Morbus Parkinson - eine neurologische Bewegungsstörung

Morbus Parkinson zählt neben der Alzheimer-Krankheit zu den häufigsten Beschwerdebildern des zentralen Nervensystems. Die meisten Betroffenen erkranken im höheren Lebensalter.

Morbus Parkinson - eine neurologische Bewegungsstörung

Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson, Paralysis agitans, Schüttellähmung oder idiopathisches Parkinson-Syndrom genannt, ist eine ernstzunehmende Alterserkrankung. Sie ist das häufigste neurologische Beschwerdebild der westlichen Welt. Da in unseren Breiten die Lebenserwartung ständig steigt, tritt demzufolge die Krankheit zunehmend auf. Die meisten Betroffenen trifft es zwischen dem fünfzigsten und achtzigsten Lebensjahr. Man geht davon aus, dass in Deutschland über 170.000 Menschen an Parkinson erkrankt sind. Jährlich kommen in Mitteleuropa etwa zwanzig Personen auf 100.000 Einwohner neu hinzu. Bei der Krankheit kommt es aus ungeklärter Ursache zu Veränderungen im Gehirn. Ein bestimmtes Gehirnareal degeneriert und verkümmert. Der Botenstoff «Dopamin», ein Neurotransmitter, wird nicht mehr in ausreichender Form gebildet. Dementsprechend therapiert die konventionelle Medizin die Parkinson-Erkrankung mit sogenannten Vorstufen von Dopamin in Kombination mit anderen Medikamenten. Diese müssen bis zum Lebensende eingenommen werden. Unterstützung erhält die konventionelle Therapie durch Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie. Ferner kann mit verschiedenen Verfahren aus dem Bereich der Komplementärmedizin wie beispielsweise Homöopathie, anthroposophische Medizin, Entspannungsverfahren oder Akupunkt-Massage nach Penzel das Allgemeinbefinden positiv unterstützt werden. Zudem reduzieren die alternativen Verfahren die oft nebenwirkungsreichen Arzneimittel und führen zu einer besseren Lebensqualität.

Mangel an Dopamin

Mangel an Dopamin

Bei der Parkinson-Krankheit liegt hauptsächlich ein Mangel an dem Nervenbotenstoff «Dopamin» vor. Im Gehirn kommunizieren Nervenzellen untereinander über bestimmte Schaltstellen - die Synapsen - sowie über chemische Botenstoffe. Sind zu wenig Botenstoffe vorhanden, dann ist die Zusammenarbeit zwischen den Nervenzellen aus den Fugen geraten. Dopamin ist ausschlaggebend an den Steuerungsvorgängen von Bewegungsabläufen beteiligt. Es wird vor allem in einer bestimmten Kernregion im Gehirn, der sogeannten Substantia nigra oder Schwarzen Substanz gebildet. Über komplexe Vorgänge wirkt Dopamin bewegungsaktivierend. Benannt wurde die Substantia nigra in der Anatomie nach ihrer dunklen Färbung. Studien haben ergeben, dass mehr als achtzig Prozent der Zellen in der Schwarzen Substanz zugrunde gehen müssen, bevor sich die typischen neurologischen Erscheinungen zeigen. Obwohl die Ursache bislang nicht genau geklärt ist, scheint es neben der Degeneration der Substantia nigra noch andere Faktoren zu geben, die zur Krankheit führen. Zunehmend drängt sich in Forscherkreisen der Verdacht auf, dass die Schüttellähmung im Verdauungssystem ihren Ursprung nimmt. Forscher der TU Dresden verabreichten über eine Magensonde Mäusen Pestizide. Diese entwickelten daraufhin parkinsonähnliche Symptome. Angeregt durch die giftigen Substanzen schütteten die Nervenzellen des Verdauungstraktes bestimmte Proteine aus. Entlang den Synapsen, ausgehend vom enteralen Nervensystems des Darms gelangten diese über das Rückenmark zum Gehirn und schließlich auch zur Schwarzen Substanz. Schon seit langer Zeit wird der Einfluss von Umweltfaktoren wie Pestiziden, Insketiziden, Herbiziden oder Schwermetallen (z. B. Quecksilber) diskutiert. Aber auch erbliche Faktoren können bei Parkinson eine Rolle spielen.

