Das weite Feld der Osteopathie

Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin, bei der man mit den Händen Funktionsstörungen des Körpers entdecken und behandeln kann. Osteopathie, die Lehre über die Krankheit der Knochen, kommt alleine oder unterstützend zur Schulmedizin zum Einsatz.

Das weite Feld der Osteopathie

Osteopathie wurde von Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) vor über hundert Jahren in den USA entwickelt. Diese Form der Medizin basiert auf dem Prinzip «Leben ist Bewegung». Nach diesen Grundsätzen soll das komplette Gewebe des Körpers frei beweglich sein. Das Verfahren schließt etwa Behandlungstechniken wie die craniosacrale Therapie der Schädelknochens, des Rückenmarks und des Nervensystems, die partielle Osteopathie (Behandlung des Bewegungsapparates) und die viszerale Osteopathie (Behandlung des Schädels, der inneren Organe) mit ein. Das griechische Wort «osteo» heisst Knochen und «pathos» bedeutet so viel wie Leiden oder Schmerz. Osteopathie kann somit als «Leiden der Knochen» übersetzt werden. Osteopathie dient dem Aufspüren und Behandeln von Funktionsstörungen, bei dem Verfahren werden Körperblockaden ertastet und aufgelöst. Es bringt das Gewebe in gleichmäßige Bahnen und lässt die Energie wieder fließen.

Dr. Andrew Tayler Still

Der Begründer der Osteopathie, Dr. Andrew Tayler Still, erblickte am 6. August 1828 als Sohn eines Arztes und Priesters in Lee County im Bundesstaat Virginia das Licht der Welt. Durch seinen Vater kam er schon früh mit der Medizin in Kontakt und wurde später selbst Arzt. Als Kind litt er oft an Kopfschmerzen, die ihn veranlassten, sich eingehend mit den Funktionen des Körpers auseinander zu setzen. Während einer starken Kopfschmerzattacke entfernte er von seiner Schaukel die Sitzschale. Er verlängerte das Seil der Schaukel etwas und legte seinen Hinterkopf auf die Schlinge. Dadurch übte das gespannte Seil einen Zug auf seinen Hinterkopf aus. Er schlief ein und als er wieder aufwachte, waren die Schmerzen verschwunden. Diese Erfahrung war für ihn ein unvergessliches Schlüsselereignis, was ihn auf den Weg zur späteren Entwicklung der Osteopathie brachte. Im übertragenen Sinn hat seine damalige Vorgehensweise als therapeutisches Grundkonzept in die Osteopathie Einzug gehalten. So werdem die Selbstheilungskräfte durch aktive Maßnahmen wie Übungen, Bewegung, Entspannung und Veränderungen des Lebensrhythmus aktiviert. Dr. Still heiratete im Staat Missouri und praktizierte einige Jahre als Arzt. Während des Bürgerkrieges ging er zur Armee und arbeitete dort als Chirurg, dabei weitete er seine medizinischen Kenntnisse vor allem auf dem Gebiet der Anatomie und Physiologie weiter aus. Später studierte er an der Universität in Kansas. Während einer Meningitis-Epedemie verstarben drei seiner Kinder. Dieser Schicksalsschlag war für ihn ein besonderer Wendepunkt in seinem Leben. Hilflos musste er als Arzt erleben, dass die damalige Medizin mit ihren Erkenntnissen versagte. Er wandte sich daraufhin von den damaligen klassischen Methoden ab und machte sich auf die Suche nach neuen medizinischen Heilungsmethoden.

