Lycopus europaeus: Ein Kraut für Herz und Schilddrüse

Die Schilddrüse spielt im Stoffwechsel eine grosse Rolle: Funktioniert sie nicht richtig, reichen die Beschwerden von Herzrasen über Verdauungsstörungen bis hin zur inneren Unruhe. Hierfür haben sich Zubereitungen aus Wolftrappkraut zur Behandlung einer leichten Schilddrüsenüberfunktion bewährt.

Wolfstrapp - Lycopus europaeus

Im Gegensatz zu Heilkräutern wie Andorn, Herzgespann, Melisse, Taubnessel oder Brennessel, die bereits seit der Antike bekannt sind, ist die Geschichte der arzneilichen Verwendung des Europäischen Wolfstrappkrautes (Lycopus europaeus L.) relativ kurz. Erst seit dem Mittelalter finden sich Hinweise auf eine gute Wirksamkeit bei Herzjagen und Herzschmerzen in Verbindung mit Angstgefühlen. Die nordamerikanischen Sioux-Indianer - insbesondere die Santee-Sioux - nutzten dagegen schon seit Urzeiten einen nahen Verwandten, den virginischen Wolfstrapp (Lycopus virginicus L.), der in seiner Wirkung dem europäischen Wolfstrapp vergleichbar ist. Sie setzten die Pflanze in Form von Teeaufgüssen aus dem frischen Kraut wie auch aus der Trockensubstanz erfolgreich bei Erkältungskrankheiten, offener Lungentuberkulose, zur Blutstillung und als Beruhigungsmittel ein. Auch als wertvolles Herztonikum, vor allem gegen nervös bedingte Herzbeschwerden, fand das Kraut seinen ihm gebührenden Platz beim indianischen Volk. Dieses Wissen machte sich später auch die Homöopathie zunutze und verwendete seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts den virginischen Wolfstrapp bei Herzbeschwerden und Schilddrüsenüberfunktion.

Die medizinische Wissenschaft in Europa wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf den europäischen Wolfstrapp aufmerksam und entdeckte zunächst seine positive Wirkung auf das Herz und bei leichten Formen der Schildrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Heute hat sich der Wolfstrapp als pflanzliches Schilddrüsentherapeutikum in der modernen Phytotherapie fest etabliert – vor allem bei Beschwerden mit vegetativ-nervösen Störungen wie Unruhe, Reizbarkeit, Angst, Schlafstörungen, Herzklopfen, Herzrasen und vermehrtem Schwitzen. Dazu findet das Kraut zunehmend wissenschaftliche Anerkennung bei der Behandlung von Spannungsgefühlen und Schmerzen der Brustdrüse (Mastodynie) während der zweiten Zyklushälfte der Frau.

Wolfstrapp und die Botanik

Der europäische Wolfstrapp oder Uferwolfstrapp, der zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) gehört, ist eine bis zu einem Meter hohe, mehrjährige Staude, die in Europa und Nordasien verbreitet ist und an Fluss- und Bachufern, feuchten Gräben, in lichten Wäldern, auf nassen Wiesen und in Sümpfen vorkommt. Zudem ist der Wolfstrapp auch eine herrliche Gartenpflanze, die mit ihren auffallend hübschen Blättern die Blicke auf sich zieht. Er bevorzugt im Garten sonnige Standorte bei feuchten und nährstoffreichen Böden. Sein nordamerikanischer Bruder, der virginische Wolfstrapp, kann ebenfalls im Kräutergarten angepflanzt und verwendet werden. Dieser unterscheidet sich vom Lycopus europaeus dadurch, dass er überwiegend auf Wiesen anzutreffen ist und etwas kleiner ausfällt. Für die Arzneizubereitung wird das oberirdische blühende Kraut (Herba lycopi) in der Zeit von Juli bis September abgeschnitten, zu kleinen Sträussen gebunden, kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort aufgehängt und getrocknet. Das ausdauernde Kraut hat einen vierkantigen Stängel, der mit gegenständigen, elliptischen, scharf gezähnten, sechs bis neun Zentimetern langen Blättern besetzt ist. In den oberen Blattachseln wachsen dichte, kugelige Scheinquirle mit violettlich-punktierten, weissen trichterförmigen Lippenblüten. Aus diesen Blüten entwickeln sich die Früchte, die wiederum aus vier kleinen braunen Nüsschen bestehen, in denen der Samen enthalten ist. Dieser kann im Herbst oder Frühling im Garten ausgesät werden, ältere Pflanzen lassen sich auch durch Teilung vermehren.

