Erkältet? – Die besten Hilfsmittel aus der Natur

Husten, Schnupfen, Heiserkeit - mit diesen Beschwerden hat jeder einmal zu kämpfen. Gerade bei Erkältungskrankheiten bringen pflanzliche Stoffe aus der Natur eine schnelle Linderung - und das ohne gravierende Nebenwirkungen.

Besonders während der kalten Jahreszeiten werden viele Menschen von Erkältungsbeschwerden geplagt: Die Nase läuft, der Hals kratzt und Reizhusten stört die Nachtruhe. Jene Symptome heilen meist innerhalb weniger Tage von selbst aus. Die Einnahme herkömmlicher Arzneien hat zufolge aktueller Studien hierbei keinen Einfluss auf die Krankheitsdauer [1]. Lediglich eine Symptomlinderung kann durch ihren Einsatz erreicht werden. Jedoch verursachen jene Medikamente häufig Nebenwirkungen, weshalb sich seit Jahrhunderten diverse pflanzliche Mittel zur Linderung der Erkältungsbeschwerden bewährt haben. Naturheilmittel sind im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten besonders nebenwirkungsarm und gut verträglich. Darüber hinaus, sind in ihnen wertvolle Inhaltsstoffe enthalten, welche virenabtötend, schmerzlindernd, entzündungshemmend, schleimlösend und hustenlindernd wirken. Die pflanzlichen Wirkstoffe können hierbei besonders gut durch ausreichendes Trinken von ausgewähltem Kräutertee aufgenommen werden. Der folgende Artikel soll einen Überblick über die besten Hilfsmittel aus der Natur geben, welche sich zur unterstützenden Therapie bei einer Erkältungskrankheit eignen.

Naturheilmittel bei Schnupfen (Rhinitis)

Schnupfen entsteht durch eine entzündliche Reaktion der Nasenschleimhaut, welche meist durch eine virale Infektion hervorgerufen wird. Die Schleimhaut schwillt an (Ödem) und produziert vermehrt Schleim (Hypersekretion), wodurch die Nasenhöhlen verstopfen (Obstruktion). Hierdurch wir die Nasenatmung verhindert und der Geruchssinn eingeschränkt. Das Nasensekret läuft kontinuierlich über die Nase (Rhinorrhoe) oder den Rachen („postnasal drip“) ab. Letzteres kann Mundgeruch (Foetor ex ore) hervorrufen [2]. Zur Therapie eines solchen Schnupfens eignen sich folglich entzündungshemmende, keimtötende und schleimlösende Wirkstoffe. Hierzu zählen beispielsweise die Schlüsselblume (Primula veris), der Lebensbaum (Thuja occidentalis) und der Sonnenhut (Echinacea).

Primula veris
Die Schlüsselblume zählt zu den Primelgewächsen. Sie enthält viel Saponin, welches zur Gruppe der Triterpene gehört. Triterpene sind sekundären Pflanzenstoffen, welche die Pflanze zum Schutz vor Fressfeinden ausbildet. Saponin ist bekannt für seine entzündungshemmende, keimabtötende, schmerzlindernde und vor allem schleimlösende Wirkung [3]. Studien hierzu konnten nachweisen, dass vor allem die Kombination aus Schlüsselblume, Gelber Enzian, Schwarzer Holunder, Sauerampfer und Eisenkraut zu einer deutlichen Abschwächung von Viren, die Schnupfen auslösen, führt [4].

Thuja occidentalis und Echinacea
Der Lebensbaum ist eine in Amerika heimische Pflanze, die reich an ätherischem Öl und Flavonoiden ist. Echinacea stellt hingegen eine einheimische Heilpflanze dar, die vorrangig Echinacin, Echinaccosid, ätherische Öle und Bitterstoffe enthält. Die Mixtur beider Pflanzen wirkt nachweislich stärkend auf die Abwehrkräfte (Immunzellen) [5]. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass durch Anwendung beider Naturheilmittel eine deutliche Symptomlinderung bei Schnupfen erzielt werden konnte [6].

Naturheilmittel bei Halsschmerzen und Schluckbeschwerden (Dysphagie)

Auch Halsschmerzen werden durch viral bedingte Schleimhautreizungen hervorgerufen. Die hierdurch ausgelöste Entzündung äußert sich typischerweise durch einen stark geröteten, schmerzhaften Rachen. Zur Symptomlinderung eignen sich daher entzündungshemmende und reizlindernde Wirkstoffe, wie sie beispielsweise im Salbei (Salvia officinalis), Gelber Enzian (Gentiana lutea) und Isländisch Moos (Cetraria islandica)  enthalten sind.