Das Geburtsjahr der Osteopathie

Das Geburtsjahr der Osteopathie

Dr. Andrew Tayler Still beschäftigte sich noch eingehender mit der Physiologie und Anatomie des Menschen. Schließlich hisste er am 22. Juni 1874 das «Banner der Osteopathie», wie er dies damals in seiner Biografie bezeichnete. Während seiner Laufbahn als Arzt hatte er ein Verfahren entwickelt, das nur unter Zuhilfenahme der Hände am Körper der Patienten die entsprechenden Heilprozesse auszulösen vermochte. Zu Beginn seiner Vorgehensweise wurde diese noch als die «Still-Behandlung« oder «Still Cure» bezeichnet. Erst viele Jahre später benannte er seine Methode, die keine Medikamente und drakonische Maßnahmen durch die Schulmedizin benötigte, als Osteopathie. Dr. Still eröffnete seine osteopathische Praxis in der Stadt Kirksville im Bundesstaaat Missouri. Sein Grundsatz war, den Menschen als eine Gesamtheit aus Körper, Geist und Seele anzusehen, um dadurch die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Noch heute beruht die Osteopathie auf dem Prinzip der Ganzheitlichkeit. Im Jahr 1892 gründete er die amerikanische Schule für Osteopathie («The American School of Osteopathy») in Kirksville. Bereits bei Eröffnungsbeginn wurde die Schule von über zwanzig Studenten frequentiert, schon im Jahr 1900 hatte sich die Zahl der Schüler auf siebenhundert ausgeweitet. Im Jahr 1917 starb Dr. Still im Alter von 89 Jahren. Er hinterließ eine äußerst wirksame Therapiemethode, die sich in späteren Jahren einem zunehmend höheren Bekanntheitsgrad erfreute.

Entwicklung der Osteopathie in den USA

Die Befürworter der Osteopathie gründeten nach dem Tod von Dr. Andrew Taylor Still an vielen Orten in den USA weitere osteopathische Praxen, Kliniken und Schulen. Die Popularität der Osteopathie in den Vereinigten Staaten war ungebremst, dennoch gab es Schwierigkeiten. Die schulmedizinisch angehauchten Ärzte waren der neuen alternativen Methode gegenüber sehr skeptisch. Die völlige Anerkennung und Einbindung in das medizinische System der USA dauerte noch eine erhebliche Zeit und konnte erst in den Jahren zwischen 1967 und 1973 erreicht werden. In den USA schließt der osteopathische Mediziner mit dem Titel «Doktor der Osteopathie» (DO) ab, der Schulmediziner hingegen wird als «Medical Doctor» (MD) bezeichnet.

Osteopathie in Europa

Großbritannien war in Europa das erste Land, das sich die osteopathische Vorgehensweise zum Vorbild nahm. John Martin Littlejohn (1865 bis 1947), ein Schüler Stills, gründete im Jahr 1917 die Britische Schule für Osteopathie («British School of Osteopathy»). Dort stellen die Osteopathen innerhalb des medizinischen Versorgungssystems einen eigenen Berufsstand dar. Mittlerweile gibt es in vielen Ländern Europas den Beruf des Osteopathen, der auch von nichtärztlichen Therapeuten wie Heilpraktikern und Physiotherapeuten ausgeübt werden darf.

Osteopathie in der heutigen Zeit

Osteopathie in der heutigen Zeit

Die Osteopathie ist in Amerika zu einem festen Bestandteil geworden. Seit den 1960er Jahren ist sie in den USA allgemein anerkannt. Mittlerweile gehen über 50.000 Osteopathen als D.O. oder Doctor of Osteopathy ihren Beruf nach. Ferner gibt es Krankenhäuser, die hauptsächlich osteopathisch behandeln. Leider hat sich der Berufsstand in Amerika - über den Weg zu seiner Anerkennung - wieder stark der Schulmedizin verschrieben. In den USA können Osteopathen Rezepte ausstellen, impfen und sogar Operationen durchführen. Die doch so typische Behandlung mit den Händen steht daher nicht mehr im Vordergrund. In Europa hingegen entwickelte sich die Osteopathie als eine rein manuelle Form der Medizin weiter. Sie kam zuerst in den 1950er Jahren nach Großbritannien und Frankreich. Auch in Belgien zählt sie mittlerweile zu den anerkannten Therapieformen. Seit Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts wird die Osteopathie auch in Deutschland meist berufsbegleitend unterrichtet. Die Ausbildung richtet sich hierzulande an Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Masseure.