Geschichtlicher Abriss

Benannt ist die Parkinson-Krankheit nach dem Londoner Arzt und Apotheker Dr. James Parkinson (1755 bis 1824). Im Jahre 1817 veröffentlichte er einen Beitrag unter dem Titel «Essay on the Shaking Palsy», zu Deutsch «Abhandlung über die Schüttellähmung». Er beschrieb darin die wichtigsten Symptome dieser Krankheit. In der medizinischen Terminologie wird auch von Morbus (Krankheit) Parkinson gesprochen. Die erste medizinische Behandlung der Schüttellähmung wurde im Jahre 1867 von Ordenstern mit Belladonna-Präparaten (Tollkirsche-Extrakten) eingeleitet. Diese Therapie blieb lange Zeit die einzige Möglichkeit, Parkinson zu behandeln. Der Belladonna-Wirkstoff ist ein Gegenspieler des Überträgerstoffes Acetylcholin, das bei der Parkinson-Krankheit im Übermaß vorhanden ist. So gesehen war die damalige Wahl des Extraktes gar nicht so verkehrt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte der Arzt Tretiakoff die krankhaften Veränderungen in der Substantia nigra. Sechzig Jahre später konnte man den Mangel am Botenstoff «Dopamin» aufdecken. Durch dieses Wissen wurde mit L-Dopa, einer Vorstufe des Dopamins, eine relativ wirksamen Therapie entwickelt. Die heutige Behandlung der Parkinson-Krankheit mit verschiedenen Kombinationspräpraten (z. B. Dopamin-Agonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer, NMDA-Antagonisten) hat die Lebenserwartung auf positive Weise verändert.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Symptome der Parkinson-Krankheit

Der Beginn der Erkrankung ist oft schleichend. Das Frühstadium kann mit unspezifischen Symptomen wie beispielsweise Unwohlsein in den Beinen und Füßen, einseitigen Muskelschmerzen in der Schulter-Arm-Region, depressiven Verstimmungen, allgemeiner Müdigkeit, Verstopfung, innnerer Unruhe, plötzlichen Schweissausbrüche sowie Riechstörungen einhergehen. Erst später beginnen die typischen Bewegungsstörungen wie Ruhetremor, Rigor, Brady- oder Akinesie. Hinzu kommt eine verminderte Haltungsstabilität während des Standes. Darüber hinaus ist die Handschrift bei Parkinson zunehmend kleiner und unleserlicher. Die Veränderung der Feinmotorik bei der Handschrift sind oft erste Zeichen für eine beginnende Erkrankung und in der Frühdiagnostik äusserst wichtig. Auch Schwierigkeiten beim Knöpfen eines Kleidungsstückes fallen auf. Die Gesichtsmimik verändert sich, sie wirkt maskenhaft und wird unbeweglich. Ferner wird die Sprache leiser und die Stimmlage äussert sich in einem monotonen Rhythmus. Zudem tritt eine Verlangsamung (Bradyphrenie) aller psychischen Abläufe auf, dabei wird der Eindruck erweckt, dass starke Störungen mit einer Merk- und Konzentrationsfähigkeit einhergehen. Herabgesetzt ist auch die schnelle Anpassung an wechselnde Situationen und die Umstellung auf eine fremde Umgebung fällt zunehmend schwerer.

Tremor

Tremor wird in der medizinischen Terminologie als Zittern der Glieder bezeichnet. Auffällig ist, dass das Zittern bei gezielten Bewegungen - beispielsweise beim Greifen von Gegenständen - verschwindet und in Ruhe wieder auftritt. Der Parkinson-Tremor wird gelegentlich als Pillendreh- oder Münzzählphänomen beschrieben. Beim Betroffenen sieht es so aus, als wenn er etwas mit den Fingern drehen würde. Unter Anspannung oder Aufregung verstärkt sich das Zittern. Doch bei nur etwa 25 Prozent der Erkrankten beginnt Parkinson mit Zittererscheinungen, daher ist der Tremor zur Diagnosestellung nicht unbedingt erforderlich. Das Zittern ist meist einseitig betont. Während des Schlafes tritt der Tremor nicht auf.

Rigor

Als Rigor wird eine Erhöhung der Muskelsteifigkeit oder des Muskeltonus bezeichnet. Charakteristisch spürt man bei einer passiven Bewegung das sogenannte «Zahnradphänomen». Hierbei werden immer wieder Nervenimpulse abgebremst. So hat man häufig das Gefühl - beispielweise am Arm - dass der Muskel nur ruckartig nachgibt. Als Symptom tritt auch der «wachsartige Widerstand» auf: Dabei ist die erhöhte Muskelspannung bei passiver Bewegung als «wachsartiger» Widerstand zu fühlen. Die Erkrankten sind zu völliger Entspannung nicht fähig. Der Rigor führt häufig zu einer anderen Körperhaltung, dabei ist der Kopf geneigt, es kommt zu einer Beugung des Körpers nach vorne und zu geneigten Ellbogen- und Kniegelenken.

