Reizdarm...

...Botschaften aus dem Bauch

Das Reizdarmsyndrom zählt zu den häufigsten Darmerkrankungen, dabei bilden Frauen beim sogenannten «Colon irritable» mit etwa zwei Dritteln die Mehrheit. Die Krankheit äußert sich in einer Vielzahl an Symptomen wie Bauchschmerzen, Krämpfen, Blähungen sowie Durchfall und Verstopfung. Eine Umstellung der Ernährung, regelmäßige Entspannung, psychotherapeutische Maßnahmen und pflanzliche Arzneimittel können die Beschwerden lindern. 

Reizdarm - Botschaften aus dem Bauch

Nach aktuellen Schätzungen leiden in Westeuropa und den USA bis zu 25 Prozent der Bevölkerung an chronischen Bauchbeschwerden, die unter dem Begriff «Reizdarmsyndrom»  - abgekürzt auch als RDS - zusammengefasst werden. Frauen sind weitaus häufiger davon betroffen als Männer, wobei die typischen Beschwerden überwiegend im Alter zwischen dreissig und sechzig Jahren auftreten. Reizmagen und Reizdarm zählen zu den häufigsten Beschwerdebildern, die durch den Gastroenterologen (Internist mit Schwerpunkt Magen/Darm) gestellt werden und machen etwa fünfzig Prozent aller Zuweisungen aus. Die genauen Ursachen für die Entstehung des Reizdarmsyndroms sind bisher unbekannt - ihre Behandlung richtet sich daher im Allgemeinen nach den individuellen Krankheitszeichen.

Wunderwerk Darm

Magen und Darm vollbringen täglich erstaunliche Leistungen: Im Verlauf eines 75-jährigen Lebens verarbeitet der menschliche Verdauungstrakt etwa 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit. Dabei werden in einem komplizierten Zusammenspiel die Nährstoffe mit den übrigen Verdauungsorganen transportiert, zerkleinert, aufgenommen und am Ende Unerwünschtes wieder ausgeschieden. Aber der Darm kann viel mehr. Bis vor wenigen Jahrzehnten ging die Wissenschaft noch davon aus, dass der Magen-Darm-Trakt vom Gehirn gesteuert wird. Doch als der amerikanische Neurobiologe Dr. Michael Gershon im Jahr 1981 die Verbindungen zwischen Kopf und Darm genauer betrachtete, stellte er fest, dass der Magen-Darm-Trakt in seinen Funktionen weitgehendst unabhängig von Gehirn und Rückenmark arbeitet. Er entdeckte das sogenannte enterische Nervensystem (ENS), das im Volksmund als «Bauchhirn» bezeichnet wird. Die amerikanischen Experten hingegen sprechen heute vom «visceral brain» oder «second brain». Beim Bauchhirn handelt es sich um ein eng geflochtenes Nervennetzwerk von über 100 Millionen Zellen, das sich von der Speiseröhre bis zum Rektum und Anus erstreckt. Es arbeitet im Wesentlichen selbständig und tauscht Informationen mit dem Gehirn über das vegetative Nervensystem aus. Dabei kommunizieren die Nervenzellen - vergleichbar mit dem Kopfhirn - über Nervenbotenstoffe wie beispielsweise Serotonin und Dopamin. Nach derzeitigem Wissensstand werden im Darm etwa vierzig verschiedene Nervenbotenstoffe gebildet. Diese gelangen auf direktem Wege ins Gehirn und lösen dort Wechselwirkungen aus: Vorgänge im Bauch wirken sich so ebenso auf unsere Gefühle aus, wie die Gefühle Einfluss auf das Geschehen im Bauchraum nehmen können. Auf diese Weise ist unser Bauch nicht nur das Zentrum der Verdauung, «aus dem Bauch heraus» empfinden wir auch Gefühle wie Freude, Liebe oder Angst. Ferner erfüllt der Darm als größtes Abwehrorgan die Aufgabe, körperfremde Stoffe zu erkennen und diese auf dem schnellsten Weg aus dem Körper zu befördern. Der Organismus reagiert darauf mit Schutzreflexen in Form von Erbrechen oder Durchfall.

