Rosenkranz...

...die Perlenkette der Gläubigen

Der Rosenkranz schien lange Zeit etwas aus der Mode gekommen zu sein, doch derzeit erlebt er als einfaches und dennoch zutiefst meditatives Gebet seine Wiedergeburt. Diese Art des Betens ist unter den Katholiken auch heute noch eine wertvolle Hilfe, um im Gespräch mit der Heiligen Mutter Gottes die Existenz Jesu näher zu betrachten und in das Mysterium seines Lebens und Sterbens einzutauchen. Nach katholischer Tradition sind vor allem die Andachten im Mai und Oktober der besonderen Verehrung Mariens gewidmet. Doch auch im Advent, um Weihnachten und zur Fasten- und Osterzeit werden Gebetsstunden rund um den Rosenkranz angeboten.

Rosenkranz - die Perlenkette der Gläubigen

Geschichtlicher Abriss

Im Hinduismus des ersten Jahrhunderts nach Christus und bei den Muslimen etwa ab dem neunten Jahrhundert gab es bereits Gebetsschnüre, die dem heutigen Rosenkranz ähnelten. Ursprünglich gebrauchte man derartige Gebetsketten als Zählmittel. Im achten Jahrhundert erlangten diese Zählmittel unter den Christen große Bedeutung durch die Bußbücher (Sündenkataloge). Denn zur Ableistung einer Strafe mussten oft fünzig und mehr «Vaterunser» gebetet und gezählt werden. Seit Anbeginn des Christentums werden neben der Heiligen Messe weitere Andachten abgehalten, aus denen sich im Laufe der Zeit das kirchliche Stundengebet entwickelt hat. Die Basis hierfür waren die 150 Psalmen, die in Form von geistlichen Liedern im Alten Testament zusammengefasst sind. Leider waren viele Menschen im Mittelalter des Lesens, Schreibens und der lateinischen Sprache unkundig, so dass man auf andere, einfachere Gebete wie das «Paternoster» (Vaterunser) oder das «Ave Maria» (Gegrüßet, seist du Maria) zurückgriff und diese entsprechend oft wiederholte. Bei der Durchführung dieser sogenannten Psalter bediente man sich jener Gebetsketten, die aufgereiht wie Perlen an einer Schnur an die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi erinnern sollen. Im 14. Jahrhundert gab der Kartäuser Mönch Heinrich von Kalkar (1328 bis 1408) dem bis heute bestehenden Rosenkranz seine Gestalt. Er teilte die «Ave Maria» in je fünf Zehnergruppen ein und fügte zu jedem Zehnerblock ein «Vaterunser» als Einleitung hinzu. Um 1500 wurde jede Zehnerreihe noch um ein «Ehre sei dem Vater» als abschließendes Gebet ergänzt.

Die Erzählungen der Heiligen Schrift, in denen die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Mysterien um Jesu beschrieben werden, dienten schliesslich als Grundlage für die Schlusssätze («Clausulae») des aus Trier stammenden Kartäusermönchs Adolf von Essen (etwa 1370 bis 1439). Er verkürzte die ursprünglich 50 Clausulae seines Mönchbruders Dominikus von Preussen auf 15. Um das 16. Jahrhundert wurden dem Rosenkranzgebet noch drei weitere «Ave Maria» und fünf «Vaterunser» beigefügt - sie beziehen sich auf die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Rosenkranz hat sich im Laufe der Zeit zu einer Gebetsform entwickelt, die helfen soll, durch Wiederholung der Sätze einen meditativen Zustand zu erreichen und so zu innerer Ruhe zu gelangen.

Das Rosenkranzfest ist ein katholischer Gedenktag, der am 7. Oktober zu Ehren der «Jungfrau Maria vom Rosenkranz» gefeiert wird. Dieser Tag wurde 1573 von Papst Gregor XIII. eingeführt. Er brachte damit seinen Dank über den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 im heutigen Griechenland zum Ausdruck. Im Jahre 2002 fügte Papst Johannes Paul II. den drei bestehenden Geheimnissen noch das lichtreiche Mysterium hinzu.

Der Name «Rosenkranz»

