Die «Wilde Malve» - schleimige Allrounderin

Mit dem Einsetzen des Frühjahrs begegnet uns auf zahlreichen Wiesen, Weiden und Waldrändern die im Winter so lang entgangene Vielfalt der wild wachsenden Pflanzen. In beeindruckender Weise lassen sich auch wieder die prächtigen Blüten der Malvengewächse bewundern, die auch als Zierpflanzen in Haus und Garten sehr beliebt sind. Unter vielen Gattungen dieser großen Pflanzenfamilie hat die Wilde Malve (Malva sylvestris L.) als Arzneipflanze eine besondere Bedeutung erlangt. Ihre Schleimstoffe wirken reizlindernd bei Erkrankungen der Atemwege, der Verdauungsorgane und der Haut sowie bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum.

Historische Arznei- und Gemüsepflanze

Wilde Malve

Die Wilde Malve gehört zu den ältesten Nutzpflanzen. Ursprünglich kommt sie aus dem südeuropäisch-asiatischen Raum, seit der jüngeren Steinzeit hat sie sich in ganz Mitteleuropa verbreitet. Mittlerweile ist die Pflanze fast überall auf unserem Globus anzutreffen. Der griechische Geschichtsschreiber und Dichter Hesiod erwähnte die Malven bereits um 700 vor Christus. Der Name «Malva» stammt ursprünglich aus dem Lateinischen, die hebräische Bezeichnung «malluah» bedeutet «Salat». In der Tat wurden die Malven in der Antike nicht nur als Arzneimittel eingesetzt, sondern auch als billige Nahrung für die arme Bevölkerung verwendet. Heute wird vermutet, dass die Wegmalve (Malva neglecta Wallr.) damit gemeint war. Der Arzt Pedanius Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) setzte die Wilde Malve bei Gebärmutterleiden, Darmträgheit sowie bei Wespen- und Skorpionstichen ein. Die Malva sylvestris wird in der Verordnung «Capitulare de villis et curtis imperialibus» von Karl dem Großen (747 - 814 n. Chr.) erwähnt. Darin gibt er detaillierte Anweisungen für den Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen in Klöster- und städtischen Nutzgärten.

Die «Babela» im Mittelalter

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 - 1179 n. Chr.) [Hildegards Biographie, hier:] nennt die Malve «Babela». Sie rät davon ab, die Malve roh zu essen, da sie giftig und zu schleimig sei. Dennoch sei sie heilsam, wenn jemand einen kranken Magen habe und die Malve zuvor gut gekocht und mit Fett angereichert eingenommen werde. Dies fördere die Verdauung, der Kranke solle jedoch die Pflanze nur in geringen Mengen zu sich nehmen. Der Mönch Odo Magdunenis erklärt die Bezeichnung «Malve» als eine Kombination der lateinischen Begriffe «millire» (erweichen) und «alvus» (Bauch). Er war überzeugt davon, dass die Malve den harten Leib erweiche und setzte die Pflanze als Abführmittel ein. Darüber hinaus wurden Malvenblätter in Verbindung mit Weidenblättern zerstampft und als Umschläge bei blutenden Wunden eingesetzt. Auch die Schwindsucht, Verhärtungen der Gebärmutter, Fieber und Augengeschwüre wurden mit der Malve behandelt.

«Käsepappel» oder «Chäslichrut»

Wilde Malve

Die Malva sylvestris L. gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie wächst in den wärmeren Zonen Europas und Asien. Die Pflanze bevorzugt trockene, kalkhaltige sowie stickstoffreiche Böden. Die «Wilde Malve» kommt als ein- oder zweijähriges Kraut oder als länger ausdauernde Staude vor. Sie ist mit einer spindelförmigen Wurzel im Boden verankert, aus der mehrere ästige, rauhaarige Stängel entspringen. Diese Stängel sind entweder aufrecht stehend oder liegend und tragen langgestielte, zumeist tiefe fünflappige Blätter. Die Ränder der Blätter weisen eine Kerbung auf und sind beidseits behaart. Aus den Blattachseln gehen lange behaarte Blütenstiele hervor, die am Ende bläuliche, violette bis rosafarbene Blüten tragen. Nach der Bestäubung entwickeln sich Spaltfrüchte, die vom Erscheinungsbild an Käserollen erinnern. Diese wurden früher zu einem schmackhaften Brei, dem «Käsepapp» verarbeitet. Auf diesem Weg entstand für mehrere Malvenarten der Name «Käsepappel» oder «Chäslichrut». Die 5 Kronblätter der Malve sind tief ausgerandet und mit drei dunkeln Längsstreifen versehen. Sie blüht vom Juni bis in den Oktober hinein. Ihre Lieblingsplätze sind Wegränder, sonnige Hänge und Mauern, Schuttplätze, Fels- und Wiesenränder. Im Volksmund wird sie auch als Feldmalve, Johannispappel, Rosspappel und Zigerli bezeichnet.