Reizdarmsyndrom - oft eine Fehldiagnose

Unter einem Reizdarmsyndrom (engl. IBS - Irritable Bowel Syndrome) versteht man eine Kombination unterschiedlicher Beschwerden im oberen Verdauungsapparat (Reizmagen) sowie im unteren Verdauungsapparat (Reizdarm), für die mit klassischen Untersuchungsverfahren keine organischen Ursachen gefunden werden. Im Vordergrund stehen krampfartige Schmerzen, vorwiegend bei der Darmentleerung. Ferner treten Durchfall oder Verstopfung (oft auch im Wechsel) sowie Blähungen auf. Leider lässt sich aus diesem Beschwerdebild keine allgemeingültige Diagnose ableiten, sie wird vielmehr erst dann gestellt, wenn ein gründliches Diagnoseverfahren andere Ursachen ausgeschlossen hat. In den meisten Fällen kommt eine Ultraschalluntersuchung des Bauches (Abdomen-Sonografie), Magenspiegelung (Gastroskopie) sowie Darmspiegelung (Koloskopie) und Stuhluntersuchung auf verstecktes Blut zur Anwendung. Ergeben diese Verfahren keinen Befund, stellen viele Ärzte - leider oft voreilig - die Diagnose «Reizdarm». Doch es gibt noch eine Reihe anderer Krankheitsbilder, die dem Reizdarmsyndrom ähneln: So werden häufig Lebensmittel-Intoleranzen wie beispielsweise gegenüber Gluten, Frucht- oder Milchzucker aber auch entzündliche Darmerkrankungen und Leber-Galle-Beschwerden nicht erkannt. Dr. med. Volker Schmiedel berichtet in seinem Buch «Alarm im Darm: Mythos Reizdarm - was Ihrer Verdauung wirklich hilft», mit welchen Untersuchungen und Laborwerten man dem Reizdarmsyndrom wirklich auf die Schliche kommt. Ferner bietet der Ratgeber einen verständlichen und kompakten Überblick darüber, welche naturheilkundlichen Maßnahmen und Ernährungsempfehlungen dem körperlichen und geistigen Wohlbefinden dienen.

Beschwerden - kurz und bündig:

Nach internationaler Übereinkuft spricht man von Reizdarm, wenn folgende Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen anhalten oder immer wieder auftreten und dabei keine anderen körperlichen Ursachen für die Beschwerden gefunden werden.

  • Schmerzen, Krämpfe und Missempfindungen im Bauch
  • keine Bauchbeschwerden während der Nacht
  • Veränderten Stuhlgewohnheiten (Durchfälle, Verstopfung oder Wechsel von Durchfällen und Verstopfung)
  • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • häufige Stuhlentleerungen
  • Besserung nach Stuhlgang
  • Blähungen
  • Verschlimmerung der Beschwerden bei Stress und Konfliktsituationen
  • Besserung der Symptome an den Wochenenden und in Erholungsphasen
  • kein Gewichtsverlust!
  • Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Reizblase, Reizmagen, Ängstlichkeit und Depression

Viele mögliche Ursachen

So verschiedenartig sich die Symptome äußern, so andersartig sind auch die möglichen Ursachen dafür. Während die Wissenschaft in früheren Zeiten seelische Störungen als Hauptursache für die Entstehung von Reizdarm vermutete, geht man heute davon aus, dass auch andere Faktoren als Auslöser für die Beschwerden beteiligt scheinen. Wie Untersuchungen ergaben, haben Betroffene eine überempfindliche Darmwand. Patienten spüren normale Verdauungsvorgänge wesentlich stärker - diese werden von unangenehm über störend bis schmerzhaft empfunden. Eine andere Theorie geht von einer Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems aus. So kann als möglicher Trigger die Botenstoffübertragung auf der Gehirn-Darm-Achse (Bauchhirn) ungünstig sein. Auch eine gestörte Darmflora wird im Zusammenhang mit RDS diskutiert. Bei vier Prozent der Infektionspatienten hat eine durchgemachte Magen-Darm-Grippe mit Salmonellen und anderen Bakterien das Reizdarmsyndrom ausgelöst. Zudem beeinträchtigen Medikamente wie Antibiotika die Darmflora, da sie ein Ungleichgewicht der Darmbakterien begünstigen. Weitere Faktoren, die das Reizdarmsyndrom verstärken, sind Stressbelastungen und falsche Ernährungsgewohnheiten. Neuere Studien haben ergeben, dass fast jeder Betroffene unter einer Kohlenhydratunverträglichkeit leidet und darauf mit Schmerzen oder Durchfall reagiert. Ähnliches scheint bei der Histamin-Intoleranz zu gelten. Eine ballaststoffarme Kost, ein hoher Fettkonsum sowie Genussmittel wie Alkohol, Koffein und Nikotin spielen zusätzlich eine Rolle. Vor einigen Jahren haben kanadische Forscher konkrete Hinweise auf den Entstehungsmechanismus des Reizdarms gefunden. Danach ist die Konzentration des Verdauungsenzyms Serinproteinase in der Verdauungsflüssigkeit von Kranken doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Dieses Verdauungsenzym stimuliert bestimmte Rezeptoren der Nerven- und Muskelzellen - durch diesen Vorgang ruft es wahrscheinlich Schmerzen, Unwohlsein sowie Durchfall und Verstopfung hervor. Die Wissenschaflter wollen nun herausfinden, warum das Enzym beim Reizdarmsyndrom in höherer Konzentration vorliegt.