Verlangsamung der Bewegungsabläufe

Bei der Krankheit wird die Bewegungsfähigkeit verlangsamt oder vermindert. Hierbei unterscheidet man zwischen Hypokinese, Bradykinese und Akinese. Bradykinese bedeutet Verlangsamung der Bewegungsabläufe, bei der Hypokinese werden die Bewegungen insgesamt seltener und die Akinese führt zu einer völligen Bewegungslosigkeit trotz normaler Muskelkraft. Im Laufe der Erkrankung kommt es zu einem Verlust von automatisch ablaufenden Bewegungsmustern. Dabei gibt es Probleme, sich beispielsweise von einem Stuhl zu erheben oder es kommt zum Gang mit kleinen Schritten. Es kann sogar passieren, dass die Betroffenen wiederholt auf der Stelle treten. Meist fehlt das Mitschwingen der Arme während des Ganges. Manchmal können Bewegungsabläufe wie eingefroren (Freezing) wirken. Allgemein ist der Gang sehr instabil - dabei berichten die Betroffenen oft die Empfindung «als würden sie beim Gehen fast am Boden haften bleiben». Gleichzeitig neigen sie dazu, nach hinten zu fallen oder den Gang nach vorne zu beschleunigen. Später macht sich die Bewegungsverlangsamung auch in der Feinmotorik bemerkbar. Selbst die Geschichts- und Stimmmuskulatur wird zunehmend vermindert. So kann die Mimik erstarren, die Sprache wird verwaschen und leiser. Schliesslich sind die normalen Bewegungsabläufe im Alltag durch die eingeschränkte Handgeschicklichkeit nicht mehr zu meistern.

Diagnosestellung

Diagnosestellung

Der Arzt stellt die Diagnose Morbus Parkinson anhand der Krankheitssymptome. Ein erstes Zeichen einer Erkrankung kann eine Verkleinerung der Handschrift sein. Auch ein gestörtes Riechvermögen ist verdächtig. Stellen sich die typischen klinischen Zeichen wie Rigor, Tremor oder Bradykinesie bis Akinesie ein, spricht der Arzt bereits von Parkinson. Im Zweifel werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) und Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) durchgeführt. Bei der Positronen-Emissons-Tomografie (PET) kann eine Verminderung des Dopamins im Gehirn indirekt festgestellt werden. Zudem kann sich unter Zuhilfenahme des L-Dopa-Tests die Verdachtsdiagnose erhärten. Hierbei werden den Patienten L-Dopa-Mittel verabreicht. Bessern sich unter dieser Medikamentgabe die Beschwerden, ist dies ein deutlicher Hinweis, dass ein Parkinson vorhanden ist.

Die komplementären Verfahren

Unterstützende Verfahren aus dem Bereich der Alternativmedizin können die konventionelle Therapie sinnvoll ergänzen. Ein Großteil der Parkinson-Patienten nehmen neben der konventionellen Medizin alternative Verfahren in Anspruch. Unter diesen werden vor allem Entspannungs-, Meditations-, Atem- und Bewegungsübungen häufig angewendet. Ferner kommen Therapien wie Qigong, Jyutsu (japanisches Heilströmen), Bach-Blütentherapie, Fußreflexzonenmassage, Schüßler-Salze, Homöopathie, anthroposophische Therapie oder Akupunkt-Massage nach Penzel infrage. Reichliche Informationen zum Thema alternative Verfahren bietet das Büchlein «Parkinson, Selbsthilfe und Komplementärmedizin» (KVC-Verlag) von Johannes Wilkens und Annette Kerckhoff. Es bietet Betroffenen viele sinnvolle Selbsthilfemassnahmen sowie verschiedene Therapiemethoden, damit die allgemeine Gesundheit stabilisiert und eine bessere Lebensqualität erzielt werden kann.

Was tun bei Parkinson

Parkinson ist eine ernstzunehmende Alterserkrankung und eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen der westlichen Welt. Parkinson ist gekennzeichnet durch krankhafte Veränderungen eines bestimmten Bereiches im Gehirn: der Substantia nigra. Die konventionelle Therapie ist unverzichtbar. Mit Verfahren der Komplementärmedizin kann man aber die allgemeine Gesundheit stabilisieren, die Lebensqualität verbessern und die nebenwirkungsreichen Medikamente reduzieren. «Was tun bei Parkinson» stellt einige Selbsthilfemaßnahmen und ein homöopathisch-anthroposophisches Therapieschema vor, die eine Chance für ein länger selbstbestimmtes Leben mit der Erkrankung bieten.

Was tun bei Parkinson
Selbsthilfe und Komplementärmedizin
von Johannes Wilkens u. Annette Kerdkhoff

Broschiert: 112 Seiten
Verlag: Kvc Verlag