Auf den Spuren des «Wolfshufs»

Wolfstrapp - Lycopus europaeus

Die deutsche Bezeichnung Wolfstrapp geht zurück auf die Form der Blätter, die an den Fussabdruck eines Wolfes erinnert. Auch der Gattungsname «Lycopus» leitet sich vom altgriechischen Wort «lykos» (Wolf) und «pous» (Fuss) ab und ist eine vom französischen Arzt und Botaniker Joseph Pitton de Tournefort (1656 bis 1708) eingeführte Übersetzung des neuzeitlichen Namens der Pflanze. Der Beiname «europaeus» verweist auf die europäische Heimat dieser Art, «virginicus» hingegen bezeichnet den nordamerikanischen Verwandten. In Anlehnung an seinen bevorzugten Standort wird das Kraut im Volksmund auch Uferwolfsfuss, Wasserandorn oder Sumpfandorn genannt. Darüber hinaus bestehen noch weitere Namen wie gemeiner Wolfstrapp, Wolfshuf, Wolfsfuss und Zigeunerkraut. Zur Gattung Lycopus zählen insgesamt vier Arten, von denen ausser Lycopus europaeus und virginicus auch Lycopus lucidus arzneilich genutzt wird, welcher in der chinesischen Heilkunde seit über zweitausend Jahren als Kraut gegen Menstruationsbeschwerden, schmerzhafte Verletzungen und Harninkontinenz Verwendung findet. Die vierte Art, Lycopus americanus, ist in ihrer Wirkung dem europäischen und virginischen Wolfstrapp ähnlich, auch sie bevorzugt als Standort den feuchten Boden am Ufer von Seen und Teichen.

Reguliert die Schildrüse

In der Volksheilkunde ist der Wolfstrapp erst seit dem Mittelalter als Heilpflanze bekannt, aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe rückt er seit dem 20. Jahrhundert immer mehr in den Mittelpunkt pharmakologischer Interessen. Neben Gerbstoffen, Flavonoiden, Glykosiden, Harzen und kleinen Mengen ätherischem Öl ist es vor allem die Lithospermsäure, ein Kaffeesäurederivat, die den Wolfstrapp zu einem wertvollen Spezifikum bei leichten Formen der Schilddrüsenüberfunktion macht. Wolfstrappextrakte bremsen den Jodtransport zur Schilddrüse und mindern die Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen, diese dämpfenden Effekte auf die Schildrüse werden auch als «antithyreotrop» bezeichnet. Darüber hinaus hemmt Wolfstrapp die Bildung von Prolaktin - eines Hormons, das die Milchdrüsen in der Brust stimuliert - und besitzt daher einen lindernden Effekt bei zyklusbedingten Schmerzen und Spannungen der weiblichen Brüste. Diese Beobachtungen wurden durch wissenschaftliche Untersuchungen in den siebziger und achtziger Jahren bestätigt, so konnten beim prämenstruellen Syndrom, der Mastodynie und klimakterischen Befindlichkeitsstörungen mit Wolfstrapp gute Ergebnisse erzielt werden. Auch Beschwerden, denen eine vegetative Fehlsteuerung wie Herzrasen, erhöhte Reizbarkeit oder vermehrtes Schwitzen zugrunde liegt, lassen sich durch die Wirkstoffe der Pflanze positiv beeinflussen.Wolfstrapp-Zubereitungen gibt es im Handel als Tee, Tinktur, Urtinkur, Homöopathikum und als Fertigpräparate, auch Kombinationspräparate zusammen mit Herzgespannkraut und Baldrianwurzel sind erhältlich.

