, Ripplichrut, Rossrippe, Wegetritt und Spitzfederich genannt. Dioskorides bezeichnete ihn auch als Siebenrippig und Vielnervig.

Breiter Bruder in Fusstapfen der Bleichgesichter

Spitzwegerich ist einfach zu unterscheiden von seinem Bruder, dem Breitwegerich (Plantago major): Dieser hat breitere und eiförmige Blätter, die platt am Boden anliegen. Das Wort «Plantago» lässt sich aus dem Lateinischen «planta» ableiten und bedeutet Fusssohle. Die breiten Blätter des Breitwegerichs erinnern an die Fusssohle des Menschen, er ist eine Trittpflanze. Der Breitwegerich wächst hauptsächlich an den Stellen, auf die Menschen ihren Fuss gesetzt haben. Aus diesem Grunde wird der Breitwegerich von den nordamerikanischen Indianern auch als die «Spur des weissen Mannes», «Fusstapfen der Bleichgesichter» oder als «Fusstritt des weissen Mannes» bezeichnet. Der Spitzwegerich mit seinen lanzettlichen Blättern ist keine Trittpflanze. Mit «Spur des weissen Mannes» wird also nur der Breitwegerich (Plantago major) beschrieben. Er wird in der Phytotherapie bei Husten und Halsschmerzen verwendet, dennoch hat er eine geringere Heilwirkung als der Spitzwegerich. Darüber hinaus wird Breitwegerich auch in der Homöopathie bei Bettnässen, Gesichtsneuralgien und bei Zahn- und Ohrenschmerzen eingesetzt.

Tötet Salmonellen, festigt den Stuhl

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Die Pflanze besitzt Schleimstoffe, die den Heilungsprozess von Infektionen an den Rachenschleimhäuten fördern. Die Schleimstoffe wirken reizlindernd auf die Bronchien, sie überziehen die befallenen Schleimhäute mit einer Schutzschicht. Zudem verfügt das Heilkraut über den Wirkstoff «Aucubin» (Rhinanthin), der eine antbiotische Eigenschaft besitzt. Der Stoff ist in der Lage, eine Wachstumshemmung und sogar eine Abtötung von Bakterien wie Staphylokokken, Meningokokken und Salmonellen zu bewirken.

Im Spitzwegerich sind Gerbstoffe vorhanden, die eine adstringierende (zusammenziehende) Wirkung haben. Aufgrund ihrer zusammenziehenden Eigenschaft auf die Schleimhäute wird die gesteigerte Sekretion herabgesetzt, der krankheitserregende Nährboden wird von Bakterien befreit. Die Gerbstoffe entziehen auch dem Darminhalt die Flüssigkeit - Spitzwegerich wirkt daher festigend auf den Stuhl. Die Stoffe regen zudem den Appetit an. Die enthaltene Kieselsäure kräftigt das Bindegewebe und wirkt sich insgesamt positiv auf das Immunsystem aus.

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Die Pflanze enthält Flavonoide, die Vitamine A und C und Mineralien. Obwohl die Pflanze sehr häufig vorkommt, wird sie für die Arzneimittelherstellung in Kulturen angebaut, um damit einen guten Wirkstoffgehalt zu erzielen. Aus Wildbeständen wird der Spitzwegerich hauptsächlich von Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Tschechien angeboten. Wissenschaftliche Anerkennung findet das Kraut bei Katarrhen der Atemwege sowie bei der äusserlichen Anwendung von Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.

Blätter und Wurzel verwendbar

Spitzwegerich

In der Heilkunde finden hauptsächlich die Blätter Verwendung, die von April bis August geernet werden können. Frische und junge Blätter im Frühjahr gesammelt, können als herbe Beigabe zu Salaten gemischt werden. Die Blätter haben einen verdauungsfördernden Effekt. Die Wurzel kann zur Blütezeit geerntet und mit anderen Kräutern zu einer Suppe verarbeitet werden. Die gekochte Wurzel gut gekaut soll bei Zahnschmerzen helfen. Als Tee wirkt er gut gegen Husten und Kinder nehmen ihn gern als Hustensirup ein. Spitzwegerich ist schleimlösend und ist ein hervorragendes Mittel bei allen Erkältungserscheinungen. Die Droge lässt sich bei Hustenproblemen gut mit dem Huflattich kombinieren, dessen Wirkstoffgehalt dem des Spitzwegerichs ähnlich ist. Die Pflanze hilft bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und wird auch bei Bronchitis, Durchfallerkrankungen, Asthma, Gicht, Hämorrhoiden sowie bei Furunkeln angewendet. Bei Rauchern oder angehenden Nichtrauchern hilft Plantago lanceolata, die belastete Lunge wieder zu kräftigen. Bei äusserlichen Hautverletzungen kann man das Kraut zur ersten Wundversorgung anwenden.

Spitzwegerichtee

2 Teelöffel Spitzwegerichkraut mit 1 Tasse kochendem Wasser übergiessen; 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Täglich sollten 3 Tassen getrunken werden.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen:
Bei bestimmungsgemäßen Gebrauch sind keine Nebenwirkungen und Risiken bekannt. Pollenallergiker sollten dennoch bei einer Anwendung vorsichtig sein.
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Spitzwegerich-Sirup

50 g getrocknetes Kraut mit 1 l kochendem Wasser übergiessen und 20 Minuten ziehen lassen. Anschliessend abseihen. Die Flüssigkeit in einem Topf geben und ohne Deckel bei mässiger Hitze so lange weiter kochen lassen, bis er sich um die Hälfte reduziert hat. Anschliessend werden 300 g Honig dazugegeben und unter Rühren aufgelöst. Den warmen Sirup in hygienisch einwandfreie Flaschen abfüllen. Täglich zu den Mahlzeiten 3 bis 4 TL Sirup einnehmen. Gut verschlossen lässt sich der Sirup über einen längeren Zeitraum im Kühlschrank aufbewahren - Spitzwegerich schimmelt nicht: Er enthält einen Antibiotika ähnlichen Stoff, der das Schimmeln verhütet.

Kaltzauszug gegen Zahnschmerzen

Zum Spülen des Mundes gegen Zahnweh nehmen Sie 2 TL Spitzwegerichkraut und übergießen es mit 150 ml kaltem Wasser. Das Ganze bleibt dann für ca. 2 Stunden stehen, zwischendurch mehrmals umrühren. Anschließend wird das Kraut mit einem Teesieb abgeseiht. Leiden Sie unter anhaltenden Zahnschmerzen ist es ratsam, einen Zahnarzt aufzusuchen. Mehr Infos zur «Spitzwegerichkraut-Tee» finden Sie auf der Homepage der Online Apotheke >>online bestellen

Insektenstiche

Hilfreich ist der Spitzwegerich bei Insektenstichen oder zur ersten Wundvesorgung, wenn Sie sich in der freien Natur verletzt und keine entsprechenden Materialen wie Pflaster und Desinfektionsmittel dabei haben. Die Blätter werden zerrieben oder gekaut und auf die Wunde gelegt. Mit einem unzerkauten Blatt können Sie das Ganze bedecken.

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