Weihrauch - Gabe aus dem Morgenland

Weihrauch, das Baumharz stammt aus Arabien und Indien. Das wertvolle Kultur- und Handelsgut wird gerade im deutschsprachigen Raum wiederentdeckt - denn es lindert entzündliche Erkrankungen wie beispielsweise rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Asthma oder Schuppenflechte.

Weihrauch - Gabe aus dem Morgenland

Mit Weihrauch assoziieren die meisten von uns eine prächtige katholische Messe mit festlich gekleidetem Priester und dem Schwenken des Weihrauch-Kessels mit dem typischen balsamischen Duft. Ebenso die Erinnerung an die Drei Heiligen Könige (Caspar, Melchior und Balthasar) - auch Magier oder Weise genannt - aus dem Morgenland, die neben Myrrhe und Gold auch Weihrauch an das Christkind verschenkten in uns wach gerufen. Diese drei Gaben waren nicht nur in früheren Zeiten sehr wertvoll, sondern auch von enormer Heilkraft. Bis heute hat sich an den gesundheitsfördernden Eigenschaften von Gold, Myrrhe und Weihrauch nichts geändert. So wird Gold (Aurum) begleitend bei Rheuma eingesetzt, Myrrhe (Commiphora spec.) entfaltet seine unterstützende Wirkung bei Schleimhautentzündungen oder bei Erkrankungen der Atemwege und Weihrauch (Boswellia spec.) besitzt ausgeprägte entzündungshemmende Effekte.

Geschichtlicher Abriss

Dromedare entlang der Weihrauchstrasse
Dromedare entlang der Weihrauchstrasse

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Weihrauch eine lange Tradition hat. Vom frühen Altertum bis in die heutige Zeit hinein spielt er eine tragende Rolle in Religion, Brauchtum, Medizin und Kosmetik. Wahrscheinlich wurde bereits im zehnten Jahrhundert vor Christus das kostbare Weihrauch-Harz mithilfe von Dromedar-Karawanen über die Weihrauchstrasse - einer der ältesten Handelswege der Welt - von Süd-Arabien (Jemen) über Medina und die jordanische Stadt Petra bis ans östliche Mittelmeer transportiert. Auf dieser über dreitausend Kilometer langen Strecke wurde das Harz bedingt durch die Zölle sehr teuer und das Verlassen der Weihrauchstrasse wurde mit drakonischen Maßnahmen bestraft. Ein anderer Transportweg für die Handelsware nach Europa führte über Indien. Dort wurde das Harz oft gegen Baumwolle getauscht. Die altägyptische Königin Hatschepsut (etwa 1490 bis 1468 vor Christus) ging in die Geschichte ein, weil sie eine Flotte in das Land Punt im Ost-Sudan entsandte, um dort lebende Weihrauchbäume nach Theben bringen zu lassen. Im Terrassentempel der Königin in Theben befinden sich reliefartige Darstellungen, wie die Boswelliabäume an den Nil gebracht wurden. Im Tempel fanden Weihrauch-Räucherungen der Hebräer und Phönizier zur Vertreibung der bösen Geister statt. Auch bei den Griechen und Römern wurde das Harz immer beliebter und war ein fester Bestandteil des religiösen und weltlichen Lebens. Das Olebanumharz diente zudem als Duftstoff, spielte eine große Rolle bei der Hygiene und als Heilmittel verarbeiteten die Ärzte den Weihrauch zu Pulver, Salben, Pflastern und Klistieren. So therapierten die bekannten Ärzte der griechisch-römischen Antike wie Hippokrates, Celsus, Galen oder Dioskurides mit Weihrauch Blutungen, Hautkrankheiten, Brandwunden und Warzen. Ferner gab es spezielle Einläufe mit Weihrauchbeimischungen, die bei Verstopfung eingesetzt wurden und in Form von Inhalationen verordneten die Ärzte den Rauch bei Bronchitis. Auch Hildegard von Bingen wies auf die positiven Eigenschaften des Harzes bei überanstrengten Augen und bei Kopfschmerzen hin und empfahl, Weihrauch mit Mehl zu Duftplätzchen zu verarbeiten und sie an der Sonne zu trocknen: «Danach halt dir diese Plätzchen oft unter die Nase, und deren Duft macht dich stark und klärt deine Augen und füllt dein Gehirn auf». Ungeachtet der unterschiedlichen Zeitepochen kam man zu der übereinstimmenden Meinung, dass Weihrauch seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bei katarrhalischen Infekten, Bronchitis, Magen-Darm-Störungen sowie bei rheumatischen Erkrankungen entfaltet. Einige davon decken sich mit den heutigen Beobachtungen bei der Erforschung des Harzes.