Ratschläge für den Alltag:

- Problematische Lebensmittel meiden:

Bestimmte Nahrungsmittel, die das RDS auslösen oder verstärken können, sind unter anderem Hülsen- und Zitrusfrüchte, Kohlenhydrate (z. B. Zucker), Milchprodukte, kohlensäurehaltige Getränke oder pürierte Nahrung, die nicht sorgfältig eingespeichelt und rasch hinuntergekaut wird. Ebenso sollte auf fettreiche Kost, Nikotin, Alkohol sowie übermäßigen Kaffeegenuss verzichtet werden.

- Auf verträgliche Kosten achten:

Frische und natürliche Lebensmittel in Bio-Qualität sind die Basis einer gesunden Lebensweise. Bevorzugen Sie daher Speisen mit ausreichendem Anteil an Vitaminen und Ballaststoffen. Da eine vitalstoffreiche Vollwertkost am Anfang zu einer vermehrten Gasbildung führen kann, sollten Sie den Ballaststoffanteil während der Umgewöhnungsphase langsam steigern.

- Stress abbauen:

Hetze, Stress und Angst stören die normalen Verdauungsvorgänge. Entspannungstechniken (z. B. Autogenes Training oder Yoga) sowie eine allgemeine Kneippkur verbessern die Organfunktionen.

- Ausreichend Zeit zum Essen nehmen:

Sorgfältiges Kauen ist eine wichtige Vorbereitung für die Verdauung. Mit der F. X. Mayr-Kur können Sie diese oft vernachlässigte Funktion erlernen. Hierbei werden trockene Semmeln durch eine spezielle Ess- oder Kautechnik sehr langsam bis zur Sättigung gekaut und eingespeichelt. Sorgen Sie zudem für einen geregelten Tagesablauf mit festen Essenszeiten.

- Sport treiben:

Regelmäßige körperliche Betätigung wie Wandern, Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren wirkt sich positiv auf die Darmfunktion aus.

Unterschiedliche Behandlungsansätze

Da die Ursachen des Reizdarms bisher nicht vollständig geklärt sind, gibt es derzeit noch keine Standard- behandlung. Daher sollte jede Form von Therapie möglichst maßgeschneidert sein. Hierbei können Therapeuten und Ernährungsberater unterstützend eingreifen. Aber auch Selbsthilfegruppen und bestimmte Organisationen sind eine wertvolle Hilfe, bei denen persönliche Erfahrungen eingebracht und weitergegeben werden. Die Behandlung des Reizdarms konzentriert sich im Allgemeinen auf den Abbau von Stress durch Entspannungsverfahren, auf Psychotherapie, medikamentöse Behandlung, regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsoptimierung. Häufig werden säuernde Nahrungsmittel wie fritierte gebratene Speisen, fettreiche Kost, Kaffee oder Süßigkeiten nicht vertragen. Generell sollten unverträgliche Nahrungsmittel gemieden werden. Hierbei kann ein Tagebuch von Nutzen sein, in das die Betroffenen die zugeführten Lebensmittel und die damit verbundenen Beschwerden eintragen. Weiterhin hat sich ein feucht-warmer-Bauchwickel bewährt, er wirkt entspannend und löst Krämpfe. Hierfür wird ein Tuch mit heißem Wasser angefeuchtet und auf die Bauchdecke gelegt. Darüber legt man eine Wärmflasche und zum Schluss noch ein großes Badetuch. Der Wickel sollte abends vor dem Schlafengehen etwa zwanzig Minuten lang einwirken. Auch Kamillentee hat sich bei Reizdarm-Beschwerden bewährt: Er wirkt krampflösend, entzündungshemmend und blähungstreibend - in Kombination mit Melisse entsteht eine innere Ausgeglichenheit. Kümmel, Fenchel und Anis besitzen ebenfalls verdauungsfördernde und blähungsreduzierende Eigenschaften. Auch Pfefferminzöl in Kapselform ist bei Reizdarm gut geeignet: Es wirkt krampflösend, regt den Gallefluss an und lindert Blähungen. Das Präparat Medacalm® hat sich hierfür bestens bewährt. In Studien konnte eine deutliche Linderung der Bauchbeschwerden beobachtet werden. Zusätzlich sind Flohsamenschalen als natürlicher Stuhlregulator sowohl bei Verstopfung als auch bei Durchfall geeignet. Sie quellen im Verdauungstrakt auf und erleichtern somit die Verdauung. Ausserdem fördern Flohsamenschalen das Wachstum nützlicher Bakterien im Darm, gleichzeitig senken sie den Cholesterinspiegel und wirken sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus.

