Homocystein - der Risikofaktor...

...bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Homocystein gehört zu den körpereigenen Stoffen. Es entsteht beim Abbau von Eiweiß. Homocystein gilt derzeit als Risikofaktor bei Herzkreislauferkrankungen. Beim Abbau von Stoffen im Körper entstehen giftige Substanzen, die der Organismus ausscheiden muß. Dazu gehört auch das Homocystein, das sich aus der essentiellen Aminosäure (Eiweißbaustein) Methionin bildet. Methionin muß täglich in einer Menge von 2 g aufgenommen werden, damit andere chemische Reaktionen für den Eiweißaufbau ablaufen können. Bei diesen Stoffwechselvorgängen entsteht als Zwischenprodukt das Homocystein, das beim gesunden Menschen, der ausreichend mit Vitaminen versorgt wird, schnell umgewandelt wird. Wichtig sind hierbei die B-Vitamine und Folsäure.

Sind die Stoffwechselprozesse aus irgendwelchen Gründen gestört, steigt der Homocysteinspiegel an. Erbliche Faktoren (selten) und falsche Ernährung spielen hier eine Rolle. Trotz der seltenen Erbgutveränderung werden bei sehr vielen Menschen, die über 50 Jahre alt sind, zu hohe Homocysteinspiegel gemessen. Hauptursache hierfür sind Vitamin B- und Folsäuremangel.

Bedeutung der Folsäure
Die Folsäure wird zu den B-Vitaminen gezählt. Der Name leitet sich ab aus dem Wort «Folium» (das Blatt). Zu den natürlichen Quellen der Folsäure gehören alle dunkelgrünen Blattgemüse und Salate wie Spinat, Feldsalat, Petersilie, Grünkohl, Brokkoli. Ferner findet sich das Vitamin auch in Weizen und Weizenkeimen, Sprossen, Milch, Käse, Bierhefe, Kartoffeln und Zitrusfrüchten. Folsäure arbeitet eng mit dem Vitamin B12 zusammen und wird zur Blutbildung, zur Zellerneuerung und zur Zellteilung benötigt. Desweiteren dient es dem Aufbau unseres Nervensystems. Folsäuremangel ist in unseren Industrieländern oft verbreitet. Besonders Schwangere, Säuglinge und ältere Menschen sind gefährdet.

Vitamin B6
Das Vitamin B6 ist am Auf- und Abbau der Aminosäuren beteiligt. Es beeinflußt im zentralen Nervensystem die Erregungsübertragung, spielt eine Rolle bei der Blutbildung und der Immunabwehr. Weiterhin ist es an der Synthese von Lecithin mitbeteiligt. Das Lecithin sorgt dafür, daß wir ein elastisches Bindegewebe und glatte Gefäßwände haben. Ein hoher Lecithinspiegel bindet zudem das schädliche Cholesterin. Ein vermehrter Alkoholgenuss sowie ein zu hoher Kaffeekonsum beeinträchtigen den Vitamin B6 Spiegel im Blut. Zu den natürlichen Quellen gehören Vollkornprodukte, grünes Gemüse, Kartoffeln, Bananen, Erdnüsse, Walnüsse, Fisch und Lammfleisch.

Vitamin B12
Vitamin B12 wird benötigt, um Homocystein wieder in Methionin umzuwandeln. Das Vitamin wird als einziges von allen wasserlöslichen Vitaminen vom Körper in einem Depot gespeichert. Der Organismus ist über mehrere Jahre hinweg in der Lage ohne Zufuhr von Vitamin B 12 auszukommen. Natürliche Nahrungsquellen sind Muskelfleisch vom Rind, Seelachs, Sardinen, Milch, Quark, Käse, Eier und Bierhefe. Bei rein veganischer Kost über mehre Jahre hinweg ist die Versorgung mit Vitamin B12 kritisch, da es nur in sehr geringen Mengen in Pflanzen vorkommt. Eine orale Substituion ist hier zu empfehlen und sinnvoll, da das Vitamin zum Teil auch passiv resorbiert wird. Mangelzustände treten auch bei zu hohem Alkoholkonsum auf, bei bestimmten Magen- und Darmkrankheiten und auch im hohem Alter. Bei Einnahme der Antibabypille, von Lipidsenkern, Antibiotika sowie bei krebshemmenden Mitteln ist der Bedarf erhöht. Das Vitamin wird weiterhin zur Blutbildung und für das Nervensystem benötigt.

Auswirkungen des Vitamin-Mangels
Fehlen dem Organismus die genannten Vitamine, erhöht sich der Homocysteinspiegel. Dadurch steigt das Risiko von Herzkreislauferkrankungen, der Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe ist gestört und die Entstehung neuen Lebens kann beeinträchtigt sein. Durch regelmäßige Einnahme von Folsäure läßt sich bei Frauen, die eine Schwangerschaft planen, das Risiko, daß ihr Säugling mit dem sogenannten «offenen Rücken» (Neuralrohrdefekt) zur Welt kommt, erheblich reduzieren.


HOMOCYSTEIN

Weiterführende Literatur zum Thema Homocystein

HOMOCYSTEIN
Grundlagen – Klinik – Therapie – Prävention
von Olfaf Stanger


Mit Vorworten von Kilmer McCully, Boston und
Wolfgang Herrmann, Homburg
2004, Verlag Wilhelm Maudrich, Wien
448 Seiten, 111 Abbildungen, 22 Tabellen
Format: 17x24 cm, kartoniert
ISBN 3-85175-766-1