Die wichtigsten Boswellia-Arten für den medizinischen Gebrauch

Weihrauchharz

Weihrauch geriet im Westen nach dem Mittelalter in Vergessenheit. Erst Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfuhr Weihrauch als Heilmittel durch den Pharmakologen Professor Hermann Phillipp Theodor Ammon von der Universität Tübingen eine Renaissance. Er konnte nachweisen, dass die Bosweliasäuren chronisch-entzündliche Verläufe im menschlichen Organismus hemmen können. Der Forscher setzte sich vor allem mit dem indischen Weihrauch (Boswellia serrata) auseinander, der schon lange in der ayurvedischen Medizin bekannt war. In einer anderen Weihrauch-Art wurde vor nicht langer Zeit ein besonders hoher Gehalt an Boswelliasäuren entdeckt. Professor Oliver Werz von der Universität Jena, ein Schüler von Professor Ammon, untersuchte das Harz von Boswellia papyrifera und konnte dort um den Faktor zehn wirksamere Konzentrationen als im indischen Weihrauch finden. Diese Weihrauch-Art kommt vorwiegend in Äthiopien vor und war bislang noch nicht näher untersucht worden. Im Rahmen eines Verbundprojekts ging Professor Werz zusammen mit der Universität Saarbrücken der medizinschen Wirkung des Weihrauchs nach. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Boswelliasäuren (pentazyklische Triterpene) Entzündungen auf mehreren Ebenen beeinflussen. Somit konnte die Weihrauchforschung die traditionellen Einsatzgebiete des Harzes bei rheumatoider Arthritis, Osteoarthritis sowie bei Asthma bestätigen. Eine weitere wichtige Weihrauch-Art ist Boswellia carterii, auch Mohor, Moxor oder Beyo genannt, die aus Somalia stammt. Hinsichtlich der Wirksamkeit dieses Weihrauch-Harzes kann auf eine Darstellung aus dem Jahr 2011 des Afrikanischen Pflanzen-Arzneibuch (African Herbal Pharmacopoeia) zurückgegriffen werden. Dort werden für Boswellia sacra bzw. Boswellia carterii antibakterielle, antivirale, antimykotische (pilzhemmende) sowie antientzündliche Eigenschaften beschrieben. In diesem Arzneibuch sind unter anderem therapeutische Indikationen für Weihrauch carterii wie beispielsweise bei rheumatoider Arthritis (chronische Polyarthritis), chronischer Colitis sowie Asthma bronchiale festgehalten.

Inhaltsstoffe und Boswelliasäuren

Olibanum setzt sich aus unterschiedlichen Substanzen wie Harzbestandteilen, Bitterstoffen, Schleimstoffen, Gummi, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und anderen biologisch wertvollen Ingredienzen zusammen. Darüber hinaus sind verschiedene Boswelliasäuren nachweisbar, von denen man weiss, dass sie die Biosynthese von entzündungsfördernden Botenstoffen hemmen können. Nach derzeitigem Stand können vierzehn Boswelliasäuren (BA) unterschieden werden. «Einige Harze enthalten viele Boswelliasäuren, andere hingegen überhaupt keine», so die Diplom-Biologin Dr. Rebekka Zirbel. Im Jahr 2008 berichtete die Biologin in einem Artikel in der Zeitschrift «Om und Ernährung» darüber und gab an, das von den vierzehn Boswellisäuren lediglich vier medizinisch wirksam seien. Dennoch zeigte sich unter allen untersuchten Bowelliasäuren die 3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure (AKBA) als die Wichtigste. Sie lässt sich gut in Fett lösen und kommt vor allem in Weihrauch-Arten aus Somalia und Süd-Arabien vor. Obwohl Weihrauch mit seinen therapeutischen Eigenschaften in der ayurvedischen Medizin seit Tausenden von Jahren eingesetzt wird, sind die genau wirkenden Substanzen und Mechanismen bis heute weitestgehend unerforscht.