Das anthroposophische Arzneimittel Digestodoron® von Weleda kurbelt die rhytmischen Funktionen im Verdauungstrakt an und stellt bei längerfristiger Verwendung das natürliche Gleichgewicht wieder her. Das pflanzliche Mittel setzt sich aus den Blättern von Weiden und Farnen zusammen. 

Digestodoron® enhält die Farnarten Wurmfarn, Hirschzunge und Tüpfelfarn sowie die Weidenarten Silberweide, Korbweide und Purpurweide. Die Inhaltsstoffe der Farne kräftigen den Magen, sie regulieren das Darmmilieu und schützen vor Fremdbesiedelung. Des Weiteren regulieren die Weiden in ihrer arzneilichen Anwendung den Flüssigkeitshaushalt und die Nährstoffaufnahme des Darmes. Durch die Kombination aus Farnen und Weiden werden die Verdauungsfunktionen ausbalanciert und Reizdarmbeschwerden werden verbessert.

Falls vom behandelten Therapeuten nicht anders verordnet, ist die Einzeldosis:
Jugendliche und Erwachsene / 2 - 4 Tabletten
Schulkinder von 6 - 11 Jahren / 1 - 2 Tabletten
Kleinkinder von 2 - 5 Jahren / 1 - Tablette
Für alle Altersstufen gilt die Einnahme von 1 - 3 mal täglich. Siehe Packungsbeilage!

Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen:
Das Präparat darf bei Überempfindlichkeit gegen Weizenstärke nicht eingenommen werden.  Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Einnahme mit dem Arzt besprochen werden. Wechselwirkungen sind derzeit keine bekannt.

Mehr Infos zu «Digestodoron® - 250 Tabletten» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke:  >>online bestellen

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Wichtiger Hinweis:
Bitte beachten Sie, daß die Inhalte im «Forum-Naturheilkunde» keinen Ersatz für eine medizinische Beratung und Behandlung durch eine professionelle Fachkraft darstellen. Suchen Sie im Bedarfsfall immer einen Arzt auf. Auch bei der Anwendung von Arzneimitteln sollten Sie in jedem Fall die Packungsbeilage des Herstellers genau durchlesen und beachten.

Alarm im Darm: Mythos Reizdarm

Quälender Durchfall, Verstopfung und ständiges Rumoren - die Chance ist hoch, dass auch Sie eine Fehldiagnose bekommen haben. In 90 von 100 Fällen werden bei Darmproblemen die Auslöser nicht erkannt, und dem verzweifelten Patienten wird attestiert: Organisch alles ok! Dr. Volker Schmiedel ist im Schweizer Paramed Ambulatorium mit den Schwerpunkten Ernährung und Nährstoffversorgung tätig. Er konnte zahlreichen Reizdarm-Patienten helfen - und hat auch Antworten auf Ihre Fragen. Ursachen: Woher kommen meine Beschwerden? Alles über Fettverdauungsstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Bakterien und Darmpilze. Diagnostik: Ist die Darmspiegelung wirklich sinnvoll? Welche Labortests bringen Klärung? Prophylaxe: Helfen Bakterienkulturen oder Enzyme bei der Vorbeugung? Wie bringe ich meinen Darm nach einer Antibiotika-Einnahme wieder in Balance? Kommen Sie den wirklichen Ursachen Ihrer Verdauungsbeschwerden auf die Spur, und fühlen Sie sich endlich wieder wohl.

Alarm im Darm: Mythos Reizdarm
was Ihrer Verdauung wirklich hilft
von Volker Schmiedel

Taschenbuch: 104 Seiten
Verlag: TRIAS