Vorliebe für stickstoffreiche Böden

Die Blüten der Pflanze werden mit dem Kelch jedoch ohne den Stiel gepflückt und während der Blütezeit von Juni bis Oktober gesammelt. Die Blätter dagegen werden in den Monaten Juni bis Anfang September bei trockenem Wetter geerntet. Blüten wie auch Blätter müssen danach sofort und sorgfältig an einem luftigen und schattigen Ort getrocknet werden. Die jungen frischen Blätter sind zudem sehr schmackhaft in Salaten oder als Wildgemüse. Zubereitet ähnlich wie Spinat sind sie ein Genuss für Freunde der Wildkräuter-Küche. Aber: Die Malve liebt lockere stickstoffreiche Böden und benötigt zum guten Gedeihen viel Sonne. Ihre Blätter können daher eine große Konzentration an Nitraten aufweisen. Aus diesen Gründen sollten Sie das Sammeln auf überdüngten Wiesen vermeiden. Um eine gesicherte Qualität zu erhalten, ist es vorteilhaft, Produkten aus der Apotheke generell den Vorzug zu geben.

Die Vielfalt der Malven

Stockrose
Stockrose

Es gibt etwa 30 Gattungen dieser Pflanzenfamilie. Als Arzneipflanze ist vor allem die Malva sylvestris L. zu nennen, deren Schleimstoffe reizlindernd bei Erkrankungen der Atemwege sowie des Magen-Darm-Traktes wirken. Die Eibischpflanze (Althaea officinalis L.), die auch zu den Malvengewächsen gehört, hat wie die Wilde Malve eine gute Wirkung bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum und trockenem Reizhusten. Ihre Wurzeldroge ist in vielen Fertigarzneien wie Hustensirup oder Hustensaft enthalten. Die Stockrose (Althaea rosea) ist in der Wirkung ihren Verwandten sehr ähnlich. Wir finden sie als häufige Zierpflanze in unseren Gärten. Die Stockrose ist auch bekannt als Malvae arboreae flos, Stockrosenblüte oder schwarze Malve, die wesentlichen Inhaltsstoffe sind ebenfalls Schleim- und Farbstoffe. Ihre schönen dunkelrot gefärbten Blüten werden in erster Linie als Schmuckdroge zur Verschönerung in Hustentees beigemischt.

Verhinderte «Pille für den Mann»

Baumwolle

Unter den Wirtschaftspflanzen hat die Malvenfamilie der Gattung Gossy- pium (Baumwolle) in der Textilindustrie große Bedeutung. Der Strauch mit seinen gelben Blüten wird in tropischen und subtropischen Ländern kultiviert. Da die Baumwolle auch zur Herstellung von Watte und Ver- bandstoffen verwendet wird, ist sie unentbehrlich für die Medizin und die pharmazeutische Industrie geworden. Daher ist Gossypium aus der modernen Chirurgie sowie der täglichen medizinischen und thera- peutischen Praxis nicht mehr wegzudenken. Auch in der Homöopathie findet die Baumwolle ihren Einsatz. Die Homöopathie verwendet hier die frische grüne Wurzel der Baumwolle in potenzierter Form. Das homöo- pathische Mittel (Gossypium herbaceum) wird verabreicht bei Schwan- gerschaftsübelkeit sowie bei verspäteter Menses. Die homöopathische Voraussetzung für die Gabe von Gossypium wäre hier die Empfindung, «als ob die Menstruationsblutung einsetzen würde, dies aber jedoch nicht geschieht». Außerdem findet das Homöopathikum seinen Einsatz bei Anorexie (Magersucht), wenn als Begleitsymptom ein unbehagliches Gefühl in der Magengrube zur Zeit der Menses verspürt wird. Die Samen der Baumwolle (Semen gossypii) enthalten ein Aldehyd, das Gossypol. Diese Substanz besitzt antioxidative, insektizide und spermizide Eigenschaften und hemmt somit die Beweglichkeit und Neubildung der Spermien. Der Wirkstoff war als Kontrazeptivum, die sogenannte «Pille für den Mann» in wissenschaftlicher Erprobung, das Gossypol disqualifizierte sich jedoch, da es zu starke Nebenwirkungen verursachte.