Weihrauch und die Botanik

Die Weihrauchbäume zählen wie die Myrrhensträucher zur Familie der Balsamgewächse (Burseraceae). Die verschiedenen Weihrauch-Arten kommen hauptsächlich in Süd-Arabien, Afrika (Nordost-Afrika, West-Afrika, Madagaskar) und Asien (Indien, Jemen) vor, wobei die grösste Vielfalt mit sechs Arten auf der Insel Sokotra zu finden ist. Die bizarren, laubwerfenden, oft mehrstämmigen Bäume oder Sträucher besitzen eine papierartige Borke, am Ende der Zweige tragen sie gegenständig angeordnete, unpaarig gefiederte Blätter. Die weissen oder roten Blüten sind in blattachselständigen Trauben gruppiert. Der sechs bis zehn Meter hohe Baum bildet breite und flache Wurzeln aus, dadurch kann das wenige Regenwasser optimal aufgenommen werden. Die Boswellien bevorzugen trockene und felsige Böden und gedeihen sogar in geschützten Wüstenschluchten. Die Rinde der Bäume sondert in bestimmten Exkretgängen die aromatischen Harze ab. Damit die Harze besser aus dem Holz austreten können, ritzen die Bauern die Rinde während der Ernte mit einem Messer ein. Ein einziger Weihrauchbaum bringt während der Erntesaison satte drei bis zehn Kilogramm Harz auf die Waage. In den südlichen Küstengebirgen des Oman bei Salalah wachsen die Bäume in einer Höhe von fünfhundert bis tausend Metern. Dort erhalten sie sehr viel Feuchtigkeit, bedingt durch den Monsunregen im Sommer, der dort oft noch lange Zeit nach dem Niederschlag in Form von Nebel erhalten bleibt. Dadurch produzieren die Bäume dieser Region ein besonders hochwertiges Harz.

Entzündungshemmende Eigenschaften

Professor Werz und seine Mitarbeiter konnten die Wirksamkeit von Weihrauch fragmentarisch aufdecken. Sie stellten fest, dass die Boswelliasäuren mit verschiedenen Eiweissen interagieren, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind, vor allem mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist. Diese E2 Prostaglandine werden verstärkt in verletztem Gewebe produziert und rufen unter anderem Entzündungen, Schmerzen und Fieber hervor. Die Inhaltsstoffe von Weihrauch hemmen dieses Enzym und verringern somit die Entzündungsreaktion. Die ersten wissenschaftlichen Entdeckungen zur antientzündlichen Wirkung der Boswelliasäuren zeigten, dass das Enzym 5-Lipoxygenase gehemmt wird. Nach weiteren Forschungen wurde jedoch deutlich, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht der einzige Wirkmechanismus sein konnte. So gelangte man zur Erkenntnis, dass auch das Enzym Cathepsin G durch die Boswellisäuren bestimmte Entzündungsreaktionen im Körper verringert. Cathepsin G kommt vor allem in Immunzellen vor und baut wichtige Strukturproteine wie beispielsweise Kollagen und Elastan ab. Über diesen Mechanismus dringen Immunzellen in das Gewebe ein und es kommt dort zu einer Entzündung. Durch die Hemmung von Cathepsin G bildet sich die Entzündung zurück, sodass Gelenkschwellungen, Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit und das Allgemeinbefinden sich bessern. Es ist anzunehmen, dass die vielschichtigen Inhaltsstoffe des Weihrauchs weitere positive Eigenschaften auf die Gesundheit haben, die aber bislang noch nicht näher erforscht sind.

Einsatzgebiete kurz & bündig

Weihrauch kann gegen viele entzündliche Beschwerdebilder und Erkrankungen verwendet werden. Hier die wichtigsten Einsatzbereiche auf einen Blick:

  • Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Rheuma, Rheumatoide Arthritis, Arthritis, Gicht, Morbus Bechterew
  • Bronchialasthma, Allergien
  • Atemwegsinfekte wie zum Beispiel Heiserkeit, Husten, Bronchitis, Halsschmerzen
  • Darmerkrankungen wie beispielsweise Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Magenschleimhautentzündung
  • Entzündliche Hauterkrankungen: Schuppenflechte, Neurodermitis, Abszesse, Nesselsucht
  • Harnwegsinfektionen, z. B. Blasenentzündung
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Pilzerkrankungen
  • Zahnfleischentzündung und Parodontitis
  • Hirntumore: Einige Studien deuten auch daraufhin, dass Weihrauch bei bestimmten Arten von Hirntumoren (Glioblastome und Astrozytome) den allgemeinen Zustand der betroffenen Patienten verbessert.

Die verschiedenen Darreichungsformen

Weihrauch als Trockenextrakt wird in Deutschland in Form von Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln (H15) in Apotheken angeboten. Ferner können auch verschiedene Kosmetika gegen trockene und gereizte Haut sowie ätherische Öle aus Weihrauch über das Internet oder eine Apotheke vor Ort bezogen werden.

Mehr Infos zu «Weihrauch Produkten» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke: >> online bestellen 

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von Ernst Schrott

Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: Aurum in J. Kamphausen

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