Zu Beginn: die Anamnese

Zu Beginn einer Behandlung wird sich der Osteopath eingehend mit der Krankengeschichte seines Patienten auseinander setzen. Dazu beschäftigt er sich mit besonderen Ereignissen, die sich im Verlauf der Biografie entwickelt haben. Unter Zuhilfenahme eines ausgearbeiteten Fragebogens kann er zielgerichtet die Ursache der Beschwerden einkreisen. Danach erfolgen Diagnose und Therapie, die u. a. mit den Händen ertastet werden. Während der Untersuchung kann der osteopathisch ausgebildete Therapeut das menschliche Gewebe Schicht für Schicht taktil erfassen. Er spürt Bewegungseinschränkungen auf, die er mit speziellen Techniken behandelt. Eine Therapieeinheit dauert im Durchschnitt fünfzig Minuten. Der Körper kann unter Umständen zwei bis drei Wochen auf eine osteopathische Behandlung reagieren. Seit Januar 2012 erstatten einige gesetzliche Krankenkassen eine ostepathische Behandlung.

Bei folgenden Beschwerdebildern kann die Osteopathie hilfreich sein:

A) Beschwerden bei Kindern

Allergien, Asthma, Einnässen, Bauchkrämpfe, Lernschwierigkeiten, Legasthenie, Wachstumsprobleme, Laufschwierigkeiten, Schlafstörungen, Beschwerden der Ohren und der Augen, verspätete Entwicklung sowie Schrei- und Spuckkinder.

B) Beschwerden bei Männern und Frauen

Kopfschmerzen, Migräne, Schiefhals, Nackenbeschwerden, Rückschmerzen, Hexenschuss, chronische Gelenkserkrankungen, Ohrgeräusche, Hörsturz, Verdauungsbeschwerden, Nervosität, Schlafstörungen, Kreislaufbeschwerden, Hormonstörungen, starkes Schwitzen, Menstruationsbeschwerden, Blasenschwäche, Prostataleiden.

Osteopathie: Sanftes Heilen mit den Händen: Wie gezielte Berührungen Ihre Selbstheilungskräfte freisetzen

Entdecken Sie die Erfolgs-Methode - sanfte Hilfe bei vielen Beschwerden. Wie Berührungen Ihre Selbstheilungskräfte stärken. Osteopathie - das ist eine neue, ganzheitliche Heilmethode im Aufwärtstrend. Kein Wunder: Sie ist schmerzfrei, frei von Nebenwirkungen und unterstützt den Körper in seiner Selbstheilung. In den USA und in Frankreich ist sie längst etabliert. Verblüffend wirksam: Heilen nur mit den Händen. Besonders wirksam ist Osteopathie bei Kopf- und Rückenschmerzen. Auch Verdauungsprobleme und funktionelle Beschwerden, bei denen die Schulmedizin ratlos ist, lassen sich mit ihrer Hilfe lindern. Das Besondere dabei: Ohne Medikamente und Instrumente wirkt die Osteopathie allein über sanfte Berührungen. Mit seinen Händen erspürt der Therapeut tiefgreifende Blockaden und Verspannungen - und löst sie auf. Was Ihnen eine Behandlung bringt: Sie wollen wissen, was eine Therapie kostet und woran Sie einen qualifizierten Osteopathen erkennen? Hier finden Sie zuverlässige Kriterien. Besonders praktisch: In einem Überblick finden Sie die häufigsten Beschwerden und wie die Osteopathie bei Ihnen vorgeht. So gut informiert profitieren Sie sicher von den überraschenden Erfolgen dieser Behandlung.

Osteopathie: Sanftes Heilen mit den Händen
Wie gezielte Berührungen Ihre Selbstheilungskräfte fördern
Im Überblick: Bei welchen Beschwerden Ihnen die Erfolgs-Methode hilft
von Newiger, Schöttle und Werneke

Broschiert: 223 Seiten
Verlag: Trias

Weitere Infos zu diesem Buch finden Sie unter: Rezensionen