Topinambur - Appetitzügler mit Gesundheitswert

Die Topinambur ist im Grunde eine Sonnenblume. Verzehrt wird ihre bräunlich, ingwerähnlich aussehende Knolle, die auf der Zunge einen süsslich-nussartigen Geschmack hinterlässt. Längst haben Ernährungsforscher die gesundheitsfördernden Eigenschaften erkannt und sie als «Delikatesskartoffel» für Diabetiker gekürt.

Die Heimat dieser «Sonnenwurzel» ist das nördliche Amerika. In der Prärie, von Saskatchewan (Kanada) bis hinunter nach Tennessee und Arkansas, wächst die Pflanze wild, sie gehört wie die Artischocke oder Mariendistel zur Familie der Korbblütler (Asteraceen). Topinambur, auch «Erdbirne» genannt, wächst inmitten der hohen Präriegräser und war einst für die grossen Büffelherden eine willkommene Abwechslung ihres Speiseplans. Die oder der Topinambur - beide Formulierungen lässt der Duden gelten - wurde von den Huronen (Wyandot oder Wendat) und anderen östlichen Waldindianern in Kultur genommen. Die Steppenindianer bezeichneten die faustgrosse Knolle als «pangi» oder «panhi» - sie war dort ein wichtiges Nahrungsmittel. Anfang des 17. Jahrhunderts brachten französische Seefahrer die Topinambur nach Frankreich, wo man sie nach dem indianischen Stamm der Topinambus benannte. In Frankreich wurden die «kanadischen Erdäpfel» relativ schnell zur grossen kulinarischen Sensation und galten am französischen Hof als Leckerbissen. Sie seien «dick wie eine Faust, von Artischockengeschmack und unglaublich fruchtbar» stand in der Historie de la nouvelle France aus dem Jahr 1609. Einige Jahre später wurden die Potatoes of Canada auch in Grossbritannien bekannt. So beschreibt der Botaniker John Parkinson die Knolle als «eine Köstlichkeit, geeignet für eine Königin». Auch der Gelehrte Townsend berichtet im Jahr 1726: «Die gekochte Wurzel ist bestens für das Weihnachtsfestessen geeignet». Die Knolle wurde daher gerne zusammen mit Knochenmark, Datteln, Ingwer und Rosinen in einer Sherry-Sosse gebacken. Auch die Deutschen freundeten sich mit dieser Art «Sonnenblume» an und bezeichneten sie als «Jerusalemsartischocke».

Modespeise und Armeleuteessen

Einerseits zum Modegemüse stilisiert wurde die Topinambur aber auch in Zeiten von Hungersnöten zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel für die arme Bevölkerung. Dennoch wurde sie in der Mitte des 18. Jahrhunderts von der Kartoffel verdrängt und schlichtweg zum Viehfutter degradiert. Aufgrund ihres explosionsartigen Wachstums sind die «Welschen Erdäpfel» für die damalige maschinelle Ernte uninteressant geworden. Lediglich in Deutschland gab es für die Topinambur - während des letzten Krieges - als sich der Hunger erneut ausbreitete, einen kurzen Aufschwung. Da die Knolle in Mitteleuropa gerne verwildert, verdrängt sie heimische Pflanzen, weil sie nur wenige Fressfeinde besitzt. Dazu wächst die «Erdbirne» mit ihren unterirdischen Ausläufern in andere Pflanzen ein und schiebt sie beiseite. Ausserdem beschattet sie andere Gewächse, weil sie über ein enormes Höhenwachstum verfügt. Daher wird den Gärtnern empfohlen, eine Wurzelsperre in Form eines eingegrabenen Kunststoffrahmens zu errichten. Obwohl die Topinambur auf einer relativ kleinen Fläche viermal so viel essbare Masse hervorbringt wie die Kartoffel, kaum Pflege benötigt, geringe Ansprüche an den Boden stellt und Minustemperaturen von mehr als zwanzig Grad Celsius übersteht, hat sie den Durchbruch als Grundnahrungsmittel nie so richtig geschafft. Dennoch brennt man die Knollen auch heute noch in Baden traditionell zu einem als «Topi» oder «Rossler» bekannten Verdauungsschnaps. Generell werden die in Deutschland geernteten Knollen hauptsächlich zu Spirituosen verarbeitet. Nur ein kleiner Teil davon (etwa zehn Prozent) wird derzeit, vor allem im biodynamischen Anbau, als Delikatesse für Gesundheitsbewusste kultiviert und verkauft.