Der Name Rosenkranz

Im Zuge der Christianisierung bezeichnete man den Rosenkranz zunächst als «Paternoster-Schnüre», da man sich anfänglich ausschließlich dem Gebet des Herrn widmete. Mit der rasanten Ausbreitung der verschiedenen Orden ab dem 12. Jahrhundert wurde der Brauch weiter verbreitet. Auch das «Alte Passional», eine Heiligenlegensammlung, verglich das «Ave Maria» mit der himmlischen Rose. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Marienverehrung bezeichnete man den Rosenkranz auch als «Psalter der Jungfrau Maria». Der Legende nach brachte Dominikus von Preußen anfänglich Maria jeden Tag einen aus frischen Rosen geflochtenen Kranz. Nach seinem Eintritt ins Kartäuser Kloster zu Trier hatte er dazu dann keine Zeit mehr. So überlegte er sich, Maria anstelle eines Kranzes aus weißen, roten und goldenen Rosen täglich ein Gebet zu widmen. Im Laufe der Zeit erweiterte er jedes gebetete «Ave Maria» um eine Szene aus dem Evangelium, die den gesamten Lebenskreis (Kranz) Jesu beschrieben. Dies ist wahrscheinlich die Erklärung des heutigen Begriffes «Rosenkranz». Im ausgehenden 15. Jahrhundert gab der Dominikanermönch Alanus de Rupe (1428 bis 1475) den Anstoß für den Aufschwung der Rosenkranz-Frömmigkeit. Er gründete im Jahr 1468 eine der ersten Rosenkranzbruderschaften, die er «Confratria Psalterii D. N. Jesu Christi et Mariae Virginis» nannte. Deren Anhänger verpflichteten sich, pro Woche jeweils ein Psalterium von 150 Ave Maria und 15 Paternoster zu beten. Die Rosenkranzbruderschaft ist eine von Dominikanern gegründete Gemeinschaft von Laien. Das Ziel dieser Laienbruderschaften war es, durch das Beten der Rosenkranzgebete im Volk die Frömmigkeit zu vertiefen.

Der Rosenkranzmonat Oktober

Denkmal Don Juan de Austria in Regensburg

Denkmal Don Juan de Austria in Regensburg Der Oktober ist in der katholischen Kirche der Rosenkranzmonat, er wurde durch Papst Leo XIII. im Jahr 1883 vorgeschrieben. Als historische Grundlage für das Gebet der Rosenkranzbruderschaften gilt der Sieg der Christlichen Flotte über die Türken bei Lepanto in der Meerenge von Nafpaktos im heutigen Griechenland. Der Oberbefehlshaber der von Spanien ausgesandten Flotte, Don Juan de Austria (Johann von Österreich, geboren 1547 in Regensburg; gestorben 1578 in Bouge), war ein außerehelicher Sohn Kaiser Karls V. und der aus Regensburg stammenden Bürgerlichen Barbara Blomberg. In seiner Geburtsstadt ist ihm seit 1978 sein Denkmal auf dem Zieroldsplatz nahe dem Kohlenmarkt gewidmet. Dieses ist eine Nachbildung der Statue in Messina, die ihm zu Ehren im Jahr 1572 von dem Künstler Andrea Calamech geschaffen wurde. Zur Zeit der Türkenkriege hatte der Rosenkranz als Bittgebet eine große Bedeutung erlangt. Auch heute noch denken die praktizierenden Christen im Monat Oktober ganz besonders an die Gottesmutter und grüßen sie mit dem Rosenkranzgebet. Der Rosenkranz verbindet die Betrachtung der wichtigsten Szenen aus dem Leben von Jesus Christus mit dem Mariengebet. Diese Lebensabschnitte werden «Geheimnisse» oder auch «Gesätze» genannt. So stehen die «Gesätze» für die fünf freudenreichen Geheimnisse (weihnachtliche Verkündigung), die fünf schmerzhaften Geheimnisse (Passion des Herrn) und die fünf glorreichen Mysterien (österliche Geheimnisse). Die fünf lichtreichen Geheimnisse (besondere Ereignisse im Leben Jesu) wurden erst im Oktober 2002 von Papst Johannes Paul II. ergänzt. Der Begriff «Gesätz» leitet sich vom Wort «Satz» ab, und bezeichnet den Sammelbegriff für die einzelen Rosenkranz-«Sätze».

Das Rosenkranzgebet

Das Rosenkranzgebet ist eine Kurzfassung des gesamten Evangeliums. Man kann ihn alleine beten oder auch in einer Gemeinschaft, wobei einer der Vorbeter sein kann. Das Gebet beginnt als Einleitung mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis, dabei wird das Kreuz am Rosenkranz in die Hände genommen. «Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde .....». Danach geht man über zur ersten Perle mit dem Gloria Patri: «Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.» Nun folgen ein «Vaterunser» und drei «Ave Maria». In diese wird jeweils eine Bitte um die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe eingefügt. So werden bei den drei nächsten Perlen die folgenden Sätze gebetet: «...Jesus, der in uns den Glauben vermehre..., ...Jesus, der in uns die Hoffnung stärke..., ... Jesus, der in uns die Liebe entzünde...». Zum Abschluss der dritten Perle wird erneut das Gloria Patri vollzogen («Ehre sei dem Vater...»). Es folgt die Vaterunser-Perle des ersten Rosenkranzgesätzes («Vater unser im Himmel, geheiligt werde...»). Anschließend werden die zehn Perlen des ersten Gesätzes gebetet, wobei jede Perle für ein Ave Maria steht. (Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mir dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus...) An dieser Stelle wird das jeweilige Gesätz wiederholt. («Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.»)

Nach der zehnten Perle wird wieder das Gloria Patri eingeläutet. Es folgt als zweites Gesätz das Vaterunser der nächsten zehn Ave-Maria-Perlen. Die beschriebene Abfolge wiederholt sich bis alle fünf Gesätze des Rosenkranzes gebetet wurden. Der Rosenkranz schließt mit den letzten Gloria Patri ab.

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