Laufen fördert nicht nur Gesundheit, sondern auch Entspannung und Kreativität

Stress ist für viele zu einem ständigen Begleiter des Alltags geworden und nicht selten findet Entspannung abends nach der Arbeit vor dem Fernseher statt. Nach einem anstrengenden Tag ist der Kopf zu leer – oder zu voll –, um noch etwas anderes zu machen, als die Füße hochzulegen und sich berieseln zu lassen. Läuft gerade nichts Ansprechendes, wird durch die zahlreichen Programme gezappt – irgendetwas wird sich bei der Programmauswahl wohl noch finden lassen. Wirklich erholsam ist diese Art der Entspannung aber nicht, häufig werden Stress, Unzufriedenheit und fehlende Ausgeglichenheit dadurch sogar noch verstärkt.

Laufen fördert nicht nur Gesundheit, sondern auch Entspannung und Kreativität
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Ein wahrer Allrounder

Anders sieht es hingegen mit dem Laufen aus. Wer einen langen und kräftezehrenden Arbeitstag im Büro hinter sich hat, ist gut beraten, sich sportlich zu betätigen, wenn er abschalten möchte. Da ist natürlich einerseits der gesundheitliche Aspekt. Nicht selten beschränkt sich die Bewegung auf der Arbeit darauf, sich vom Computer in die Kaffeeküche und zurück zu begeben. 10.000 Schritte sollten täglich zurückgelegt werden, empfehlen Ärzte und Krankenkassen; umgerechnet wären das zwischen sechs und acht Kilometer, je nach Schrittlänge, eine Zahl, an die viele Menschen, die im Sitzen arbeiten und mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz fahren, vermutlich nicht herankommen werden. Ein guter Grund, sich zum Ausgleich sportlich zu betätigen. Laufen ist nicht nur eine unserer ursprünglichsten Bewegungen und eine der Fähigkeiten, die wir als erstes erlernen, Laufen ist auch auf unterschiedlichsten Ebenen gesundheitsfördernd.

Auch kurze Einheiten können sich positiv auswirken: Wer dreimal die Woche zwanzig Minuten läuft, tut schon etwas für seine Kondition und sein Herz-Kreislaufsystem. Hinzu kommt: Läufer haben einen niedrigeren Ruhepuls als Nichtläufer. Ebenso stärkt Joggen das Immunsystem, beugt Krankheiten vor, wirkt sich positiv auf die Verdauung aus und fördert eine erholsame Nachtruhe. Allerdings sollten mindestens zwei Stunden zwischen Lauf und Schlaf liegen, da sonst ein umgedrehter Effekt eintreten kann. Wer schon morgens seine Runden dreht, startet energiegeladen in den Tag. Ein weiterer Vorteil: Laufen ist einfach und preiswert umzusetzen, da es nur wenig an Ausrüstung bedarf. Basics wie Laufschuhe und Laufkleidung lassen sich ebenso wie nützliche Hilfsmittel – etwa Pulsuhren oder Kniebandagen – günstig im Internet finden. Sparfüchse greifen beim virtuellen Einkauf auf Gutscheine zurück, die es etwa für den Universal Versand gibt.

Auch kurze Einheiten können sich positiv auswirken
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Den inneren Schweinehund überwinden

Doch warum fällt so vielen der Laufeinstieg schwer? Wer das erste Mal zu Joggen anfängt oder nach einer äußerst langen Pause wieder ins Lauftraining einsteigt, weiß vermutlich, dass die ersten zwei bis drei Einheiten manchmal überaus quälend sein können: Die Hälfte des Pensums ist noch nicht geschafft, da ist die regelmäßige Atmung längst einem unkontrollierten Keuchen gewichen, die Lunge steht in Flammen und die Füße für die nächsten Schritte hochzubekommen, gleicht einem Wunder. Ist der Lauf endlich hinter sich gebracht, ist da Erleichterung – und ein Glücksgefühl. Hat man den inneren Schweinehund erst einmal in den Zwinger gesperrt, kommt man schnell in einen Flow, der einen feststellen lässt, dass Laufen keine Qual ist, sondern vielmehr Entspannung und ein Balancegeber.

Laufen lässt die Kreativität laufen

Dranbleiben lohnt sich, denn Joggen ist nicht nur gesund, dient dem Stressabbau und sorgt für eine positivere Stimmung, sondern fördert überdies auch noch die Kreativität. In seinem Buch "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" schildert der japanische Schriftsteller Haruki Murakami ausführlich die Bedeutsamkeit des Laufens für sein Leben und seine kreative Arbeit. Er geht sogar soweit, Laufen und Schreiben als eine notwendige, sich bedingende Symbiose zu bezeichnen. Wer läuft, hat im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf frei. Eine mediative Wirkung, die dafür sorgt, dass der ganze Gedankenbalast abgeworfen wird, ein Moment des Nichtdenkens sozusagen, die Voraussetzung dafür, dass Gedanken ungehindert ins Kreisen geraten können. Das wiederum führt zu einer anderen Wahrnehmung von z. B. Problemen. Wahrscheinlich kennt das Phänomen jeder: Ob es eine gepfiffene Melodie ist, zu dem einem der Songtitel einfach nicht einfallen will, oder die entscheidene Idee, die es für ein wichtiges Projekt braucht, je konzentrierter wir versuchen, danach zu greifen, desto weiter entfernen wir uns davon. Unter der Dusche, abends im Bett oder eben beim Laufen fällt es uns dann ein – in einem Moment, in dem die Gedanken ganz woanders waren.

Dass Sport und Laufen inspirierend wirken und die Kreativität anregen können, ist bereits seit längerem bekannt. Auch eine Studie der Stanford University unterstreicht das. Wer eine halbe Stunde lief, schnitt in einem Test besser ab als diejenigen, die sich nicht bewegten. Das liegt u.a. daran, dass der Hormonspiegel beim Laufen ansteigt. Zudem werden beide Gehirnhälften gleichzeitig angesprochen, sowohl die linke Hälfte für das logische Denken, als auch die rechte, für die Kreativität verantwortliche. Doch wer sich auf der Arbeit befindet, hat meistens nicht die Möglichkeit, zwischendurch eine Runde Joggen zu gehen, um den Kreativprozess ins Laufen zu bringen. Die gute Nachricht: Es bedarf keines schweißtreibenden Trainings, damit das Gehirn kreativer denkt. Auch ein halbstündiger Spaziergang kann schon für mehr kreative Einfälle sorgen.

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