Anbau und Verwendung

Topinambur - Bildquelle: M. Großmann  / pixelio.de
Topinambur - Bildquelle: M. Großmann/pixelio.de

Wer im eigenen Garten mit dem Anbau beginnen will, besorgt sich in Naturkostläden, auf Wochenmärkten, in grösseren Gartencentren oder bei Biobauern die Knollen. Sie können dort unter Sortenbezeichnungen wie «Gute Gelbe», «Bianca», «Fuseau», «Dwarf Sunray», «Küppers Rote Zonenkugel», «Golden Nugget», «Waldspindel», «Smooth Garnet», «Topianka», «Gigant» oder «Violet de Rennes» erworben werden. Am besten gedeihen die Pflanzen an einem sonnigen Standort in humosem Sandboden mit etwa zehn Prozent Lehm. Die ideale Zeit für das Setzen der Knollen ist das Frühjahr, aber auch im Herbst und sogar noch an frostfreien Wintertagen ist ein Ausbringen möglich. Die Knollen selbst werden etwa zehn Zentimeter tief in den Boden gelegt. Topinambur erreicht eine Höhe von bis zu drei Metern und eignet sich daher im Sommer gut als Wind- und Sichtschutz. Wenn die Blätter und Stängel welk werden, ist das ein Zeichen dafür, dass die Knollen nun reif für die Ernte sind. Das verwelkte Kraut wird im Spätherbst bis auf sieben Zentimeter zurückgestutzt. Die sogenannten «Erdartischocken» besitzen je nach Sorte eine gelbe, braune oder rotviolette Schale, während ihr Fleisch weiss ist. Für die Küche können die Knollen unter fliessendem Wasser gereinigt und gebürstet werden, um alle Erdreste aus den Vertiefungen herauszuwaschen. Bei der Zubereitung kann man je nach Belieben die dünne Schale entfernen. Danach werden sie in der Regel fein geraspelt und zu Rohkostsalaten gegessen. Beträufeln mit Zitronensaft verhindert die Verdunkelung (Melaninbildung) bei der Zerkleinerung. Auf dem Markt wird die Topinambur von Oktober bis Mai angeboten.

Geeignete Sorten für den Garten

Bianca:
Diese Sorte blüht sehr früh im Sommer. Sie ist eine besondere Sorte für Diabetiker und Feinschmecker mit gelbweisser Knolle. Das Kraut stirbt bereits ab Mitte September ab. Bianca eignet sich im Garten auch als Bienenweide und Schmuckpflanze.

Gute Gelbe:
Die Knollen fallen rundlich bis länglich aus und erreichen eine Länge von zehn bis fünfzehn Zentimetern. Ab Herbst können sie bei frostfreiem Boden geerntet werden. Ihre Knollenfarbe ist gelb und hat einen hohen Ertrag. Die gewaschenen Knollen besitzen eine Kochzeit von etwa fünzehn Minuten, danach lässt sich die Schale leicht entfernen.

RoZo (Küppers Rote Zonenkugel):
Die Sorte ist sehr standfest mit anfangs zögernder, dann explosionsartiger Entwicklung bei später Reife. Ihre runden Knollen besitzen eine rötliche Farbe. Für die Zubereitung von Speisen sind sie sehr gut geeignet.