Lycopus in der Homöopathie

Wolfstrappkraut

In der Pflanzenheilkunde gelangt in erster Linie der europäische Wolfstrapp zur Anwendung, in der Homöopathie dagegen wird hauptsächlich der virginische Wolfstrapp eingesetzt. Dieser ist in Nordamerika von Kanada bis Florida, in Asien und Australien sowie in den gemässigten Zonen Europas heimisch und wächst an stehenden Gewässern und Flüssen mit schwacher Strömung. Ausgangsstoff für das homöopathische Arzneimittel (Lycopus virginicus) ist die Urtinktur, die aus der frisch blühenden Pflanze gewonnen wird. Der virginische Wolfstrapp fand in der homöopathischen Literatur erstmals im Jahre 1855 Erwähnung. Das Mittel wurde von den Ärzten Morrison, Chandler und Kopp einer homöopathischen Arzneimittelprüfung unterzogen und von Dr. Erich Assmann nach Europa eingeführt. Dieser empfiehlt Lycopus virginicus bei nervösen Herzerkrankungen und Hyperthyreose wie auch bei deren Ausprägungen während des Klimakteriums der Frau. Hierzu zählen besonders beschleunigter Puls, inneres Zittern und Angstzustände, wobei Assmann unterstreicht: «Mir ist kein Mittel bekannt, das diese rein hormonale Angst so ausgeprägt hat wie Lycopus». Ferner hat sich das Mittel bei Herzschwäche mit Auftreten von schnellem, stürmischem Herzschlag und heftigem Pochen in der Brust sowie als Unterstützung bei der Behandlung von Morbus Basedow (einer immunologisch bedingten Schilddrüsenüberfunktion) bewährt. Im Krankheitsfalle präsentiert sich der betroffene Patient als reizbar, nervös, zittrig und gehetzt, besonders am Abend tritt eine erhöhte geistige und körperliche Aktivität auf. Da die homöopathische Behandlung mit Lycopus virginicus relativ frei von Nebenwirkungen ist, hat sich diese Therapie in der naturheilkundlichen Praxis fest etabliert. Als Standarddosis werden jeweils dreimal täglich fünf Globuli in der Potenz D6 empfohlen.

Mehr Infos zu «Lycopus virginicus D6» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke: >> online bestellen

Was ist eine homöopathische Arzneimittelprüfung?

Was eine Arznei bewirkt, wird durch eine sorgfältige Prüfung am Gesunden festgestellt. Die Durchführung von Arzneimittelprüfungen in der Homöopathie an relativ gesunden Menschen unterliegt genauen Richtlinien. Eine bestimmte Anzahl von Prüfern nimmt in gewissen Abständen die zu prüfende Substanz ein. Danach werden alle darauf folgenden Änderungen im Befinden schriftlich dokumentiert. Neben den Resultaten aus den Prüfungen fliessen Symptome von Vergiftungsfällen sowie Beobachtungen an Kranken mit in die Arzneimittelbilder ein. Auch heute noch werden Prüfungen von bekannten und neuen Arzneistoffen durchgeführt, um möglichst vollständige Arzneimittelbilder erstellen zu können.


Gesundheitstees mit Wolfstrapp


AndornSchilddrüsen-Tee
Tee aus dem getrockneten Kraut (Lycopi herba) kann angewendet werden bei leichter Schilddrüsenüberfunktion mit vegetativ-nervösen Störungen oder auch bei vegetativ-nervösen Beschwerden, die dem Bild einer Schilddrüsenüberfunktion entsprechen, ohne dass dabei eine messbare Hypertyhreose vorliegt. Ferner wird er bei prämenstruellen Beschwerden, Wechseljahrproblemen und Kreislaufstörungen eingesetzt.
Zubereitung:
1 gehäufter Teelöffel der feingeschnittenen getrockneten Droge (entspricht zirka einem Gramm) mit einer Tasse heissem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen und absieben. Zweimal täglich eine Tasse Tee mässig warm und ungesüsst über mehrere Wochen lang trinken.
Hinweis:
Die Tagesdosis von maximal 2 Gramm sollte dabei nicht überschritten werden, wobei die richtige Dosierung individuell zu ermitteln ist, indem auf das eigene Wohlbefinden und Körpergefühl geachtet wird. Bei bestimmungsgemässem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

