Mehr über Möglichkeiten von Bestattungen in der Natur erfahren

Die Bestattungskultur befindet sich im Umbruch. Immer mehr naturverbundene Menschen entscheiden sich für alternative Formen wie beispielsweise eine Wald- oder Baumbestattung.

Bestattung in der Natur

Wo und wie sie beigesetzt werden, das ist den wenigsten Menschen gleichgültig. Im Gegenteil: Man möchte die entsprechende Organisation nicht den Nachfahren als Erbe hinterlassen. «Alle fühlen sich erleichtert, wenn diese wichtige Angelegenheit frühzeitig geplant wird», das weiß auch Petra Bach. Sie ist Geschäftsführerin des hessischen Friedhofbetreibers FriedWald. Eine Bestattung an den Wurzeln eines Baumes findet eine wachsende Zahl von Menschen erstrebenswert - doch Petra Bach hat auch erfahren: Der Ablauf ist oft unklar und sorgt für Unsicherheit. In einer neuen Informationsbroschüre kann man nun Auskunft über alle Aspekte und die unterschiedlichen Ausgestaltungen der Baumgräber erhalten.

Bestattung in der Natur: bei Führungen informieren

Hierzulande gibt es rund 50 FriedWald-Standorte. Wie die Bestattungen dort gestaltet werden und welche verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten es gibt, darüber wird man während einer kostenlosen Führung informiert. In Begleitung von Förstern geht es durch den Wald zu den jeweiligen Grabarten, man erfährt mehr über Gemeinschaftsbäume, Partner-, Familien- oder Freundschaftsbaumplätze. Erwirbt man ein Baum-Anrecht, dann sorgt man - auch finanziell - vor, kann aber die Planung darüber hinaus später noch an veränderte Bedürfnisse anpassen. Dieses Anrecht bedeutet, dass man sich erst einmal entscheidet, welcher der verschiedenen Preiskategorien Platz oder Baum angehören sollen. Auf einem Sammelsonderkonto wird daraufhin eine bestimmte Summe angelegt. Eine Ratenzahlung ist ebenso möglich.

An Lebensverhältnisse anpassen

Die Wahl eines Baumes bedeutet nicht, dass man sich auf alle Zeiten festlegt: Sollten sich die Lebensverhältnisse verändern und beispielsweise der Wohnort gewechselt werden, kann man Familien- oder Freundschaftsbäume ebenso wie einen Platz an einem Gemeinschaftsbaum tauschen. Tritt der Todesfall ein, werden Bestatter hilfreich und beratend aktiv - auch in dem Fall, dass der Verstorbene nicht hinterlassen hat, ob er sich eine bestimmte Zeremonie wünscht.

Laub bedeckt die Graböffnung

Ein Andachtsplatz steht im Friedwald für christliche Bestattungen zur Verfügung. Die Angehörigen gehen anschließend in der Regel gemeinsam mit dem Friedhofs-Förster zu der Grabstelle. Die Urne darf im Friedwald allerdings nicht mit Blumen bedeckt werden, stattdessen kann man Laub in die Graböffnung legen. Damit Angehörige das Grab später bei einem Erinnerungsspaziergang schnell wieder aufsuchen können, wird ein Namensschild zur Orientierung am Baum angebracht. Die Gräber werden von der Natur gepflegt. Interessierte finden Bestattungswälder unter (www.friedwald.de) - dort erhalten sie auch Auskunft über die kostenlosen Führungen.

Text: djd deutsche journalisten dienste GmbH

Waldesruh statt Gottesacker

Hier in kühler Walderde unauffällig begraben zu liegen, müßte süß sein. «Ein Grab im Wald zu haben, wäre schön». Ich wünschte mir solches. So schrieb Robert Walser bereits vor 90 Jahren in seiner Erzählung «Der Spaziergang». Seit einigen Jahren sorgt ein neues Bestattungskonzept immer wieder für Aufmerksamkeit, die Beisetzung im Wald. In ausgewählten Waldgebieten kann unter Bäumen bereits zu Lebzeiten ein Grabplatz reserviert werden. Diese Alternative zum Friedhof erfährt eine große Resonanz und verbreitet sich stetig. Wie kommt es, dass der Wald als 'letzter Ort' einen derartigen Zuspruch erhält? Wie ist die zunehmende Verbreitung der Bestattung unter Bäumen kulturwissenschaftlich und soziologisch zu erklären? Sylvie Assig geht in ihrer Studie der Bedeutung der Grabstätte in Vergangenheit und Gegenwart auf den Grund. Nicht nur die alltäglichen Lebensumstände, auch der Umgang mit Tod, Trauer und Bestattung haben sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Der Friedwald ist Ausdruck und Folge dieser Veränderungen - Sylvie Assig bringt ihn in Beziehung zu den zeitgeschichtlichen Entwicklungstrends der Anonymisierung und Individualisierung im Bestattungswesen.

Waldesruh statt Gottesacker.
Der Friedwald als neues Bestattungskonzept
von Sylvie Assig

Taschenbuch: 168 Seiten
Verlag: Ibidem

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