Violet de Rennes:
Violet de Rennes ist eine französische Züchtung mit einem hohen Inulingehalt. Ihr Aroma ist sehr fein mit einer relativ runden, küchenfreundlichen Form. Sie ist eine spätblühende Sorte. Im Vergleich zu anderen Arten hat die Knolle den höchsten Eisengehalt.

Gigant:
Gigant verfügt über grosse, runde bis ovale Knollen mit weisslicher Farbe. Die Sorte ist frühblühend. Die Knollen lassen sich besonders gut zu Gerichten verarbeiten. Sie besitzen einen nussigen Geschmack und können roh aber auch gekocht verzehrt werden.

Topinambur als Naturmedizin

Ernährungsforscher und Biobauern haben die «Erdartischocke» als gesundes Gemüse inzwischen wiederentdeckt. Und auch die Naturmedizin sieht die Knolle als ein gesundheitsförderndes Lebensmittel gegen Übergewicht und Diabetes an. In Apotheken werden sogar Topinambur-Tabletten angeboten, weil sie das Hungergefühl reduzieren und so das Abnehmen auf angenehme Weise erleichtern. Das Knollengemüse hat wenig Kalorien - 100 Gramm Frischware enthalten gerade 20 Kalorien oder 85 Kilojoule - verfügt aber über viele Ballaststoffe, die die Darmtätigkeit ankurbeln und damit die Verdauung fördern. Topinamburknollen enthalten neben einer beachtlichen Anzahl an Vitaminen (Provitamin A, Vitamine B1, B2, B6, D und C) und Mineralstoffen wie Natrium, Silizium, Phosphor, Eisen, Kalium und Kalzium reichlich vom stärkehaltigen Kohlenhydrat Inulin (nicht zu verwechseln mit dem Hormon Insulin), weshalb sie für Diabetiker besonders interessant sind. Inulin ist eine Fruchtzuckerverbindung, die nicht auf den Blutzuckerspiegel wirkt - es verhält sich im Körper insulinunabhängig. Zudem agiert die gewaltige Menge an Inulin als Ballaststoff und quillt im Magen-Darm-Trakt auf -  dadurch entsteht ein angenehmes Sättigungsgefühl. Inulin und weitere Fruchtzuckerverbindungen wirken sich günstig auf die Darmflora aus, indem sie die Symbioselenkung positiv beeinflussen und die Darmtätigkeit anregen. Die Inhaltstoffe der Knollen führen zu einer Vermehrung der «guten» Bifidobakterien im Darm. So werden Schadstoffe, Krebs erregende Stoffe und Nahrungs-Cholesterin an die Ballaststoffe gebunden, schneller transportiert und ausgeschieden. Ausserdem soll die Knolle Leber-, Galle- und Magenbeschwerden lindern und lässt sich auch als natürlicher Appetitzügler einsetzen.

Topinambur - Mal was anderes probieren!

Sie wachsen überall und sehen auch als Gartenblume schön aus.Ähnlich der Sonnenblume. Die Knollen sind gnubbeliger als Kartoffeln.

Von Suppen, Salat über Süßes bis zu ausgefallenen Hauptgerichten lässt sich alles mit diesen Knollen herstellen.

Topinambur - Mal was anderes probieren!
von Angelika Willhöft

Broschiert: 44 Seiten
Verlag: Landhaus-Team

Topinambur Kapseln
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Produktbeschreibung
Topinambur ist eine Knollenfrucht der Pflanze Helianthus tuberosus, einem Sonnenblumengewächs. Die Knolle enthält den Ballaststoff Inulin, der vom Körper nicht verwertet wird. Zudem wirkt dieser Ballaststoff verdauungsfördernd und mobilisiert den Darm. Eine Kapsel enthält 620 mg Topinamburextrakt bzw. 372 mg Inulin. Es stammt aus kontrolliert biologischem Anbau. Verzehrsempfehlung: Zweimal täglich jeweils zwei Kapseln.

Mehr Infos zu «Topinambur Kapseln» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke: >> online bestellen

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