AndornSchilddrüsenausgleichende-Teemischung
Für diesen auf die Schilddrüse beruhigend und ausgleichend wirkenden Tee werden jeweils zwanzig Gramm Wolfstrappkraut (Lycopi herba), Herzgespann (Leonuri herba), Baldrianwurzel (Valerianae radix), Melissenblätter (Melissae folium) und Lavendelblüten (Lavandulae flos) benötigt.
Zubereitung:
Von dieser Mischung einen Teelöffel mit heissem Wasser übergiessen und sieben Minuten zugedeckt ziehen lassen. Zweimal täglich eine Tasse Tee schluckweise nach den Mahlzeiten trinken.
Nebenwirkungen:
Bei bestimmungsgemässem Gebrauch sind keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Bitte beachten!
Eine Behandlung mit Wolfstrapp sollte immer einschleichend - besonders bei der Verwendung von Fertigpräparaten - geschehen. Dazu darf die Erhaltungsdosis niemals plötzlich abgesetzt werden, da es sonst zu einer Verstärkung der Beschwerden kommen kann. Eine Anwendung mit Fertigpräparaten sollte darüber hinaus nicht ohne fachlichen Rat erfolgen. Bei Vorliegen einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einer vergrösserten Schilddrüse mit normalen Hormonwerten ohne Beschwerden darf Wolfstrapp nicht angewendet werden. Auch Schwangere und Stillende dürfen Wolfstrapp-Zubereitungen grundsätzlich nicht verwenden. Generell sollte Wolfstrapp nicht in Kombination mit Thyroxin-Präparaten eingenommen werden. Bei einer bevorstehenden Schilddrüsenuntersuchung mit Radiojod müssen Heilmittel aus und mit Wolfstrapp zwei Wochen vor dem Eingriff abgesetzt werden, da sie das Ergebnis verfälschen können.


Fertigpräparat mit Wolfstrapp


THYREO LOGES comp. Tropfen
THYREO LOGES comp. Tropfen

THYREO LOGES comp. Tropfen
Thyreo Loges comp. kann bei Schilddrüsenüberfunktion mit Herzklopfen eingesetzt werden. Die Begleiterscheinungen wie Schlaflosigkeit, Haarausfall und vermehrtes Schwitzen gehen dabei zurück.
Einnahmeempfehlung:
Soweit nicht anders verordnet, morgens und abends je 8-10 Tropfen einnehmen. Für empfindliche Patienten sollte nach Weisung des Therapeuten in der ersten Woche eine einschleichende Dosierung gewählt werden. Bitte vor Einnahme des Arzneimittels die Packungsbeilage beachten.
Mehr Infos zu «THYREO LOGES comp. Tropfen» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke >> online bestellen

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen:

Nicht bei Allergien gegen den Wirkstoff anwenden. Eine Behandlung mit dem Wirkstoff sollte immer einschleichend - besonders bei der Verwendung von Fertigpräparaten - geschehen. Dazu darf die Erhaltungsdosis niemals plötzlich abgesetzt werden, da es sonst zu einer Verstärkung der Beschwerden kommen kann. Eine Anwendung mit Fertigpräparaten sollte darüber hinaus nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen. Bei Vorliegen einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einer vergrösserten Schilddrüse mit normalen Hormonwerten ohne Beschwerden darf Wolfstrapp nicht angewendet werden. Auch Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren dürfen Wolfstrapp-Zubereitungen grundsätzlich nicht verwenden. Generell sollte Wolfstrapp nicht in Kombination mit Thyroxin-Präparaten eingenommen werden. Bei einer bevorstehenden Schilddrüsenuntersuchung mit Radiojod müssen Heilmittel aus und mit Wolfstrapp zwei Wochen vor dem Eingriff abgesetzt werden, da sie das Ergebnis verfälschen können. "

Wichtiger Hinweis:
Alle angegebenen Arzneimittel-Informationen vermitteln nur einen allgemeinen Überblick über deren Anwendung und können keinesfalls eine fachliche Beratung durch Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker ersetzen. Im Bedarfsfall sollten Sie einen Spezialisten aufsuchen. Vor einer etwaigen Anwendung von Arzneimitteln sollten Sie in jedem Fall die Packungsbeilage des Herstellers genau durchlesen und beachten.

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