Salvia officinalis
Die Salbeipflanze zählt zu den Lippenblütengewächsen. Ihre Blätter enthalten ätherische Öle, Bitterstoffe, Triterpene und Flavonoide. Die Kombination jener sekundären Pflanzenstoffe ist bekannt für ihre keimtötende sowie entzündungshemmende Wirkung [7].

Gentiana lutea
Gelber Enzian  ist reich an Monoterpene, die bekannt für ihren bitteren Geschmack sind. Jene Wirkstoffgruppe zeichnet sich durch eine sehr vielfältige Wirkungsweise aus, wobei in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert die entzündungshemmende, immunsystemstärkende, viren- und bakterientötende Wirkung ist [8].

Cetraria islandica
Das Isländisch Moss zählt zu den Flechtengewächsen. Die Pflanze enthält viel Schleim (Schleimpolysaccharide), der sich auf über die gereizte Schleimhaut ausbreitet und dadurch eine Art puffernde, reizlindernde Schicht ausbildet [9].

Naturheilmittel bei Husten (Tussis)

Husten ist ein Schutzreflex, der zur Reinigung der Atemwege dient. Fremdkörper und Krankheitserreger führen zu einer Schleimhautreizung, welche jenen Reflex auslöst. Durch das explosionsartige Hervorstoßen von Luft versucht der Körper sich von jenen Schadstoffen zu befreien. Eine vollständige Unterdrückung des Hustenreflexes ist folglich nicht sinnvoll. Jedoch kann bei schmerzhaften Reizhustenanfällen eine krampflösende Therapie empfehlenswert sein. Hierzu eignet sich vor allem Thymian (Thymus vulgaris).

Thymus vulgaris
Thymian zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Thymol aus. Jenes ätherische Öl wirkt vor allem krampflösend, indem es die Bronchialmuskulatur entspannt [10]. Studien hierzu zeigen, dass die Kombination aus Schlüsselblume, Thymian und Efeu einen ebenso guten therapeutischen Effekt aufweist wie herkömmliche Medikamente [11].

Alternative Therapiemöglichkeiten

Neben pflanzlichen Mitteln kann auch Akupunktur zur Therapie bei Erkältung eingesetzt werden. Das Therapieverfahren wurde vor mehr als 3000 Jahren in China entwickelt. Durch richtiges Platzieren von Akupunkturnadeln sollen gezielt ausgewählte Körperpunkte gereizt werden. Hierdurch soll der Energiefluss im Körper im Gleichgewicht gehalten werden. Studien konnten zeigen, dass sich Akupunktur besonders zur Vorbeugung (Prävention) von Erkältungskrankheiten eignet [12].

Zu beachten

Bei folgenden Symptomen ist von einer Selbstbehandlung durch Naturheilmittel abzuraten:

  • plötzlicher Symptomausbruch
  • stark ausgeprägte Beschwerden
  • Fieber über 39°C
  • Krankheitsdauer von mehr als 7 Tagen

In diesen Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Darüber hinaus, sollten Säuglinge, Kinder und alte Menschen frühzeitiger ärztlichen Rat einholen, da ihre Abwehrkräfte meist weniger stark ausgebildet sind.


Literatur

[1] Ärzteblatt, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56465/Erkaeltungspatienten-profitieren-nicht-von-Ibuprofen-und-Dampfinhalationen, 30.07.2015

[2] Leitlinie Rhinosinusitis, S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Springer Verlag, 2012.

[3] Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen. Weltbild Verlag, 2000, S. 281 ff.

[4] B. Glatthaar-Saalmüller, U. Rauchhaus, S. Rode, J. Haunschild, A. Saalmüller, „Antiviral activity in vitro of two preparations of the herbal medicinal product Sinupret® against viruses causing respiratory infections”, Phytomedicine, 19/2011.

[5] Pahlow (2000): S. 295 f.

[6] B. Naser, B. Lund, H.-H. Henneicke-von Zepelin, G. Köhler, W. Lehmacher, F. Scaglione, „A randomized, double-blind, placebo-controlled, clinial dose-response trial of an extract of Baptisia, Echinacea and Thuja for the treatment of patients with common cold“, Pythomedicine, 12/2005.

[7] Ernst Schrott, Hermann Ammon: Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin, Springer-Verlag,  2012, S. 300 f.

[8] Schrott, Ammon (2012): S. 101 ff.

[9] Pahlow (2000): S. 172 ff.

[10] ebd., S. 317 ff.

[11] E. Ernst, R. März, Ch. Sieder, „A controlled multi-centre study of herbal versus synthetic secretolytic drugs for acute bronchitis“, Phytomedicine, 4/1999.

[12] Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V., http://www.daegfa.de/PatientenPortal/Akupunktur.Wo_hilft_Akupunktur.Erkaeltungen.aspx, 30.07.2015

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