Pflanzenschleim wirkt schützend

Der Hauptwirkstoff der Wilden Malve ist der reichlich vorhandene Pflanzenschleim. Aufgrund des hohen Gehaltes an klebrigem, «pappigem» Schleim in der Pflanze wird auch vermutet, dass der im Volksmund häufig verwendete Name «Pappel» hierauf zurückzuführen ist. Zudem besitzt die Pflanze ätherische Öle sowie Gerbstoffe, die leicht adstringierend (zusammenziehend) wirken. In den Blättern sind neben Flavonoidsulfaten auch verschiedene Zuckerkomponenten enthalten. Die Blüten weisen einen hohen Gehalt an Anthocyanen auf, hier ist vor allem das Malvin zu nennen. Die Anthocyane (griech. anthos - Blüte, kyáneos - dunkelblau) gehören zu den wasserlöslichen sekundären Pflanzenfarbstoffen und besitzen antioxidative Eigenschaften. Die Malve wirkt als Schleimdroge reizlindernd und einhüllend. Sie ist mittlerweile zum Bestandteil vieler Hustentees geworden. Wissenschaftlich anerkannt ist ihre Anwendung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Reizhusten. In der Erfahrungsheilkunde hat sich die Droge bei leichteren Durchfällen gut bewährt. Auch bei Vorliegen eines Reizmagens lohnt sich ihr Einsatz. In der Volksmedizin wird sie zur äußeren Anwendung als abschwellendes Mittel bei Insektenstichen zusätzlich eingesetzt. Aufgrund ihrer leicht verträglichen Wirkung ist sie besonders für Kinder und alten Menschen gut geeignet.


Gesundheitstees mit Malve


Malventee-Kaltansatz

Sie übergießen 2 gehäufte Teelöffel der geschnittenen Droge (Blüten) mit 0,25 Liter lauwarmem Wasser. Diesen Ansatz lassen Sie unter gelegentlichen Umrühren 5 bis 10 Stunden ziehen, danach seihen Sie den Tee ab. Zum Trinken wärmen Sie ihn etwas auf. Die Lösung können Sie auch zum Gurgeln oder Spülen für den Mund- und Rachenraum verwenden. Die Kommission E empfiehlt die Malve bei Schleimhautreizungen und trockenen Reizhusten.
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Malven-Teeaufguss

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Sie geben 3 bis 4 TL der getrockneten Blätter oder Blüten in ein Gefäß und übergießen es mit 200 ml heißem Wasser. Den Tee lassen Sie 10 Minuten ziehen, dann seihen Sie ihn ab. Trinken Sie pro Tag 3 bis 4 Tassen ungesüßt.

Bei Magen- und Darmbeschwerden können Sie zusätzlich noch eine «Käsepappelrollkur» durchführen. Sie trinken eine Tasse Malventee, dann legen Sie sich für je fünf Minuten auf den Rücken, auf die rechte Seite, auf den Bauch und auf die linke Seite.

Malven-Tee können Sie auch sehr gut mit den Wurzeln der Schlüsselblume mischen. Als Hustentee ist diese Mischung für Kinder bestens geeignet.

Benötigen Sie Umschläge zur äußeren Anwendung, wird der Aufguss nach dem gleichen Verfahren hergestellt und anschließend abgekühlt verwendet.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind derzeit keine bekannt, allerdings sollten Sie eine maximale Tagesdosis von 5 Gramm der Droge nicht überschreiten.

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Verwechslungsgefahr mit Hibiscus

Viele der im Lebensmittelhandel angebotenen «Malventees» bestehen sehr oft aus Hibiskusblüten («Rote Malve» oder «Hibicus sabdariffa L.»). In der Volksheilkunde wird diese Droge auch zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt, jedoch ist ihre Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt. Die medizinische Verwendung wird aus diesem Grunde allgemein nicht empfohlen. Hibiskusblüten sind wegen ihrer roten Farbe und ihres säuerlichen Geschmackes oft als Früchtetees in einer Kombination mit Hagebutten zu finden. Um eine Verwechslung mit der Wilden Malve zu vermeiden ist es sinnvoll, wenn Sie sich diese aus Apotheken oder dem Kräuterfachhandel besorgen.

Hinweis:
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte im «Forum-Naturheilkunde» keinen Ersatz für eine medizinische Beratung und Behandlung durch eine professionelle Fachkraft darstellen. Suchen Sie im Bedarfsfall immer einen Arzt oder Heilpraktiker auf. Auch bei der Anwendung von Arzneimitteln sollten Sie in jedem Fall die Packungsbeilage des Herstellers genau durchlesen und beachten.

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